Neues Verfahren zur Herstellung universellen Blutplasmas zugelassen

PD Dr. Konstanze Aurich vom Institut für Transfusionsmedizin an der Universitätsmedizin Greifswald. (Foto: ©Hauke Meier/UMG)

Ein Greifswalder Forschungsteam hat ein neues Verfahren zur Herstellung universell einsetzbaren Blutplasmas entwickelt. Das Paul-Ehrlich-Institut hat das Verfahren nun zugelassen. Perspektivisch werden damit Engpässe in der Versorgung mit Blutplasma vermieden.

Plasmatransfusionen gehören zu den Basisbehandlungen bei Patienten mit hohem Blutverlust. Die Transfusionen müssen jedoch passend zur Blutgruppe der Patienten sein. Für die Notfallversorgung müssen Krankenhäuser daher Plasmakonserven aller Blutgruppen vorhalten und diese kompatibel an die Patienten ausgeben. Das könnte sich in naher Zukunft ändern.

Herstellung des universellen Blutplasmas

„Um das zukünftig zu vereinfachen, haben wir unsere Forschung mit einem Gedankenspiel begonnen“, erklärt PD Dr. Konstanze Aurich vom Institut für Transfusionsmedizin an der Universitätsmedizin Greifswald. „Im Plasma der Blutgruppen A, B und 0 sind verschiedene Antikörper enthalten, die nicht mit den Blutzellen der Patienten einer anderen Blutgruppe kompatibel sind. Diese Antikörper wollen wir entfernen, um das Blutplasma universell einsetzbar zu machen.“ Einzige Ausnahme war bisher Plasma der Blutgruppe AB, das über keine Antikörper verfügt und deswegen als natürliches universell einsetzbares Blutplasma gilt. Das Problem: Es ist extrem selten. Mit einem prozentualen Anteil von vier Prozent ist es in der deutschen Bevölkerung kaum vertreten.

„Wir wollen die Verfügbarkeit erhöhen und Engpässe besonders im Notfall bei unbekannter Blutgruppe vermeiden“, erklärt Aurich. „Hierfür entfernen wir die problematischen Antikörper indem wir sie an wenige rote Blutzellen binden lassen und diese Zellen dann zusammen mit den Antikörpern wieder aus dem Plasma entfernen. Das Ergebnis ist das universell einsetzbare Blutplasma namens ‚Gefrorenes Isoagglutinin-abgereichertes Frischplasma‘“.

Genehmigung durch das Paul-Ehrlich-Insitut

„Von der Bundesoberbehörde für Arzneimittel, dem Paul-Ehrlich-Institut, haben wir nun die Zulassung erhalten und können mit dem universellen Plasma jetzt sehr schnell Patienten in Notfällen versorgen“, sagt Aurich mit Blick auf die nächsten Arbeitsschritte. Ein weiterer Vorteil sei für kleinere Krankenhäuser, dass diese nun nur noch Universalplasma und nicht mehr alle vier Blutgruppen vorrätig halten müssten. Die Universitätsmedizin Greifswald ist laut eigenen Angaben nun dabei, diese Methode im Routinebetrieb zu etablieren.

Bisher gab es weltweit nur ein weiteres Verfahren dieser Art, das weitaus langsamer ist. „Das in Greifswald entwickelte Verfahren ist einfach und viel günstiger, so dass wir Universalplasmen vor allem für die Notfallversorgung bei unbekannter Blutgruppe in großer Menge bereitstellen können“, erläutert Prof. Karlhans Endlich, Wissenschaftlicher Vorstand der Universitätsmedizin Greifswald, den Unterschied. Deswegen sei das Greifswalder Verfahren „etwas ganz Besonderes“ und berge viel Potenzial.