Neuronale Hyperaktivität löst schwerwiegende neurologische Autoimmunerkrankung aus

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Forschende des DZNE und der Charité – Universitätsmedizin Berlin haben grundlegende Mechanismen der seltenen jedoch schwerwiegenden neurodegenerativen Erkrankung IgLON5-Enzephalitis aufgedeckt. Ihre Befunde, die auf Studien an Zellkulturen, Mäusen und Antikörpern betroffener Personen beruhen, sind im Fachjournal „Science Advances“ veröffentlicht.

Bei der IgLON5-Enzephalitis greifen fehlgeleitete Antikörper ein bestimmtes Protein auf der Zelloberfläche an: das Protein IgLON5. Infolgedessen kommt es zur Hirnentzündung und Nervenschädigung, was sich durch Schlafstörungen, kognitive Einbußen und Bewegungsprobleme bemerkbar machen kann. Bisher war jedoch unklar, wie die Wechselwirkung ein typisches Merkmal der Krankheit hervorruft: Ablagerungen eines anderen Proteins namens „Tau“. „Wir haben nun herausgefunden, dass die krankhaften Antikörper eine Verklebung der IgLON5-Proteine mit anderen Molekülen auf der Zelloberfläche bewirken. Dadurch werden Nervenzellen überaktiv und es kommt zu einer verhängnisvollen Kettenreaktion. An deren Ende stehen Tau-Ablagerungen und der Tod von Nervenzellen. Unsere Befunde zeigen somit erstmals einen ursächlichen Zusammenhang zwischen IgLON5-Antikörpern und Tau-Pathologie“, erklärt Prof. Susanne Wegmann, Forschungsgruppenleiterin am DZNE und an der Charité. Tau-Proteine, die sich vom Zytoskelett der Nervenzellen lösen und verklumpen, können Nervenzellen schädigen und zu deren Degeneration führen. Die pathologische Verklumpung des Tau Proteins spielt auch bei der Alzheimer Krankheit eine wichtige Rolle: Auch dort entsteht sie als Folge neuronaler Hyperaktivität – in diesem Fall ausgelöst durch fehlgefaltete Amyloid-beta-Proteine. „Es gibt also gewisse Ähnlichkeiten, die nun genauer untersucht werden müssen“, so Wegmann.

Möglicher Ansatz für Therapien

Die aktuell untersuchte besondere Form der Hirnentzündung, auch „Anti-IgLON5-Erkrankung“ genannt, wurde erstmals 2014 beschrieben und ist recht selten. Da das Krankheitsbild komplex ist und viele verschiedene Symptome umfassen kann, wird die Erkrankung oft erst im Spätstadium diagnostiziert. Zu den aktuellen Behandlungsmöglichkeiten gehören Immunsuppressiva, Dialyse und andere Verfahren. Ohne Behandlung kann die Krankheit zu schweren gesundheitlichen Einschränkungen führen und zum frühen Tod. „Unsere Studie zeigt, dass eine Überaktivität der Nervenzellen die Erkrankung vorantreibt. Das war bisher unbekannt. Diese Fehlfunktion zu lindern, könnte ein Ansatzpunkt für künftige Therapien sein“, so die Berliner Biophysikerin.

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