Ausgabe 23/2026

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Montag, 01. Juni 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

Propofol ist aus der modernen Anästhesie nicht wegzudenken. Von der WHO wird es seit Jahren als unentbehrliches Arzneimittel gelistet. Aufgrund seines raschen Wirkeintritts und seiner kurzen Halbwertszeit ist das Injektionsnarkotikum gut steuerbar und gilt heutzutage als das Standardhypnotikum bei der Einleitung und Aufrechterhaltung einer Narkose. Verwendet wird das Arzneimittel als Öl-in-Wasser-Emulsion, worin es allerdings bei Kontamination zum Wachstum von Mikroorganismen kommen kann. Die Mehrfachentnahme aus einem Behältnis ist daher zum Schutz vor einer lebensbedrohlichen Sepsis untersagt. Somit müssen die Reste einer angebrochenen Propofol-Ampulle verworfen werden, weshalb es mengenmäßig den größten Anteil am Medikamentenverwurf im Operationssaal ausmacht.

Ein „Green-Team“ vom Universitätsklinikum Bonn untersuchte nun, ob sich der individuelle Propofolbedarf präoperativ besser abschätzen lässt, um den Propofol- und Spritzenabfall während einer totalen intravenösen Anästhesie (TIVA) und somit den ökologischen Fingerabdruck in der Anästhesie zu reduzieren. Ihrer aktuellen Studie zufolge kann die präoperative Schätzung des Propofolbedarfs mit dem Eleveld-TCI-Modell den Propofolabfall bei TIVA deutlich senken, sogar bei unklarer OP-Dauer. Die Studiendetails erfahren Sie im entsprechenden Beitrag.

Weitere spannende Meldungen im heutigen Newsletter beschäftigen sich mit der Wirkung von Tranexamsäure zur Vorbeugung von starken Blutungen nach Kaiserschnitt aufgrund einer Plazenta praevia, mit neuen Daten zum Enhanced Recovery After Cardiac Surgery aus 15 Jahren Praxis, mit der Kritik von intensivmedizinischen Fachgesellschaften am aktuellen Entwurf der Notfallreform sowie mit der Gabe von Antibiotika bei Kindern mit Wheezing.

Viel Freude bei der Lektüre und einen guten Start in die Woche wünscht




   Ihre
   Dr. Aileen Hochhäuser

 

 
 
Mit Target Controlled Infusion zu weniger Propofolabfall in der Anästhesie

Mit Target Controlled Infusion zu weniger Propofolabfall in der Anästhesie

Propofol ist das am häufigsten verwendete intravenöse Hypnotikum in der Anästhesie. Es hat jedoch ein Effizienzproblem: Ein erheblicher Anteil des aufgezogenen Narkosemittels wird ungenutzt entsorgt. Ein Team des Universitätsklinikums Bonn erforscht gangbare Wege, um dies zu ändern – und so die Nachhaltigkeit in der Anästhesie zu verbessern.

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Tranexamsäure kann starken Blutungen bei Kaiserschnitten vorbeugen

Die Gabe von Tranexamsäure an Frauen mit Plazenta praevia, die per Kaiserschnitt entbinden, führt zu einer signifikanten, wenn auch moderaten Verringerung schwerer Blutungen nach der Entbindung ohne Anzeichen für eine Zunahme schwerwiegender unerwünschter Ereignisse.

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Nach Herz-OP: Spezialisierte Aufwachräume entlasten die Intensivstation

Nach Herz-OP: Spezialisierte Aufwachräume entlasten die Intensivstation

Nach Herz-OP automatisch auf die Intensivstation? Daten aus 15 Jahren ERACS am Herzzentrum Leipzig zeigen: Mit strukturierter PACU-Versorgung lassen sich mehr als 90 Prozent der Patientinnen und Patienten sicher ohne Intensivaufenthalt behandeln.

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Unsere Auswahl: Aktuelles aus internationalen Journals

Multidimensionale klinische Bewertung von Remimazolam im Vergleich zu Propofol und Dexmedetomidin: Zwei systematische Reviews und Metaanalysen basierend auf differenzierten Endpunkten.
BMC Anesthesiol 28.05.2026

Auswirkungen von Midazolam und Propofol auf die EEG-Erkennung epileptiformer Aktivität bei Patienten mit Bewusstseinsstörungen.
Clin Neurophysiol 2026:189:2111941.

Klinische Praxis in der Allgemeinanästhesie bei Kaiserschnitten: Eine deutschlandweite Querschnittstudie.
Eur J Anaesthesiol Intensive Care 2026;5(3):e0110.

 
 

Notfallreform: Fachgesellschaften fordern Nachschärfungen bei Qualitätssicherung und Digitalisierung

Deutsche intensiv- und notfallmedizinische Fachgesellschaften sehen Fortschritte bei der Entwicklung der Notfallreform. Sie mahnen aber auch verbindliche Qualitätsstandards, bessere Datenstrukturen und klare Verantwortlichkeiten an.

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Antibiotika helfen nicht gegen Wheezing

Antibiotika helfen nicht gegen Wheezing

Atemwegsobstruktionen mit pfeifendem Atmen (Wheezing) sind eine der Hauptursachen für Krankenhausaufenthalte bei Kindern im Vorschulalter und werden häufig mit Antibiotika behandelt. Eine aktuelle Studie zeigt nun allerdings, dass das Antibiotikum Azithromycin schwere Wheezing-Episoden nicht wirksamer lindern kann als Placebo.

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KURZMELDUNGEN:

Prof. Uwe Janssens ist neuer medizinischer Geschäftsführer der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI). An seine Stelle als Generalsekretär tritt Prof. Alexander Zarbock.
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In Sachsen-Anhalt wird künftig der Einsatz von Gemeindenotfallsanitätern und Telenotärzten landesweit ermöglicht. Der Landtag in Magdeburg hat eine entsprechende Änderung des Rettungsdienstgesetzes beschlossen.
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TERMINE:

Euroanaesthesia 2026
6.–8. Juni 2026
Rotterdam (Niederlande)

52. Jahrestagung der Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin
17.–19. Juni 2026
Mannheim

Anästhesiologie und Intensivmedizin Refresher
19.–20. Juni 2026
online

International Conference in Surgery and Anesthesia
6.–7. Juli 2026
Singapur

 
 

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