Neuer Versorgungsansatz für die psychische Gesundheit von jungen Geflüchteten17. Juli 2019 Das Team von „Better Care“ um Prof. Rita Rosner (v. r.) beim Auftakttreffen des Verbundprojektes. (Foto: Unterhitzenberger/upd) Eine bessere psychotherapeutische Versorgung für unbegleitete junge Flüchtlinge ist das Ziel des Verbundprojektes „Better Care“ unter Leitung des Lehrstuhls für Klinische und Biologische Psychologie der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU). „Knapp 70.000 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge kamen allein in den Jahren 2015 bis 2017 nach Deutschland. Viele von ihnen haben traumatische Erfahrungen gemacht und die psychische Belastung in dieser Gruppe ist hoch“, erklärt Prof. Rita Rosner. Für die gesunde Entwicklung und die erfolgreiche Integration in die Gesellschaft in Deutschland sei die Verarbeitung und Behandlung dieser belastenden Ereignisse von zentraler Bedeutung. „Obwohl vielversprechende Präventions- und Therapieansätze existieren, erhalten jedoch leider nur die wenigsten jungen Flüchtlinge in Deutschland eine entsprechende Behandlung“, schildert Rosner. Im Zuge von „Better Care“ soll ein gestufter Versorgungsansatz entwickelt und implementiert werden, der Angebote für junge unbegleitete Flüchtlinge, Jugendhilfeeinrichtungen, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sowie Dolmetscherinnen und Dolmetscher umfasst. Zudem soll im Rahmen des Projektes ein Vergleich zur Regelversorgung erfolgen. Abhängig von der Schwere der Symptome erhalten die Patientinnen und Patienten über „Better Care“ eine Behandlung, die zu ihnen am besten passt. In einem ersten Schritt erfolgt daher ein Screening der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, mit dem eine Bestandsaufnahme ihrer psychischen Probleme und ihrer Lebensqualität erfolgt. Dabei wird über eine Reihe von Fragebögen festgestellt, zu welchem Grad posttraumatische Stresssymptome, Depressivität, Angstsymptome und Substanzgebrauch vorliegen, sowie die Lebensqualität und allgemeine Gesundheit erfasst. Im Anschluss erhalten die Teilnehmer und Jugendhilfeeinrichtungen eine Rückmeldung, ob Behandlungsbedarf besteht. Die bereits in der Praxis bewährten Fragebögen werden in den zehn Sprachen, die unter den jungen Flüchtlingen in Deutschland am meisten gesprochen werden, über Tablets angeboten. Für Teilnehmerinnen und Teilnehmer, bei denen milde bis moderate Symptome diagnostiziert werden, ist im gestuften Versorgungsprogramm als nächster Schritt ein Gruppenpräventionsprogramm unter dem Titel „Mein Weg“ vorgesehen. Dieses gibt pädagogischen Fachkräften die Möglichkeit, jungen Flüchtlingen bei der Verarbeitung ihrer traumatischen Erfahrungen zu helfen und sie im Umgang mit Alltagsbelastungen zu unterstützen. Dieses Programm wurde von erfahrenen Forschern und Klinikern der Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie Ulm in enger Zusammenarbeit mit Vertretern der Jugendhilfe Anfang 2016 entwickelt. Für diejenigen Patientinnen und Patienten, die klinisch auffällige Symptome aufweisen, sieht der Versorgungsansatz schließlich eine individuelle Behandlung in Form der „Traumafokussierten kognitiven Verhaltenstherapie“ (TF-KVT) vor. Bei einer zweijährigen Vorstudie in der Psychotherapeutischen Hochschulambulanz der KU wurde diese Therapieform bereits erfolgreich hinsichtlich ihrer Wirksamkeit für minderjährige Geflüchtete erprobt. Die Symptome der Posttraumatischen Belastungsstörung verbesserten sich signifikant, was auch von den betreuenden Personen bestätigt wurde. Partner des Konsortiums sind die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universitätsklinikums Ulm, dessen Günzburger Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie II sowie das Deutsche Jugendinstitut München. Das Bundesforschungsministerium fördert das vierjährige Projekt insgesamt mit rund drei Millionen Euro, davon mehr als 1,4 Millionen Euro für die Teilprojekte der KU.
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