Neuer zellulärer Angriffspunkt verhindert Hepatitis-E-Infektion

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Ein internationales Forschungsteam hat einen vielversprechenden neuen Ansatz zur Behandlung von Infektionen mit dem Hepatitis-E-Virus (HEV) identifiziert. Im Zentrum der Studie steht der Wirkstoff Apilimod.

Apilimod blockiert gezielt den Eintritt des HEV in menschliche Leberzellen und unterbindet damit eine Infektion bereits in einem frühen Stadium. Der Wirkstoff richtet sich gegen einen Mechanismus der Wirtszelle, sodass die Wahrscheinlichkeit sinkt, dass das Virus dagegen Resistenzen entwickelt. Apilimod ist bereits klinisch untersucht. Das könnte seine Weiterentwicklung zu einem Medikament gegen Hepatitis E beschleunigen.

Ein unabdingbares Enzym

Die Forschenden unter Beteilung von Mitarbeitern der Ruhr-Universität Bochum untersuchten gezielt Prozesse der Wirtszellen, die HEV für eine erfolgreiche Infektion benötigt. Dabei identifizierten sie das Enzym PIKfyve als entscheidenden Faktor für den Viruseintritt.

PIKfyve spielt eine zentrale Rolle in intrazellulären Transportprozessen, insbesondere im endolysosomalen System – einem Netzwerk von Zellkompartimenten, das von vielen Viren als Eintrittsweg genutzt wird.

In ihren Experimenten identifizierten die Wissenschaftler den PIKfyve-Inhibitor Apilimod als besonders wirksam. Der Wirkstoff verhinderte effizient das Eindringen des Virus in die Zellen. Im Gegensatz zu klassischen antiviralen Substanzen greift Apilimod nicht direkt das Virus an, sondern blockiert einen zellulären Mechanismus, den das Virus für sich nutzt. „Das ist ein entscheidender Vorteil“, sagt Koautorin Sarah Schlienkamp von der Abteilung für Molekulare & Medizinische Virologie der Ruhr-Universität Bochum. „Da wir auf einen Wirtsfaktor abzielen, ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass das Virus Resistenzen entwickelt“, ergänzt ihr Kollege und Koautor Julian Ring.

Sicherer und verträglicher Wirkstoff

Die Wirksamkeit von Apilimod wurde in verschiedenen Modellsystemen bestätigt – darunter Zellkulturen, primäre menschliche Leberzellen sowie ein Tiermodell mit infizierten Ratten. In allen Versuchen konnte die Viruslast deutlich reduziert werden. „Besonders interessant ist, dass Apilimod bereits klinisch untersucht wurde und ein bekanntes Sicherheitsprofil besitzt“, betont Koautorin Maria Darido, ebenfalls aus der Abteilung für Molekulare & Medizinische Virologie der Ruhr-Universität Bochum. „Das könnte die Weiterentwicklung für die Behandlung von Hepatitis E erheblich beschleunigen.“

Darüber hinaus zeigen die Ergebnisse, dass die Hemmung von PIKfyve gezielt den Viruseintritt unterbindet, ohne zentrale Zellfunktionen wesentlich zu beeinträchtigen. Dies spricht für eine potenziell gute Verträglichkeit – ein wichtiger Aspekt für zukünftige klinische Anwendungen.

Insgesamt unterstreichen die Befunde das Potenzial von Therapien, die gegen Wirtsfaktoren gerichtet sind. Statt das Virus selbst anzugreifen, zielen diese Strategien auf zelluläre Prozesse ab, die für die Virusinfektion essenziell sind. Dadurch könnten sie auch gegenüber neu auftretenden Virusvarianten wirksam bleiben.

Künftige Studien müssen nun klären, inwieweit sich die vielversprechenden Ergebnisse in klinische Anwendungen übertragen lassen.