Tranexamsäure kann starken Blutungen bei Kaiserschnitten vorbeugen21. Mai 2026 Symbolbild © Anton Booysen/stock.adobe.com Die Gabe von Tranexamsäure an Frauen mit Plazenta praevia, die per Kaiserschnitt entbinden, führt zu einer signifikanten, wenn auch moderaten Verringerung schwerer Blutungen nach der Entbindung ohne Anzeichen für eine Zunahme schwerwiegender unerwünschter Ereignisse. Tranexamsäure wird häufig zur Vorbeugung oder Verringerung starker Blutungen eingesetzt, meist nach Operationen oder Traumata. Sie wirkt, indem sie den Abbau von Blutgerinnseln hemmt, und wird zur Behandlung schwerer postpartaler Blutungen empfohlen. Hochwertige Evidenz zu ihrer prophylaktischen Anwendung zur Vorbeugung postpartaler Blutungen bei Frauen mit hohem Risiko ist jedoch nach wie vor rar. Um diese Lücke zu schließen, untersuchten Forscher in China die Wirkung von Tranexamsäure bei Frauen mit Plazenta praevia, einer Gruppe mit hohem Risiko für schwere Blutungen. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal „The BMJ“ veröffentlicht. Die Studie umfasste 1.694 schwangere Frauen mit Plazenta praevia, bei denen zwischen Juli 2023 und März 2025 in 24 Entbindungsstationen in ganz China ein Kaiserschnitt geplant war. Die Teilnehmerinnen erhielten prophylaktisches Oxytocin – die Standardbehandlung zur Verringerung des Blutverlusts nach der Entbindung – und wurden nach dem Zufallsprinzip so eingeteilt, dass sie entweder intravenös Tranexamsäure (845 Frauen) oder ein Placebo (849 Frauen) über einen Zeitraum von zehn Minuten erhielten, beginnend innerhalb von fünf Minuten nach dem Abklemmen der Nabelschnur. Der primäre Endpunkt war die postpartale Blutung, definiert als Blutverlust von mindestens 1000 Milliliter oder eine Transfusion roter Blutkörperchen innerhalb von zwei Tagen nach der Entbindung. Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse, darunter Blutgerinnsel, Krampfanfälle, akute Nieren- oder Leberschäden sowie der Tod der Mutter, wurden ebenfalls erfasst. Rate postpartaler Blutungen um 15 Prozent reduziert Die Ergebnisse zeigen, dass die prophylaktische Gabe von Tranexamsäure die Rate postpartaler Blutungen im Vergleich zu Placebo um 15 Prozent senkte, von 35,1 Prozent auf 29,7 Prozent. Das bedeutet, dass bei jeweils 19 Frauen, die prophylaktisch Tranexamsäure erhielten, ein Fall einer postpartalen Blutung verhindert werden konnte. Die Raten schwerwiegender unerwünschter Ereignisse waren in beiden Gruppen ähnlich. Die Forscher räumen verschiedene Einschränkungen ein, darunter, dass die Ergebnisse spezifisch für Frauen mit Plazenta praevia sind, die prophylaktisches Oxytocin erhalten, und daher möglicherweise nicht auf andere geburtshilfliche Populationen übertragbar sind. Es handelte sich jedoch um eine gut konzipierte Studie, und die Ergebnisse blieben nach weiteren Analysen konsistent, was darauf hindeutet, dass die Befunde robust sind. Daher kommen sie zu dem Schluss: „In einer Hochrisikopopulation – insbesondere bei Frauen mit Plazenta praevia, die per Kaiserschnitt entbinden – führt die prophylaktische Gabe von Tranexamsäure zu einer statistisch signifikanten, aber moderaten Verringerung der Inzidenz postpartaler Blutungen.“ Sie fügen hinzu: „Zukünftige Studien in verschiedenen internationalen Settings sind erforderlich, um diese Ergebnisse zu validieren und spezifische Patientengruppen zu identifizieren, die am ehesten von der prophylaktischen Anwendung von Tranexamsäure profitieren.“ In einem begleitenden Leitartikel weisen britische Forscher darauf hin, dass diese moderate Verringerung der Blutungen die tatsächliche Wirkung unterschätzt, insbesondere bei Frauen mit hohem Risiko für Blutungskomplikationen, für die selbst moderate relative Risikoreduktionen einen lohnenden Nutzen bedeuten. Wie kann der Nutzen maximiert werden? Der Fokus sollte sich nun von der Frage, ob Tranexamsäure Blutungen reduziert, hin zu der Frage verlagern, wie sie eingesetzt wird, um den Nutzen für die Patientinnen zu maximieren, sagen die Forschenden. In dem Zuge weisen sie darauf hin, dass Tranexamsäure in der nicht-geburtshilflichen Chirurgie vor dem Schnitt verabreicht wird, in Studien zu Kaiserschnitten jedoch erst nach dem Abklemmen der Nabelschnur, um eine Übertragung über die Plazenta zu vermeiden. Sie empfehlen, die Verabreichung vor dem Schnitt bei Kaiserschnitten zu evaluieren und dabei die Ergebnisse für Mutter und Neugeborenes sorgfältig zu überwachen. (lj/BIERMANN) Auch interessant zu dem Thema: Kaiserschnittrate im Jahr 2024 mit 33 Prozent auf Höchststand Kaiserschnitt während der Wehen: Erhöhte Wahrscheinlichkeit einer Narbe am inneren Muttermund
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