Neuer Wirkstoffkandidat gegen Glioblastome in klinischer Studie14. März 2023 MRT-Aufnahmen des Gehirns. (Quelle: ITM Isotope Technologies Munich SE) Wissenschaftler von Helmholtz Munich haben gemeinsam mit dem Unternehmen ITM Isotope Technologies Munich und dem Universitätsklinikum Münster einen Wirkstoffkandidaten entwickelt, der die Behandlung von Patienten mit Gehirntumoren verbessern soll. Nun startet die Kombination aus Antikörper und Radionuklid in die klinische Phase-I-Studie. Glioblastome sind die häufigsten und aggressivsten bösartigen Gehirntumore. Durch die operative Entfernung des Tumors und die zusätzliche Strahlen- und Chemotherapie lässt sich meist keine vollständige Heilung erreichen. Die Lebenserwartung der Patienten ist stark verkürzt und der Bedarf an besseren Behandlungsmöglichkeiten entsprechend hoch. Eine neue Kombination aus einem Antikörper, der Krebszellen gezielt entdeckt, und einem Radionuklid (ITM-31) weckt bei Prof. Reinhard Zeidler, Wissenschaftler bei Helmholtz Munich und am LMU Klinikum, Hoffnung: „Wir glauben, dass wir mit diesem Antikörper Glioblastome besser therapieren und die Lebenserwartung von Betroffenen verlängern können.“ Präziser Angriff auf Tumorreste Der Antikörper ist das Ergebnis aus vielen Jahren Grundlagenforschung. „Ohne ein großes Maß an Ausdauer hätten wir diesen Antikörper nicht bis hierher entwickeln können“, so Zeidler. „Er eignet sich deshalb so gut für die Krebstherapie, weil er Tumorzellen wesentlich präziser von gesunden Zellen unterscheiden kann als etwa eine Chemotherapie. Eine Behandlung verspricht deshalb deutlich weniger Nebenwirkungen.“ Kombiniert mit einem Radionuklid des radiopharmazeutischen Biotech-Unternehmen ITM, das die gezielt anvisierten Krebszellen mit seiner Strahlung zerstört, geht der neue Wirkstoffkandidat in eine klinische Studie, die vom Universitätsklinikum Münster durchgeführt und von Prof. Walter Stummer, Direktor des Neurochirurgischen Universitätsklinikums Münster, geleitet wird. „Unser Ziel ist es, verbleibende Krebszellen, die mit der klassischen Behandlung nicht entfernt oder zerstört werden konnten, endgültig zu eliminieren“, erklärt Zeidler. So soll das Medikament ein erneutes Wachstum des Tumors verhindern oder zumindest zeitlich verzögern. Der Antikörper bindet spezifisch an das Enzym Carboanhydrase XII, das im Gehirn ausschließlich auf Krebszellen vorkommt – vermutlich, weil es von großer Bedeutung für deren schnelles Wachstum ist. Gekoppelt an Lutetium-177, einen radioaktiven Strahler, hat der Antikörper einen doppelten Effekt: Zum einen hemmt es das Enzym, zum anderen dirigiert er das Lutetium-177 spezifisch an die Tumorzellen, die durch die Standardtherapien nicht eliminiert werden konnten und die den Ursprung eines neuen Tumors bilden. Die beim radioaktiven Zerfall von Lutetium-177 freigesetzte Strahlung zerstört die Tumorzellen in der unmittelbaren Umgebung. “Eine Behandlung, die in der Lage ist, ruhende Resttumorzellen nach chirurgischer Entfernung des Glioblastoms und Standard-Radiochemotherapie selektiv zu eliminieren, gibt Hoffnung auf größere Erfolge als die derzeitige Standardtherapie allein. Die intrakavitäre Radionuklidtherapie mit ITM-31 könnte eine solche Behandlungsmöglichkeit bieten”, zeigt sich auch Stummer optimistisch. Studienkoordinator Prof. Hans-Jürgen Reulen ergänzt: “Der erste Compassionate Use mit ITM-31 (LuCaFab) und frühere Studien mit anderen strahlentherapeutischen Wirkstoffkandidaten haben vielversprechende Ergebnisse gezeigt und unterstützen das Potenzial des strahlentherapeutischen Ansatzes für diese schwer zu behandelnde Krebsart.” Studienstart in deutschen Kliniken Neben dem Universitätsklinikum Münster bieten die Unikliniken in Essen, Köln und Würzburg Behandlungen im Rahmen dieser klinischen Studie an. Die Patientenrekrutierung für die Studie läuft derzeit.
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