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Liebe Leserinnen und Leser,
wir sprechen in der Neurologie häufig über Erkrankungen, die das Gehirn im höheren Lebensalter betreffen. Diese Woche wollen wir den Blick jedoch einmal auf die frühe Entwicklung richten. Denn eine japanische Kohortenstudie mit mehr als 23.000 Mutter-Kind-Paaren zeigt, dass perinatale Depressionen das Risiko für autistische Merkmale im Kleinkindalter erhöhen können, insbesondere bei Mädchen. Die Daten machen deutlich, welche Bedeutung die psychische Gesundheit der Mutter für die neurologische Entwicklung des Kindes haben kann und wo mit Prävention ganz viel erreicht werden kann.
Auch bei strukturellen Erkrankungen des kindlichen Gehirns gibt es neue therapeutische Hoffnung. Forschende aus Kanada konnten in einem Mausmodell des Schinzel-Giedion-Syndroms mithilfe von Antisense-Oligonukleotiden die Entstehung eines Hydrozephalus verhindern. Damit rückt erstmals die Möglichkeit in den Fokus, die pathologische Ventrikelerweiterung pharmakologisch zu beeinflussen. Bislang dominieren operative Verfahren wie Shunt-Implantation oder endoskopische Drittventrikulostomie, die jedoch eine komplexe Nachbehandlung benötigen.
Im Bereich der Autismus-Spektrum-Störungen sorgt eine nachträgliche Auswertung gescheiterter Phase-III-Studien zu Bumetanid für neue Diskussionen. Mithilfe maschinellen Lernens konnten klinische Profile identifiziert werden, die doch von der Therapie profitieren könnten. Der Ansatz zeigt, wie KI mittlerweile helfen kann, Studienergebnisse differenzierter zu interpretieren.
Abschließend ein Blick auf die Schlaganfallforschung: Eine chinesische Phase-III-Studie berichtet, dass die Gabe des neuroprotektiven Medikaments Loberamisal innerhalb von 48 Stunden nach einem mittelschweren bis schweren Schlaganfall die funktionelle Erholung verbessern kann. Nach 90 Tagen erreichten 13 Prozent mehr Patientinnen und Patienten eine sehr gute funktionelle Erholung, gemessen an der modifizierten Rankin-Skala. Die Ergebnisse machen deutlich, wie wichtig frühzeitiges Handeln in der Neurologie bleibt – sei es präventiv oder therapeutisch.
Ich wünsche Ihnen eine spannende Lektüre!
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