Neuropathische Schmerzen: Aktualisierung der Behandlungsempfehlungen

© Zarina Lukash – stock.adobe.com (Symbolbild)

Im Jahr 2015 veröffentlichte die Neuropathic Pain Special Interest Group (NeuPSIG) ein Update ihrer Empfehlungen für die Behandlung von neuropathischen Schmerzen. Um diese erneut zu aktualisieren, führten sie jüngst eine Metaanalyse durch, in die sie 313 Studie aufnahmen – davon 284 zur medikamentösen Therapie und 29 zur Neuromodulation.

In die Metaanalyse schlossen sie ausschließlich doppelblinde, randomisierte, placebokontrollierte Studien ein, die medikamentöse und Neuromodulationsbehandlungen über ≥3 Wochen lang bewerteten. Die Studien umfassten insgesamt 48.789 Teilnehmer (≥10/Gruppe) jedes Alters mit rein neuropathischen Schmerzen. Der primäre Wirksamkeitsendpunkt war der Anteil der Responder (50% oder 30% Verringerung der Ausgangs-Schmerzintensität oder mäßige Schmerzlinderung). Der primäre Sicherheitsendpunkt war die Anzahl der Teilnehmer, die aufgrund unerwünschter Ereignisse die Behandlung beendeten. Für jede Behandlung berechneten die Studien­autoren die Number-needed-to-treat (NNT) sowie Number-needed-to-harm (NNH) inkl. 95%-KI auf Basis der Risikodifferenzen.

Die Schätzungen für die primären Wirksamkeits- und Sicherheitsergebnisse waren:

  • trizyklische Antidepressiva (TCA): NNT 4,6 (95 %-KI 3,2–7,7), NNH 17,1 (95%-KI 11,4–33,6; moderate Evidenzstärke)
  • a2d-Liganden: NNT 8,9 (7,4–11,10), NNH 26,2 (20,4–36,5; moderate Evidenzstärke)
  • Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRIs): NNT 7,4 (5,6–10,9), NNH 13,9 (10,9–19,0; moderate Evidenzstärke)
  • Botulinumtoxin-A (BTX-A): NNT 2,7 (1,8–9,61), NNH 216,3 (23,5–∞; moderate Evidenzstärke)
  • Capsaicin-8%-Pflaster: NNT 13,2 (7,6–50,8), NNH 1129,3 (135,7–∞; moderate Evidenzstärke)
  • Opioide: NNT 5,9 (4,1–10,7), NNH 15,4 (10,8–24,0; geringe Evidenzstärke)
  • repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS): NNT 4,2 (2,3–28,3), NNH 651,6 (34,7–∞; geringe Evidenzsicherheit)
  • Capsaicin-Creme: NNT 6,1 (3,1–∞), NNH 18,6 (10,6–77,1; sehr geringe Evidenzsicherheit)
  • Lidocain-5%-Pflaster: NNT 14,5 (7,8–108,2), NNH 178,0 (23,9–∞; sehr geringe Evidenzsicherheit).

Auf Basis dieser Ergebnisse spricht die NeuPSIG-Studiengruppe eine starke Empfehlung zur Verwendung von TCAs, a2d-Liganden und SNRIs als Erstlinienbehandlung aus. In der Zweitlinie geben sie eine schwache Empfehlung für Capsaicin-8%-Pflaster, Capsaicin-Creme und Lidocain-5%-Pflaster sowie eine schwache Empfehlung für BTX-A, rTMS und Opioide in der Drittlinie.

Fazit
Die Autoren sprechen sich für neue Empfehlungen aus, obwohl sie bei vielen medikamentösen Therapien nur eine moderate Wirksamkeit entdeckten und bei einigen neuromodulativen Behandlungen weiterhin Unsicherheiten zur Langzeitwirksamkeit und Sicherheit bestehen. Um diese auszuräumen, seien weitere groß angelegte placebokontrollierte oder scheinkontrollierte Studien über klinisch relevante Zeiträume erforderlich, heben die Autoren hervor. (ah)

Autoren: Soliman N et al.
Korrespondenz: Nadia Soliman; [email protected]
Studie: Pharmacotherapy and non-invasive neuromodulation for neuropathic pain: a systematic review and meta-analysis
Quelle: Lancet Neurol 2025;24(5):413-428.
Web: https://doi.org/10.1016/S1474-4422(25)00068-7