Neurotische Menschen leiden häufiger unter Stimmungsschwankungen15. Juni 2023 Neurotische Menschen leiden häufig unter Stimmungsschwankungen. (Foto: Colourbox) Neurotische Menschen erleben negative Emotionen nicht nur intensiver, sondern auch mit mehr Stimmungsschwankungen. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung an der Universität Leipzig. „Frühere Studien sind sich einig, dass neurotische Personen stärkere negative Emotionen im Alltag erleben. Uneinigkeit herrschte aufgrund von neuen, widersprüchlichen Studien darüber, ob dies auch mit erhöhter Variabilität im emotionalen Erleben, also Stimmungsschwankungen, einhergeht“, sagt die Erstautorin der Studie, Nina Mader vom Wilhelm-Wundt-Institut für Psychologie der Universität Leipzig. Die Persönlichkeitspsychologen der Universität Leipzig haben einen neuen Ansatz zur Modellierung der Daten gefunden, der bisherige methodische Probleme löst. „Wir verwenden einen Ansatz aus der bayesianischen Statistik, der zusätzliche Flexibilität in der Datenmodellierung erlaubt. Diesen Ansatz haben wir zuerst in Simulationen erfolgreich getestet und dann 13 Längsschnittdatensätze erneut untersucht. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass neurotische Menschen tatsächlich eine größere Variabilität in negativen Emotionen erleben“, erklärt Mader. Insgesamt wurden 2518 Personen zu ihren Emotionen befragt. Personen mit hohen Neurotizismus-Werten erleben negative Emotionen nicht nur stärker, sondern auch häufiger als Personen mit durchschnittlichen beziehungsweise unterdurchschnittlichen Ausprägungen. Sie sind öfter selbstkritisch, reagieren schlechter auf Kritik von außen und erleben vermehrt das Gefühl “nicht gut genug” zu sein. Studien haben gezeigt, dass Neurotizismus-Werte am höchsten während der späten Jugend sind und dann im Laufe des Erwachsenenalters wieder abnehmen und sich stabilisieren. Zudem weisen Frauen sowie Personen mit niedrigem sozioökonomischem Status höhere Neurotizismus-Werte auf als andere Menschen. Seit den 1990er-Jahren interessieren sich Persönlichkeitspsychologen dafür, wie beziehungsweise ob die Persönlichkeit unser emotionales Erleben beeinflusst. In mehreren Studien wurde dazu die Persönlichkeit von einer großen Stichprobe erhoben sowie das emotionale Erleben über einen längeren Zeitraum beobachtet. So wurde beispielsweise mehrmals täglich abgefragt, wie traurig, wütend oder gelangweilt die Probanden auf einer Skala von 1 bis 7 waren. Dabei zeigte sich deutlich, dass es einen Zusammenhang zwischen Neurotizismus und dem Erleben von negativen Emotionen gibt. „Während negative Emotionen im Alltag bei Personen mit niedrigen Neurotizismus-Werten sehr selten auftreten, berichten Menschen mit hohen Neurotizismus-Werten über signifikant mehr negative Emotionen in ihrem Alltag“, erläutert Mader. Man spricht von einer überproportional starken Reaktion auf auslösende Umstände. So könnte zum Beispiel eine kleine Meinungsverschiedenheit bei Letzteren große Wut auslösen oder auch nur der Gedanke, dass die Bahn heute sehr voll sein könnte, starken Stress und Sorgen verursachen.
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