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Liebe Leserinnen und Leser,
wie beeinflussbar das Nervensystem selbst nach schweren Schädigungen bleiben kann, zeigt eine neue Studie zu Rückenmarksverletzungen. Erstmals gelang es Forschenden, die regenerativen Effekte des Antikörpers NG101, die bereits in klinischen Studien beobachtet wurden, direkt sichtbar zu machen. Unter der Therapie bildete sich die Läsion im Rückenmark schneller zurück, was auf regeneratives Wachstum von Nervenfasern in der Umgebung der Verletzung hindeutet. Gleichzeitig wurde der Abbau von Nervengewebe deutlich verlangsamt, sodass nachwachsende Nervenfasern den Verlust kompensieren konnten. Auf diese Weise können wieder Verbindungen zu motorischen Bahnen entstehen, sodass Signale aus dem Gehirn die Muskulatur besser erreichen.
Über die strukturelle Ebene hinaus ist das Nervensystem jedoch auch durch Erfahrung formbar. Belastende Erlebnisse, insbesondere in der Kindheit, können neuronale Netzwerke langfristig prägen und das Risiko für psychische Erkrankungen erhöhen. Eine deutsche Studie zeigt nun jedoch, dass diese Veränderungen offenbar keineswegs unumkehrbar sind: Erwachsene mit Kindheitstraumata, die regelmäßig körperlich aktiv waren, wiesen eine stärkere funktionelle Vernetzung wichtiger Hirnregionen auf, die an der Verarbeitung von Stress und Emotionen beteiligt sind. Besonders deutlich zeigte sich dieser Zusammenhang bei einem Bewegungsumfang entsprechend den Empfehlungen der WHO. Die Ergebnisse widersprechen damit der Annahme, frühe Belastungen würden das Gehirn zwangsläufig dauerhaft prägen.
Dass neuronale Verarbeitung zudem stark von Erwartungshaltungen beeinflusst werden kann, zeigt eine neue Studie zu Depressionen. Teilnehmende erhielten ein Nasenspray, das ihnen als antidepressiv wirksam beschrieben wurde, obwohl es sich um ein Placebo handelte. Dennoch verbesserten sich Stimmung und emotionale Verarbeitung messbar. Besonders deutlich zeigte sich dieser Effekt bei Personen mit hohen positiven Erwartungen an die Behandlung: Hier gingen depressive Symptome im weiteren Verlauf stärker zurück. Langfristig könnten solche Erkenntnisse dazu beitragen, Therapien stärker zu individualisieren, positive Erwartungen gezielt zu fördern und so die Wirksamkeit bestehender Behandlungen zu verbessern.
Mehr zu diesen und weiteren Themen finden Sie in diesem Newsletter, auf unserem Nachrichtenportal sowie in der aktuellen Ausgabe unserer Zeitschrift KOMPAKT NEUROLOGIE. Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre!
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