Real-World-Daten: Zielgerichtete Therapie verlängert Überleben bei aggressiven Formen von Darmkrebs27. April 2026 Abbildung: appledesign/stock.adobe.com Der HER2-positive, metastasierte Darmkrebs spricht häufig nur unzureichend auf Standard-Chemotherapien an. Neue Daten, die kürzlich auf der Jahrestagung der American Association for Cancer Research (AACR) in San Diego (USA) vorgestellt wurden, lassen nun hoffen. Wie die Autoren einer neuen Studie berichteten, können Patienten mit HER2-positivem, metastasiertem Darmkrebs durch die Behandlung mit dem zielgerichteten Medikament Trastuzumab Deruxtecan (T-DXd) im Vergleich zu einer Standard-Chemotherapie ein längeres Überleben erreichen. Die Ergebnisse liefern den Forschenden zufolge wichtige Hinweise darauf, dass die in klinischen Studien beobachteten Überlebensvorteile auch in der onkologischen Routineversorgung Bestand haben. Obwohl klinische Studien gezeigt haben, dass T-DXd das Gesamtüberleben verlängern kann, war seine Wirksamkeit außerhalb klinischer Studien bisher unklar. Zunairah Shah, Ko-Erstautorin der Studie, präsentierte nun die Forschungsergebnisse ihres Teams auf dem AACR-Kongress. Umweg um gesunde Zellen herum Das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat T-DXd transportiert das Chemotherapeutikum direkt zu Krebszellen, die das Protein HER2 überexprimieren, und umgeht dabei gesunde Zellen. In früheren klinischen Studien wurde T-DXd bei Patienten untersucht, die bereits zwei oder mehr Vortherapien erhalten hatten. Bei anderen Tumorarten zeigten Antikörper-Wirkstoff-Konjugate jedoch einen größeren Nutzen, wenn sie bereits früher im Behandlungsverlauf eingesetzt wurden. Dies wurde in der DESTINY-Breast09-Studie belegt. Folglich verglich das Team retrospektiv die Behandlungsergebnisse von Patienten, die T-DXd in der Zweitlinientherapie erhielten, mit denen von Patienten, die eine Standardchemotherapie bekamen. Vorteil für das Gesamtüberleben bei früherem Einsatz „Unsere Studie legt nahe, dass T-DXd das Langzeitüberleben verbessern kann, wenn es früher im Behandlungsverlauf eingesetzt wird, und dass es im klinischen Alltag ein akzeptables Sicherheitsprofil aufweist“, erklärt Dr. Shah, Fachärztin für Hämatologie/Onkologie am Roswell Park Cancer Institute. Um die Wirkung des Medikamentes außerhalb klinischer Studien genauer beurteilen zu können, analysierten Shah und ihre Kollegen Daten von 11.112 Patienten. Von diesen wurden 9135 mit einer Standardchemotherapie behandelt, während 1977 T-DXd erhielten. Das Gesamtüberleben nach einem Jahr war vergleichbar. Nach fünf Jahren jedoch war unter T-DXd ein deutlicher Vorteil zu beobachten, mit einer Gesamtüberlebensrate von 58 Prozent gegenüber 49 Prozent in der Gruppe mit Standardchemotherapie. „In dieser Studie war Trastuzumab Deruxtecan im Vergleich zur Standard-Chemotherapie mit einem längeren Langzeitüberleben, einem geringeren Mortalitätsrisiko und einem akzeptablen Sicherheitsprofil verbunden“, erläutert Shah. „Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass es einen bedeutenden Nutzen für Patienten mit HER2-positivem metastasiertem Kolorektalkarzinom bieten und die Behandlungsergebnisse bei dieser aggressiven Erkrankung verbessern könnte.“ Es braucht noch prospektive klinische Studien „Trastuzumab Deruxtecan wurde typischerweise bei fortgeschrittenem Kolorektalkarzinom in späteren Therapielinien – ab der dritten Linie – eingesetzt”, ergänzt Dr. Kannan Thanikachalam, Assistenzprofessor für gastrointestinale Onkologie am Department für Innere Medizin und einer der Hauptautoren der Studie. „Diese retrospektive Real-World-Studie zeigt jedoch, dass Patienten mit HER2-positivem Kolorektalkarzinom ein längeres Überleben aufwiesen, wenn T-DXd früher eingesetzt wurde. Allerdings sind prospektive klinische Studien erforderlich, um diese Ergebnisse zu bestätigen. Auch die pulmonale Toxizität muss bei Patienten, die T-DXd erhalten, berücksichtigt werden.“ Vergleich mit Daten zu Brustkrebs „Die Ergebnisse dieser Studie ähneln auffallend den Studiendaten zu HER2-positivem metastasiertem Brustkrebs, die eine erhaltene oder sogar verbesserte Wirksamkeit von Trastuzumab Deruxtecan in früheren Therapielinien zeigen“, sagt Dr. Sheheryar Kabraji, Leiter der Abteilung für Brustmedizin und Direktor der translationalen Brustkrebsforschung am Roswell Park Cancer Institute und ebenfalls einer der Hauptautoren der Studie. „Diese Arbeit ist ein wichtiges Beispiel dafür, wie Kliniker mithilfe von Daten aus der klinischen Praxis Therapien für aggressive Krebsarten wie HER2-positiven Darmkrebs optimieren können. Analysen wie diese tragen dazu bei, die Behandlung in Richtung präziserer, evidenzbasierter Strategien zu lenken, die letztendlich die Patientenergebnisse verbessern können.“
Mehr erfahren zu: "Neuer zellulärer Angriffspunkt verhindert Hepatitis-E-Infektion" Neuer zellulärer Angriffspunkt verhindert Hepatitis-E-Infektion Ein internationales Forschungsteam hat einen vielversprechenden neuen Ansatz zur Behandlung von Infektionen mit dem Hepatitis-E-Virus (HEV) identifiziert. Im Zentrum der Studie steht der Wirkstoff Apilimod.
Mehr erfahren zu: "Low-FODMAP oder Antibiotikum bei Reizdarm? Darmmikrobiom sagt möglicherweise den Behandlungserfolg voraus" Low-FODMAP oder Antibiotikum bei Reizdarm? Darmmikrobiom sagt möglicherweise den Behandlungserfolg voraus Bei Patienten mit von Diarrhoe geprägtem Reizdarmsyndrom (RDS-D) können eine Ernährungsweise, die arm an fermentierbaren Kohlenhydraten ist (Low-FODMAP), und das Antibiotikum Rifaximin vergleichbare und signifikante Linderung verschaffen.
Mehr erfahren zu: "KI-gestütztes Projekt erforscht Zusammenhang zwischen CED und Parkinson" KI-gestütztes Projekt erforscht Zusammenhang zwischen CED und Parkinson Forschende der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen-Nürnberg wollen potenzielle Zusammenhänge zwischen Chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) und der Parkinson-Krankheit erforschen und so Diagnose und Therapie beider Erkrankungen verbessern.