Neuroblastom: Gezielte Diät verstärkt die Wirkung einer neuen Krebstherapie

Mit dem neuen Therapieansatz verlieren Neuroblastom-Zellen ihre Fähigkeit zur unkontrollierten Teilung. (Foto: © onlyyouqj – stock.adobe.com)

Ein Forschungsteam der Universität Zürich und des Universitäts-Kinderspitals Zürich (Schweiz) hat einen neuen therapeutischen Ansatz für Neuroblastome entwickelt: Die Kombination eines Medikaments mit einer speziellen Diät bremst das Tumorwachstum und regt die Krebszellen zur Reifung in Nervenzellen an.

Neuroblastome zählen zu den häufigsten und aggressivsten soliden Tumoren im Kindesalter. Besonders bei Hochrisiko-Neuroblastomen ist die Prognose trotz intensiver Behandlung oft schlecht – langfristig kann nur etwa jedes zweite Kind geheilt werden.

Wirkung des Medikaments wird verstärkt

Ein Forschungsteam der Universität Zürich (UZH) und des Universitäts-Kinderspitals Zürich (Kispi) hat gemeinsam mit internationalen Partnern einen neuartigen Therapieansatz für Neuroblastome entwickelt. Im Zentrum steht die Kombination einer speziellen Diät mit dem kürzlich in der Schweiz zugelassenen Medikament Difluoromethylornithin (DFMO). DFMO hemmt die Produktion von Polyaminen – wichtigen Wachstumsfaktoren unreifer Tumorzellen bei Kindern. In Detschland ist der Wirkstoff bislang nicht für die Indikation zugelassen.

„Wir haben entdeckt, dass sich in Mäusen die Wirksamkeit von DFMO mehr als verdoppeln lässt, wenn gleichzeitig unter kontrollierten Bedingungen eine gezielte, arginin- und prolinfreie Diät angewendet wird“, berichtet Forschungsgruppenleiter und Oberarzt Raphael Morscher von der UZH. Die Diät verstärkt die Wirkung des Medikaments, da sie zusätzlich die Bildung von Polyamin-Vorstufen hemmt.

Neuroblastomzellen ändern Funktion

Die Folge: Statt die Neuroblastomzellen zu zerstören, regt sie die Behandlung zur Reifung an. Dadurch verlieren die Zellen ihre Fähigkeit zur unkontrollierten Teilung und sie beginnen, sich in reifere Nervenzellen umzuwandeln. Dieser Reifungsprozess ist eigentlich ein natürlicher Entwicklungsschritt, der bei Neuroblastomen jedoch blockiert ist.

„Die Behandlung führt somit nicht nur zu einem verlangsamten Tumorwachstum, sondern auch zu einer funktionellen Veränderung der Krebszellen“, erklärt Morscher den neuen therapeutischen Ansatz.

In den präklinischen Mausmodellen zeigte sich, dass die Neuroblastome deutlich langsamer wuchsen oder sich sogar zurückbildeten – und das bei guter Verträglichkeit. Die Therapie beeinflusst gezielt die Proteinproduktion in den Krebszellen, indem bestimmte genetische Baupläne nicht mehr korrekt abgelesen und umgesetzt werden. Das verändert die Zellfunktion, sodass die Reifung der Krebszellen gefördert wird.

Enzym ersetzt Diät

Das Forschungsteam um Morscher bereitet derzeit gemeinsam mit internationalen Partnern an Kinderkliniken in Philadelphia und der Universität Princeton (beide USA) die klinische Anwendung vor. „Um den innovativen Ansatz in klinische Studien zu überführen, setzen wir ein Enzym ein, das die Diät bei Kindern ersetzt. Ziel ist es, betroffenen Kindern künftig eine neue und schonendere Behandlungsoption zu ermöglichen“, erklärt Morscher.