Low-FODMAP oder Antibiotikum bei Reizdarm? Darmmikrobiom sagt möglicherweise den Behandlungserfolg voraus27. April 2026 Foto: Mohammad/stock.adobe.com Bei Patienten mit von Diarrhoe geprägtem Reizdarmsyndrom (RDS-D) können eine Ernährungsweise, die arm an fermentierbaren Kohlenhydraten ist (Low-FODMAP), und das Antibiotikum Rifaximin vergleichbare und signifikante Linderung verschaffen. Das geht aus einer aktuellen Studie hervor, die kürzlich im Journal „Clinical Gastroenterology and Hepatology“ veröffentlicht worden ist. „Wir haben festgestellt, dass Unterschiede im Darmmikrobiom möglicherweise dabei helfen können, vorherzusagen, welche Patienten auf bestimmte Therapien ansprechen“, berichtet Dr. Allen Lee, Assistenzprofessor für Innere Medizin an der Medizinischen Fakultät der University of Michigan (USA) und Hauptautor der Studie. „Wir identifizierten außerdem eine spezifische mikrobielle Signatur bei Patienten, die auf keine der beiden Behandlungen reagierten. Dies deutet darauf hin, dass es möglich sein könnte, bereits vor Behandlungsbeginn Personen zu erkennen, die auf gängige, auf dem Mikrobiom basierende Therapien wie Rifaximin und die Low-FODMAP-Ernährung nicht ansprechen werden.“ Suche nach besserem Ansatz als „Try and Error“ Die Wissenschaftler verglichen nicht nur die Low-FODMAP-Ernährung und Rifaximin, sondern untersuchten auch, ob Darmmikrobiom-Tests zukünftig präzisere Behandlungsempfehlungen ermöglichen könnten. „Aktuell beruht die Behandlung des Reizdarmsyndroms oft auf einem Try-and-Error-Ansatz, bei dem Patienten verschiedene Therapien ausprobieren, bis sie die richtige finden. Das kann für die Patienten frustrierend, zeitaufwendig und belastend sein“, betont Lee. „Unsere Studie wurde durch neue Erkenntnisse motiviert, laut denen das Darmmikrobiom eine Schlüsselrolle beim Reizdarmsyndrom spielt und diese mikrobiellen Unterschiede erklären könnten, warum manche Patienten auf bestimmte Behandlungen ansprechen, andere jedoch nicht. Durch ein besseres Verständnis dieser Muster hoffen wir, einen personalisierten Behandlungsansatz zu entwickeln.“ In die monozentrische, randomisierte, kontrollierte Studie wurden 65 Probanden entweder einer 14-tägigen Rifaximintherapie oder einer Beratung hinsichtlich der Low-FODMAP-Ernährung zugeteilt. Nach fünf Wochen erreichten die Probanden in beiden Gruppen eine vergleichbare und signifikante Linderung ihrer Bauchschmerzen und Blähungen. Sowohl die Low-FODMAP-Ernährung als auch Rifaximin führten zu einer signifikanten Linderung von Bauchschmerzen (-0,29 Punkte/Woche mit Low-FODMAP vs. -0,24 Punkte/Woche mit Rifaximin) und reduzierten Blähungen (-0,29 vs. -0,19 pro Woche). Auch der IBS Symptom Severity Score (IBS-SSS; -14,2 vs. -13,3 pro Woche) in Woche 5 fiel signifikant geringer aus (alle p<0,0001). Beim Ergebnis auf der Bristol-Stuhlformen-Skala (BSFS) hingegen beobachteten die Forschenden keine signifikante Veränderung. Zusätzlich wurden in den Wochen 0, 2, 4 und 5 Stuhlproben zur Analyse des Darmmikrobioms der Teilnehmer entnommen. So waren die Forschenden in der Lage zu analysieren, ob bestimmte Bakterien das Ansprechen auf die jeweilige Behandlung vorhersagen konnten und wie verschiedene Merkmale des Mikrobioms mit der Verbesserung unterschiedlicher Symptome korrelierten. Die Studienautoren führten auch Analysen des Exhalats der Betroffenen auf Glucose durch. Diese erwiesen sich jedoch als ungeeignet für die Vorhersage des Behandlungserfolges. Spezifisches mikrobielles Profil im Zusammenhang mit Therapieresistenz Eine der Erkenntnisse war, dass Patienten, die auf die FODMAP-arme Diät ansprachen, eine geringere Ausgangskonzentration mutmaßlich saccharolytischer Taxa aufwiesen und im Verlauf der Zeit eine Zunahme der mikrobiellen Diversität zeigten. Die Patienten, die auf Rifaximin ansprachen, wiesen hingegen eine Anreicherung von Taxa mit potenzieller Fähigkeit zur Produktion kurzkettiger Fettsäuren und zur Modifizierung von Gallensäuren auf. Dies deutet laut den Forschenden auf eine gegenüber Antibiotika resistentere mikrobielle Gemeinschaft hin. Bemerkenswerterweise war bei Patienten, die auf keine der beiden Therapien ansprachen, eine Anreicherung mutmaßlich proteolytischer Taxa zu beobachten. Dies verdeutliche ein spezifisches mikrobielles Profil im Zusammenhang mit Therapieresistenz, erklären die Wissenschaftler. Die Forscher betonen abschließend, dass es sich um hypothesengenerierende und keine endgültigen Forschungsergebnisse handele. Sie hoffen, dass zukünftige Validierungen zu einer stärker personalisierten klinischen Therapie führen werden. Mehr zum Thema Reizdarmsyndrom: Antidepressiva bei Reizdarmsyndrom: Hinweise auf erhöhtes Mortalitätsrisiko Reizdarmsyndrom-Diagnose: Männer mit Symptomen werden häufiger übersehen
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