PET-Tracer macht Parkinson-Prozesse erstmals im lebenden Gehirn sichtbar1. Juni 2026 Foto: © Framestock – stock.adobe.com Ein neuartiger PET-Tracer kann krankhafte Alpha-Synuclein-Ablagerungen im Gehirn sichtbar machen. Die Methode ermöglicht eine bessere Diagnose, könnte die Entwicklung neuer Therapien verbessern und die Behandlung von Parkinson künftig individueller gestalten. Erkrankungen wie Parkinson, Demenz oder Multisystematrophie können bislang oft erst spät oder sogar erst nach dem Tod sicher diagnostiziert werden. Forschenden ist es nun gelungen, einen neuen molekularen Marker (PET-Tracer) zu entwickeln, der krankhafte Ablagerungen des Proteins Alpha-Synuclein im lebenden Gehirn sichtbar macht. „Mit diesem neuen Verfahren können wir krankhafte Prozesse erstmals direkt im Gehirn beobachten – und weitere Arbeiten werden zeigen, ob dies auch gelingt, bevor klinische Symptome eindeutig sind“, erklärt Prof. Kristina Herfert vom Werner Siemens Imaging Center am Universitätsklinikum Tübingen, die die Studie zusammen mit Prof. Armin Giese und Prof. Christian Griesinger leitete. „Das eröffnet neue Möglichkeiten für eine frühere und genauere Diagnose.“ Von der Grundlagenforschung bis zur Anwendung am Menschen Der neue Tracer [¹¹C]MODAG-005 wurde in mehreren Entwicklungsschritten chemisch optimiert – unter Zuhilfenahme von Tiermodellen bis hin zu ersten Untersuchungen bei Patienten. Erste Ergebnisse aus der vorklinischen Studie mit drei Patientinnen und Patienten deuten darauf hin, dass sich unterschiedliche Krankheitsformen anhand charakteristischer Muster im Gehirn unterscheiden lassen. „Die Übereinstimmung der Bilder mit den Erwartungen der Neuropathologen für die unterschiedlichen Erkrankungen ist ein entscheidender Schritt hin zu einer verlässlichen bildgebenden Diagnostik bei diesen neurologischen Erkrankungen“, erklärt Neuropathologe Giese, Chief Scientific Officer des Biotechnologie-Unternehmens MODAG. Neue Chancen für Therapien und personalisierte Medizin Neben der Diagnostik bietet die neue Technologie den Forschenden zufolge auch großes Potenzial für die Entwicklung und Bewertung neuer Medikamente. So könne erstmals direkt im Gehirn überprüft werden, ob ein Wirkstoff tatsächlich an seinem Ziel ankommt und wirkt. Dies könnte zukünftige klinische Studien effizienter machen und die Entwicklung neuer Therapien beschleunigen. Gleichzeitig eröffnet sich die Möglichkeit, Krankheitsverläufe individueller zu verfolgen und Behandlungen besser auf einzelne Patienten abzustimmen. „Für die pharmazeutische Forschung ist das ein Meilenstein“, betont Giese. „Wir können künftig viel gezielter prüfen, ob neue Wirkstoffe tatsächlich das krankheitsauslösende Protein beeinflussen.“ Perspektiven für Patienten und Gesundheitssystem Langfristig könnte die neue Bildgebungstechnologie dazu beitragen, Krankheitsverläufe durch eine frühe Diagnose zu verlangsamen und Therapien gezielter einzusetzen, sind die Forschenden überzeugt. Sie sehen ihre Arbeit daher als wichtigen Schritt auf dem Weg zu einer besseren Versorgung von Menschen mit neurodegenerativen Erkrankungen – vergleichbar mit den Fortschritten, die bildgebende Verfahren bereits in der Alzheimer-Forschung ermöglicht haben.
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