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Liebe Leserinnen und Leser,
Multiple Sklerose (MS) ist eine Krankheit mit vielen Gesichtern – mit Symptomen wie Gefühlsstörungen und Fatigue bis hin zu Epilepsie und Tremor. Gerade diese Vielfalt kann die Diagnose erschweren. Eine frühzeitige Diagnose ermöglicht jedoch einen früheren Therapiebeginn und kann so dazu beitragen, irreversible Schäden zu begrenzen. Wichtigstes Werkzeug zur Diagnose der MS sind die McDonald-Kriterien, die zuletzt 2024 überarbeitet wurden. Wie groß der zusätzliche diagnostische Gewinn der Überarbeitung ist, haben Forschende aus Hannover nun untersucht – mit dem Ergebnis, dass sich heute fast zehn Prozentpunkte mehr Betroffene bereits bei der Erstuntersuchung diagnostizieren lassen. Der Großteil der zusätzlichen Diagnosen geht auf die neu eingeführte Berücksichtigung von Läsionen des Sehnervs zurück. Auch Menschen mit radiologisch isoliertem Syndrom, bei denen noch keine Symptome aufgetreten sind, können nun bereits schneller eine Diagnose erhalten. Die Aufnahme des Kappa-Index als Liquor-Biomarker stärkt zudem die Rolle der Liquordiagnostik: Ohne sie hätte bei einem Viertel der Betroffenen nach den neuen Kriterien keine Diagnose gestellt werden können.
Gleichzeitig zeigt die Forschung zunehmend, dass sich hinter dem Begriff MS ein Spektrum verschiedener entzündlicher Autoimmunerkrankungen des zentralen Nervensystems verbergen kann. So können auch MOG-Antikörper-assoziierte Erkrankungen (MOGAD) oder Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen (NMOSD) zunächst für MS gehalten werden. Erst der Nachweis spezifischer Antikörper ermöglicht eine genauere Zuordnung. Ein internationales Forscherteam unter Beteiligung des LMU Klinikums München hat nun ein weiteres Antigen identifiziert, gegen das sich die Immunreaktion bei einigen Betroffenen mit MS-ähnlichen Symptomen richtet. Das Protein MLC1 sitzt auf der Oberfläche von Astrozyten; Antikörper gegen MLC1 können diese Zellen schädigen und dadurch Entzündungen im Rückenmark verstärken.
Unabhängig vom jeweiligen Zielantigen spielen bei vielen dieser Autoimmunerkrankungen B-Zellen eine wichtige Rolle. CAR-T-Zelltherapien, die B-Zellen gezielt erkennen und eliminieren, rücken daher zunehmend in den Fokus. Bei der Autoimmunerkrankung Myasthenia gravis gibt es nun erste positive Langzeitdaten: Drei Jahre nach der CAR-T-Zelltherapie sind die ersten drei weltweit behandelten Patientinnen beschwerdefrei und benötigen keine Medikamente. „Unsere Daten sprechen dafür, dass diese vorübergehende B-Zell-Beseitigung dem Immunsystem die Chance auf einen sogenannten immunologischen Neustart geben kann“, erklärt Prof. Dimitrios Mougiakakos von der Universität Magdeburg, der an der Entwicklung des Therapiekonzepts beteiligt war.
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Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre!
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