Ausgabe 29/2026

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Mittwoch, 15. Juli 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

spätestens seit der Corona-Pandemie dürfte jeder von uns schon einmal einem überzeugten Impfgegnern begegnet sein. Ob sie sich gegen die Impfung, die ich Ihnen heute vorstellen möchte, wohl auch so wehren würden? Vermutlich nicht. Denn anders als klassische Impfstoffe wird dieser Peptidimpfstoff erst nach der Diagnose verabreicht. Er trainiert das Immunsystem darauf, Gliomzellen mit der IDH1R132H-Mutation zu erkennen und zu bekämpfen. 33 Patientinnen und Patienten mit neu diagnostiziertem hochgradigem Astrozytom – der häufigsten Form der Gliome – erhielten den Wirkstoff im Rahmen einer Phase-I-Studie zusätzlich zur Standardtherapie aus Operation, Strahlen- und Chemotherapie. Unter der bisherigen Standardtherapie liegt die mittlere Überlebenszeit bei aggressiveren Tumorformen nur bei etwa zweieinhalb bis fünf Jahren. Umso bemerkenswerter erscheinen da die aktuellen Ergebnisse: Nach acht Jahren Nachbeobachtungszeit waren noch 66 Prozent der Studienteilnehmenden am Leben, bei 42 Prozent war die Erkrankung in diesem Zeitraum nicht einmal fortgeschritten. Erste Hinweise deuten zudem darauf hin, dass Auffrischungsimpfungen den Effekt künftig noch verstärken könnten.

Eine weitere aktuelle Studie widmete sich den seltenen Immundefizienz-assoziierten primären ZNS-Lymphomen. Bevor sich neue Therapieansätze entwickeln lassen, ging es jedoch zunächst darum, die Erkrankung besser zu verstehen. Die Forschenden konnten in 79 Prozent der Fälle das Epstein-Barr-Virus in den Tumoren nachweisen und zugleich zeigen, dass das Virus mit einem aggressiveren Krankheitsverlauf verbunden ist. Darüber hinaus entwickelten sie ein Prognosemodell, das auf drei Faktoren basiert: Virusnachweis im Tumor, Alter und allgemeiner Gesundheitszustand der Betroffenen. Lag nur einer dieser Risikofaktoren vor, betrug die mittlere Überlebenszeit noch 135 Monate, bei zwei Faktoren sank sie auf 29 Monate und bei allen drei auf lediglich drei Monate. Hinweise ergaben sich zudem für die Therapie: Eine Kombination aus Behandlung der zugrunde liegenden Immunschwäche und Chemotherapie war mit einem günstigeren Krankheitsverlauf assoziiert. „Unsere Daten deuten darauf hin, dass das Zusammenspiel von Tumor und geschwächtem Immunsystem eine zentrale Rolle spielt. Beide Aspekte sollten bei der Behandlung gemeinsam berücksichtigt werden“, fasst Erstautor Dr. Leon Kaulen von der Universität Heidelberg zusammen.

Mehr zu diesen und weiteren Themen finden Sie wie immer in diesem Newsletter und auf unserem Nachrichtenportal BIERMANN MEDIZIN.

Ich wünsche Ihnen eine spannende Lektüre!




   Ihre
   Lena Johannes

 

 
 
Impfung gegen Hirntumoren zeigt vielversprechende Langzeitergebnisse

Impfung gegen Hirntumoren zeigt vielversprechende Langzeitergebnisse

Eine neue Impfung gegen bestimmte bösartige Hirntumoren könnte die Behandlung von Patientinnen und Patienten verbessern. Deutsche Forschende veröffentlichen Langzeitergebnisse einer klinischen Studie mit einem Impfstoff, der das Immunsystem gegen eine häufige genetische Mutation dieser Tumoren aktiviert.

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VYVGART als Fertigspritze zur Selbstapplikation*

VYVGART ist als s.c. Fertigspritze zusätzlich zur Standardtherapie zugelassen und gibt Menschen mit AChR-Ak-positiver generalisierter Myasthenia gravis ein Stück Unabhängigkeit: Die Fertigspritze ist mit wenigen Handgriffen gebrauchsfertig und kann von Patient:innen selbst oder Pflegepersonen verabreicht werden1,* – ob zuhause oder auf Reisen.

Pflichtangaben & Quellen

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Virus beeinflusst seltene ZNS-Lymphome

Primäre ZNS-Lymphome bei immungeschwächten Patienten zählen zu den seltensten und zugleich aggressivsten Krebserkrankungen. Internationale Forschende haben nun Besonderheiten bei der Bildgebung dieser Tumoren zu identifiziert und ein Prognosemodell entwickelt. Dabei erwiesen sich Tumoren, in denen das Epstein-Barr-Virus nachweisbar war, als besonders aggressiv.

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SPINRAZA™ jetzt auch in höherer Dosierung

Mit Spinraza™ 50/28 mg (Nusinersen) steht neben dem etablierten 12/12-mg-Schema jetzt auch ein höher dosiertes Regime für die Behandlung der 5q-SMA zur Verfügung – bei einer verkürzten Aufsättigung, gleichbleibendem Injektionsvolumen und unverändertem Sicherheitsprofil.1,2 Hier informieren: Studienbasis, Dosierung und Anwendung im Überblick.

Fachinformation
Referenzen:
1. Europäische Kommission. Abrufbar unter: https://ec.europa.eu/health/documents/community-register/2026/20260109168308/dec_168308_de.pdf (Abgerufen im Juni 2026)
2. Fachinformation SpinrazaTM (Stand: 01/2026)

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Huntington-Krankheit: Gezielte Lichtpulse verbessern Motorik

Huntington-Krankheit: Gezielte Lichtpulse verbessern Motorik

Die gezielte Aktivierung spezieller Nervenzellen durch Lichtpulse lindert im Tiermodell Bewegungsstörungen bei Morbus Huntington und stellt die gesunde Nervenzellaktivität wieder her. Das zeigt eine jetzt veröffentlichte deutsche Studie.

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Hinweise auf analgetische Wirkung von Melatonin bei chronischen Schmerzen

Die Ergebnisse einer aktuellen Metaanalyse lassen vermuten, dass Melatonin chronische Schmerzen ähnlich effektiv wie klassische Analgetika lindern könnte. Bei akuten postoperativen Schmerzen zeichnet sich hingegen kein Effekt ab.

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Unsere Auswahl: Aktuelles aus internationalen Journals

Die Instabilität depressiver Symptome sagt das Auftreten leichter kognitiver Beeinträchtigungen und Demenz bei älteren Erwachsenen voraus.
Alzheimers Dement 2026;22(7):e71672.

Zusammenhang zwischen Wachstumshormonmangel und Lebensqualität nach Schädel-Hirn-Trauma: eine Fall-Kontroll-Studie.
Brain Inj 12.07.2026

Auswirkungen der transkraniellen Gleichstromstimulation auf die motorische Funktion bei Patienten mit Multipler Sklerose: systematischer Review und Metaanalyse.
Neurol Sci 2026;47(8):624.

Bewertung der Genauigkeit von ChatGPT-Antworten auf Fragen von Betreuungspersonen in der pädiatrischen Neurologie: eine Beobachtungsstudie.
Sci Rep 11.07.2026

 
 
 
Stillen könnte vor ADHS-Symptomen schützen

Stillen könnte vor ADHS-Symptomen schützen

Eine neue Studie der Universität Bergen zeigt einen Zusammenhang zwischen dem Stillen bis zum Alter von sechs Monaten und einem verringerten Risiko für ADHS-Symptome im Alter von drei bis acht Jahren.

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KURZMELDUNGEN:

Eine neue Therapie bietet Hoffnung für Patienten, deren Gewichtskontrolle infolge eines Hirntumors oder dessen Behandlung entgleist ist.
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Die Autoren einer bevölkerungsbasierten Beobachtungstudie glauben, einen Grund für die anhaltende Fatigue bei Long-COVID gefunden zu haben.
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Forschende haben an Mäusen gezeigt, dass die pharmakologische Inhibition des Proteins FKBP51 Auswirkungen früher Traumata auf die Gehirnfunktion dauerhaft verhindern kann.
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TERMINE:

XXXVI. Congress of the Brazilian Society of Neurosurgery – Joint Meeting with the German Society of Neurosurgery
11.–15. August 2026
Rio de Janeiro (Brasilien)

13th Annual EANS Vascular Section Meeting
31. August – 2. September 2026
Marseille (Frankreich)

3. Jenaer Neurologie Symposium
5. September 2026
Jena

8th International Congress on Borderline Personality Disorder and Allied Disorders
7.–9. September 2026
Lausanne (Schweiz)

2. Deutscher Schlaganfallkongress
10.–12. September 2026
Berlin

 
 

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