Neues Nichtopioid-Analgetikum erhält FDA-Zulassung zur Behandlung akuter Schmerzen

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In den USA wurde jüngst der Natriumkanalblocker Suzetrigin zur Behandlung von Erwachsenen mit akuten moderaten bis starken Schmerzen zugelassen.

Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA (Food and Drug Administration) gab die Zulassung des neuartigen Arzneimittels am 30. Januar bekannt. Suzetrigin (Journavx®) ist damit die erste zugelassene Substanz einer neuen Wirkstoffklasse von Nichtopioid-Analgetika. Hersteller ist das Pharmaunternehmen Vertex Pharmaceuticals. Der Antrag wurde von der FDA als „Breakthrough Therapy“, „Fast Track“ und „Priority Review“ eingestuft. Diese Verfahrensweisen werden von der US-Behörde angewandt, um Medikamente so schnell wie möglich verfügbar zu machen – beispielsweise weil es sich um die erste verfügbare Behandlung für eine schwere Krankheit handelt oder wenn das Medikament Vorteile gegenüber bestehenden Behandlungen hat. Suzetrigin steht in Form von Tabletten (50 mg) zur oralen Anwendung zur Verfügung.

Selektives und peripher wirksames Nichtopioid-Analgetikum

Die schmerlindernde Wirkung von Suzetrigin beruht auf der selektiven neuronalen Blockade des spannungsabhängigen Natriumkanals vom Typ NaV1.8. NaV1.8 wird selektiv in peripheren Nozizeptoren exprimiert wird, wo er für die Übertragung von Schmerzsignalen zuständig ist. Im Vergleich zu allen anderen spannungsabhängigen Natriumkanälen (>31.000-fache Selektivität) sowie zu 180 weiteren molekularen Targets – darunter 44 mit bekanntem Abhängigkeitspotential – hatte sich Suzetrigin als hochspezifisch für NaV1.8 erwiesen. Da Suzetrigin Schmerzsignale nur in der Peripherie, nicht aber im Gehirn blockiert, bietet der Wirkstoff eine wirksame Schmerzlinderung ohne die Einschränkungen der derzeit verfügbaren Therapien, einschließlich des Suchtpotenzials von Opioiden.

Wirksamkeit und Sicherheit in Studien bestätigt

Die Wirksamkeit von Suzetrigin konnte in zwei zulassungsrelevanten randomisierten, doppelblinden, placebo- und aktiv kontrollierten Studien zu akuten operativen Schmerzen gezeigt werden – eine davon nach einer Abdominplastik und die andere nach einer Bunionektomie. Zusätzlich zur randomisierten Behandlung durften alle Studienteilnehmer mit unzureichender Schmerzkontrolle bei Bedarf Ibuprofen als „Notfall“-Schmerzmittel einnehmen. Beide Studien zeigten eine statistisch signifikant bessere Schmerzreduktion mit Suzetrigin im Vergleich zu Placebo.

Das Sicherheitsprofil von Suzetrigin basiert der FDA zufolge in erster Linie auf den Daten der gepoolten, doppelblinden, placebo- und aktiv kontrollierten Studien an 874 Teilnehmern mit mäßigen bis starken akuten Schmerzen nach Abdominoplastik und Bunionektomie sowie auf unterstützenden Sicherheitsdaten aus einer einarmigen, offenen Studie an 256 Teilnehmern mit mäßigen bis starken akuten Schmerzen bei einer Reihe von akuten Schmerzzuständen.

Die häufigsten unerwünschten Wirkungen bei den Studienteilnehmern, die Suzetrigin erhielten, waren Juckreiz, Muskelkrämpfe, erhöhte Kreatinphosphokinase-Werte im Blut und Hautausschlag. Suzetrigin ist bei gleichzeitiger Anwendung mit starken CYP3A-Hemmern kontraindiziert. Außerdem sollten die Patienten während der Einnahme von Suzetrigin auf grapefruithaltige Speisen und Getränke verzichten.

Zulassungserweiterung in Planung

Der Hersteller Vertex prüft Suzetrigin eigenen Angaben zufolge auch zur Behandlung von peripheren neuropathischen Schmerzen. Das zulassungsrelevante Phase-III-Studienprogramm des Unternehmens für Suzetrigin bei Patienten mit schmerzhafter diabetischer peripherer Neuropathie sei im Gange. Außerdem plant Vertex, sein Zulassungsprogramm zur Untersuchung von Suzetrigin bei Patienten mit schmerzhafter lumbosakraler Radikulopathie auszuweiten. 

(ah)