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Liebe Leserinnen und Leser,
spätestens seit der Corona-Pandemie dürfte jeder von uns schon einmal einem überzeugten Impfgegnern begegnet sein. Ob sie sich gegen die Impfung, die ich Ihnen heute vorstellen möchte, wohl auch so wehren würden? Vermutlich nicht. Denn anders als klassische Impfstoffe wird dieser Peptidimpfstoff erst nach der Diagnose verabreicht. Er trainiert das Immunsystem darauf, Gliomzellen mit der IDH1R132H-Mutation zu erkennen und zu bekämpfen. 33 Patientinnen und Patienten mit neu diagnostiziertem hochgradigem Astrozytom – der häufigsten Form der Gliome – erhielten den Wirkstoff im Rahmen einer Phase-I-Studie zusätzlich zur Standardtherapie aus Operation, Strahlen- und Chemotherapie. Unter der bisherigen Standardtherapie liegt die mittlere Überlebenszeit bei aggressiveren Tumorformen nur bei etwa zweieinhalb bis fünf Jahren. Umso bemerkenswerter erscheinen da die aktuellen Ergebnisse: Nach acht Jahren Nachbeobachtungszeit waren noch 66 Prozent der Studienteilnehmenden am Leben, bei 42 Prozent war die Erkrankung in diesem Zeitraum nicht einmal fortgeschritten. Erste Hinweise deuten zudem darauf hin, dass Auffrischungsimpfungen den Effekt künftig noch verstärken könnten.
Eine weitere aktuelle Studie widmete sich den seltenen Immundefizienz-assoziierten primären ZNS-Lymphomen. Bevor sich neue Therapieansätze entwickeln lassen, ging es jedoch zunächst darum, die Erkrankung besser zu verstehen. Die Forschenden konnten in 79 Prozent der Fälle das Epstein-Barr-Virus in den Tumoren nachweisen und zugleich zeigen, dass das Virus mit einem aggressiveren Krankheitsverlauf verbunden ist. Darüber hinaus entwickelten sie ein Prognosemodell, das auf drei Faktoren basiert: Virusnachweis im Tumor, Alter und allgemeiner Gesundheitszustand der Betroffenen. Lag nur einer dieser Risikofaktoren vor, betrug die mittlere Überlebenszeit noch 135 Monate, bei zwei Faktoren sank sie auf 29 Monate und bei allen drei auf lediglich drei Monate. Hinweise ergaben sich zudem für die Therapie: Eine Kombination aus Behandlung der zugrunde liegenden Immunschwäche und Chemotherapie war mit einem günstigeren Krankheitsverlauf assoziiert. „Unsere Daten deuten darauf hin, dass das Zusammenspiel von Tumor und geschwächtem Immunsystem eine zentrale Rolle spielt. Beide Aspekte sollten bei der Behandlung gemeinsam berücksichtigt werden“, fasst Erstautor Dr. Leon Kaulen von der Universität Heidelberg zusammen.
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Ich wünsche Ihnen eine spannende Lektüre!
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