Neues Kompetenzzentrum für Kinderschutz am UKE: Childhood-Haus Hamburg eröffnet

Blick in den Aufenthaltsraum des neuen Childhood-Haus Hamburg (Foto: Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf/UKE)

Am Nikolaustag ist das Childhood-Haus Hamburg in kleinem Rahmen feierlich eröffnet worden. Im neuen Kompetenzzentrum für Kinderschutz können Kinder und Jugendliche, die Misshandlungen, sexualisierte Gewalt oder Vernachlässigung erfahren oder beobachtet haben, in kindgerechter Umgebung untersucht und begleitet werden.

Das Childhood-Haus Hamburg soll eine zentrale Anlaufstelle für von Gewalt oder Missbrauch betroffene Kinder und Jugendliche in Hamburg sein. Die Einrichtung bietet Kindern und Jugendlichen im Verdachtsfall oder erklärten Fall von Misshandlungen, sexualisierter Gewalt oder Vernachlässigung einen Schutzraum, in dem sie gebündelt und kindgerecht untersucht, befragt und beraten werden. Dabei übernimmt eine sozialpädagogische Fachkraft die Koordination aller beteiligten Professionen und ist als erste Ansprechperson für das Kind da.

Darüber hinaus gibt es im Childhood-Haus Hamburg die Möglichkeit, in Fällen, in denen ein Ermittlungsverfahren läuft, alle notwendigen Befragungen durch Mitarbeitende der Polizei oder Justiz kindgerecht durchzuführen, diese audiovisuell aufzuzeichnen und ins Gericht zu übertragen. Damit sollen den Kindern und Jugendlichen mehrfache Aussagen bei einem möglicherweise folgenden Gerichtsprozess im Gerichtssaal erspart und die Kinder vor einer Retraumatisierung geschützt werden. Auch Familiengerichte können im Childhood-Haus Hamburg Anhörungen und Befragungen von Kindern und Jugendlichen durchführen.

Im Childhood-Haus Hamburg gibt es daher sowohl kindgerechte Untersuchungsräume als auch einen kinderfreundlichen Befragungsraum, der von den Kooperationspartnern genutzt werden kann. In ebenfalls vorhandenen Beratungsräumen können Kinder und ihre Angehörigen durch psychosoziale Fachkräfte beraten und stabilisiert werden. In weiteren Büro- und Besprechungsräumen können sich die Fachkräfte der unterschiedlichen Bereiche untereinander austauschen.

Das Childhood-Haus Hamburg berät alle Menschen, die den Verdacht haben, ein Kind oder ein Jugendlicher könnte misshandelt oder vernachlässigt werden, über mögliche weitere Schritte. Die Mitarbeiter des Childhood-Hauses sind telefonisch rund um die Uhr erreichbar. Vor Ort werden in der Zeit von 9 bis 17 Uhr jederzeit Kinder- und Jugendärzte sowie Rechtsmediziner neben sozialpädagogischen Case-Managern anwesend sein, die bei Bedarf sofort intervenieren und weitere Schritte einleiten können.

Childhood-Haus löst Kinder-KOMPT ab

Träger des Childhood-Hauses Hamburg ist das UKE. Die Einrichtung befindet sich nicht auf dem Klinikgelände in Hamburg-Eppendorf, sondern ist zentral im Stadtteil Hoheluft-Ost gelegen. Bislang wurden Kinder und Jugendliche mit Gewalterfahrung im vom Institut für Rechtsmedizin des UKE betriebenen Kinderkompetenzzentrum (Kinder-KOMPT) untersucht, das im neuen Childhood-Haus aufgeht. Im Kinder-KOMPT wurden allein im Jahr 2020 fast 850 Untersuchungen von Kindern im Säuglingsalter bis zum 18. Lebensjahr durchgeführt, bei denen der bestätigte oder erklärte Verdacht einer Gewalterfahrung bestand. Die Gespräche mit den Familien, die Befragungen der Kinder und die Aufarbeitung der Geschehen wurden bislang – anders als nun im Childhood-Haus vorgesehen – an verschiedenen anderen Orten durchgeführt. Finanziert wurde das bisherige Kinder-KOMPT im Institut für Rechtsmedizin unter anderem von der Sozialbehörde, die auch das Childhood-Haus Hamburg finanziell unterstützen wird.

Ermöglicht wurde das Childhood-Haus Hamburg unter der Trägerschaft des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) durch den Hamburger Senat und die World Childhood Foundation Deutschland. Die Einrichtung ist die erste ihrer Art in Norddeutschland und die sechste in Deutschland.