Ausgabe 22/2026

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Mittwoch, 27. Mai 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

wie beeinflussbar das Nervensystem selbst nach schweren Schädigungen bleiben kann, zeigt eine neue Studie zu Rückenmarksverletzungen. Erstmals gelang es Forschenden, die regenerativen Effekte des Antikörpers NG101, die bereits in klinischen Studien beobachtet wurden, direkt sichtbar zu machen. Unter der Therapie bildete sich die Läsion im Rückenmark schneller zurück, was auf regeneratives Wachstum von Nervenfasern in der Umgebung der Verletzung hindeutet. Gleichzeitig wurde der Abbau von Nervengewebe deutlich verlangsamt, sodass nachwachsende Nervenfasern den Verlust kompensieren konnten. Auf diese Weise können wieder Verbindungen zu motorischen Bahnen entstehen, sodass Signale aus dem Gehirn die Muskulatur besser erreichen.
Über die strukturelle Ebene hinaus ist das Nervensystem jedoch auch durch Erfahrung formbar. Belastende Erlebnisse, insbesondere in der Kindheit, können neuronale Netzwerke langfristig prägen und das Risiko für psychische Erkrankungen erhöhen. Eine deutsche Studie zeigt nun jedoch, dass diese Veränderungen offenbar keineswegs unumkehrbar sind: Erwachsene mit Kindheitstraumata, die regelmäßig körperlich aktiv waren, wiesen eine stärkere funktionelle Vernetzung wichtiger Hirnregionen auf, die an der Verarbeitung von Stress und Emotionen beteiligt sind. Besonders deutlich zeigte sich dieser Zusammenhang bei einem Bewegungsumfang entsprechend den Empfehlungen der WHO. Die Ergebnisse widersprechen damit der Annahme, frühe Belastungen würden das Gehirn zwangsläufig dauerhaft prägen.
Dass neuronale Verarbeitung zudem stark von Erwartungshaltungen beeinflusst werden kann, zeigt eine neue Studie zu Depressionen. Teilnehmende erhielten ein Nasenspray, das ihnen als antidepressiv wirksam beschrieben wurde, obwohl es sich um ein Placebo handelte. Dennoch verbesserten sich Stimmung und emotionale Verarbeitung messbar. Besonders deutlich zeigte sich dieser Effekt bei Personen mit hohen positiven Erwartungen an die Behandlung: Hier gingen depressive Symptome im weiteren Verlauf stärker zurück. Langfristig könnten solche Erkenntnisse dazu beitragen, Therapien stärker zu individualisieren, positive Erwartungen gezielt zu fördern und so die Wirksamkeit bestehender Behandlungen zu verbessern.
Mehr zu diesen und weiteren Themen finden Sie in diesem Newsletter, auf unserem Nachrichtenportal sowie in der aktuellen Ausgabe unserer Zeitschrift KOMPAKT NEUROLOGIE. Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre!




   Ihre
   Lena Johannes

 

 
 
Antikörper lässt Nervenfasern nach Rückenmarksverletzung neu wachsen

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Zunächst zeigten Wissenschaftler, dass der Antikörper NG101 die Regeneration von verletztem Rückenmarksgewebe unterstützt. Nun machen sie erstmals sichtbar, wie die Therapie wirkt: Neue Nervenfasern bilden wieder funktionale Verbindungen – und verbessern so die Selbstständigkeit der Patienten nach einer Rückenmarksverletzung.

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WebUp im Fokus: Lücken in der MS-Versorgung schließen

Wie lässt sich die Versorgung von Patienten mit Multipler Sklerose (MS) auch im ländlichen Raum sichern? Damit befasst sich „WebUp im Fokus – Versorgung von MS‑Patienten in Regionen mit unzureichender ärztlicher Abdeckung“ am 9. Juni, 18:00–19:00 Uhr. Eine ausgewählte Expertenrunde diskutiert darin aktuelle Herausforderungen und Lösungsansätze.

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Körperliche Aktivität kann Folgen von Kindheitstrauma abmildern

Regelmäßige Bewegung könnte dazu beitragen, die langfristigen Auswirkungen von Kindheitstraumata auf das Gehirn abzuschwächen. Forschende des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit zeigen, dass körperliche Aktivität mit einer günstigeren Vernetzung stressrelevanter Hirnregionen verbunden ist.

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SPINRAZA™ jetzt auch in höherer Dosierung

Mit Spinraza™ 50/28 mg (Nusinersen) steht neben dem etablierten 12/12-mg-Schema jetzt auch ein höher dosiertes Regime für die Behandlung der 5q-SMA zur Verfügung – bei einer verkürzten Aufsättigung, gleichbleibendem Injektionsvolumen und unverändertem Sicherheitsprofil.1,2 Hier informieren: Studienbasis, Dosierung und Anwendung im Überblick.

Fachinformation | Referenzen

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Erwartungen beeinflussen Therapieerfolg bei Depression stärker als gedacht

Erwartungen beeinflussen Therapieerfolg bei Depression stärker als gedacht

Erwartungen spielen eine entscheidende Rolle bei der Behandlung von Depressionen. Eine neue Studie von Forschenden des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) zeigt: Menschen mit Depression, die kurzfristig besonders stark auf Placebo-Behandlungen reagieren, profitieren auch langfristig stärker von positiven Erwartungen gegenüber einer Behandlung.

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MAHA + Thrombos +
Neuro-Symptome = ?

Die Trias aus Thrombozytopenie, MAHA und neurologischen Auffälligkeiten ist in der Notaufnahme nicht selten. Doch wird dabei
an aTTP gedacht? Eine seltene, aber akut lebensbedrohliche Erkrankung. Jede Stunde zählt - ohne Therapie sterben bis zu 90% der Patient*innen.1

aTTP: Erworbene thrombotisch-thrombozytopenische Purpura;
MAHA: Mikroangiopathische hämolytische Anämie.

Pflichttext
1. Kremer Hovinga JA, et al., Blood. 2010;115(8):1500-1511.

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Semaglutid mit potenziellem Zusatznutzen bei Migräne

Eine dänische Registerstudie zeigt: Unter Semaglutid zur Gewichtsreduktion sank der Triptanverbrauch innerhalb eines Jahres um sieben Prozent – allerdings ausschließlich bei Frauen. Die Daten deuten auf einen möglichen Antimigräne-Effekt der „Abnehmspritze“ hin.

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Unsere Auswahl: Aktuelles aus internationalen Journals

Die klinische Wirksamkeit und Sicherheit von Efgartigimod bei der Behandlung der Autoimmunenzephalitis.
Immunol Invest 20.05.2026

Die Auswirkungen einer mobilen Gesundheitsanwendung auf Sprechen und Schlucken bei Amyotropher Lateralsklerose.
Digit Health 15.05.2026

Tiefschlaf aktiviert Schaltkreise im Hirnstamm, um stressbedingte Angst zu verhindern.
Neuron 20.05.2026

Zerebrale kortikale Veränderungen bei früh einsetzender Psychose im Jugendalter: eine Mega-Analyse mittels oberflächenbasierter Morphometrie.
Mol Psychiatry 19.05.2026

 
 
 
Die Rolle des Immunsystems im Gehirn bei psychischen Erkrankungen

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Eine neue Magdeburger Übersichtsarbeit deutet darauf hin, dass biologische Unterschiede in der Kommunikation zwischen Immunsystem und Gehirn bei psychischen Erkrankungen künftig wichtiger sein könnten als reine Diagnosen.

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KURZMELDUNGEN:

Personen mit Depressionen empfinden Essen nicht als weniger belohnend, wenn sie es konsumieren, fühlen aber weniger Vorfreude.
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Warum man Geräusche unterschiedlich wahrnimmt und was Töne mit dem Wohlempfinden zu tun haben, erklärt der Präsident der Bundesinnung der Hörakustiker.
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Mithilfe einer neu entwickelten Mikroskopietechnologie entdeckten Forschende eine bislang unbekannte Immunzell-Population im Gehirn von Alzheimer-Erkrankten.
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TERMINE:

Kongress 2026: Psychiatrie im Spannungsfeld von Autonomie und Wohlergehen
4.–6. Juni 2026
Berlin

24. Münchner Neuroradiologie-Symposium
11.–13. Juni 2026
München

Internationales Krupp-Symposium: Frontiers of Neurovascular Medicine
12.–13. Juni 2026
Essen

Neuropalliatives Frühsommersymposium
19. Juni 2026
Göttingen

 
 

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