Ausgabe 28/2026

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Montag, 06. Juli 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

ich hoffe Sie sind gut durch die erste Hitzewelle dieses Jahres gekommen. Sie brachte nicht nur Temperatur-Rekorde mit sich, sondern machte vielerorts auch deutlich, wie unzureichend unser Gesundheitswesen bislang auf die Folgen des Klimawandels vorbereitet ist. Ob überhitzte Wohnungen, Seniorenheime oder Kliniken: Gerade für Ältere und schwer vorerkrankte Menschen waren die dauerhaft hohen Temperaturen eine enorme Belastung, die viele von ihnen in die – oftmals ebenfalls ungekühlten, aber überfüllten – Notaufnahmen führte.

Eine Intensivmedizinerin schilderte mir „Zustände wie bei einer Naturkatastrophe“. Patienten, die wegen hitzebedingter Erkrankungen auf Normalstation aufgenommen wurden, in den dortigen heißen Patientenzimmern weiter überhitzten und schließlich mit Hyperthermie auf Intensivstation verlegt werden mussten. Und selbst in den dort klimatisierten Räumen kam es zu Geräteausfällen infolge der hohen Temperaturen. So mancherorts musste zur Versorgung der Hitze-Patienten der Katastrophenschutz hinzugezogen werden.

Wie viele Menschen infolge dieser Hitzewelle tatsächlich verstorben sind, werden die Statistiken der kommenden Wochen zeigen. Es ist jedoch zu erwarten, dass sich die außergewöhnliche Hitze in einer erhöhten Sterblichkeit insbesondere vulnerabler Bevölkerungsgruppen widerspiegeln wird.

Um Gesundheitsfachkräfte beim Umgang mit bestimmten Medikamenten zu unterstützen, welche hitzebedingte Gesundheitsrisiken zusätzlich verstärken können, entwarfen Wissenschaftler aus Köln, Hannover und weiteren Institutionen die sogenannte CALOR-Liste. Dabei handelt es sich um eine systematisch entwickelte Hilfe zur Erhöhung der Arzneimitteltherapiesicherheit während heißer Tage oder Hitzeperioden. Zwar gibt sie – aufgrund bislang mangelnder Evidenz – keine konkreten Hinweise zur Dosisanpassung. Jedoch benennt sie Medikamentengruppen, die das Risiko für hitzebedingte gesundheitliche Probleme erhöhen. Diese Informationen dienen einerseits der Patientenaufklärung und andererseits der Identifikation von Personen, die möglicherweise ein strengeres Monitoring benötigen.

Ebenfalls mit dem Thema extreme Temperaturen beschäftigte sich eine Forschungsgruppe aus Italien, die ihre vorläufigen Daten kürzlich auf dem Jahreskongress der European Academy of Neurology (EAN) in Genf vorgestellt hat. Demnach erhöhen sowohl extreme Hitze als auch Kälte bei Menschen mit Demenz – nicht jedoch bei Parkinson-Erkrankten – das Risiko für einen Besuch in der Notaufnahme. Die Forschenden führen diese Beobachtung sowohl auf biologische als auch verhaltensbezogene Faktoren zurück und vermuten, dass extreme Temperaturen neurodegenerative Krankheitsprozesse beschleunigen könnten.

Auch diese Daten verdeutlichen: Gerade gefährdete Bevölkerungsgruppen brauchen einen besseren Hitzeschutz – und das nicht erst, wenn die Temperaturen neue Rekorde erreichen. Hitzewellen sind längst keine Ausnahme mehr. Umso wichtiger ist es, Prävention, strukturelle Vorsorge und ein erhöhtes Bewusstsein für hitzebedingte Gesundheitsrisiken in der Versorgung zu verankern. Denn ein wirksamer Hitzeschutz entlastet nicht nur Notaufnahmen und Intensivstationen, sondern kann im wahrsten Sinne des Wortes Leben retten.

Ich hoffe, in den genannten Studien finden sich auch spannende Erkenntnisse für Ihren klinischen Alltag und wünsche Ihnen einen guten Start in die Woche.




   Ihre
   Dr. Aileen Hochhäuser

 

 
 
Spezifisches Immunprofil könnte Traumapatienten mit CCI-Risiko frühzeitig identifizieren

Spezifisches Immunprofil könnte Traumapatienten mit CCI-Risiko frühzeitig identifizieren

Nach einem schweren Trauma erholt sich ein Teil der Patienten nur langsam auf Intensivstation. Wissenschaftler aus den USA identifizierten nun eine spezielle Immunsignatur, die Aufschluss darüber gibt, bei wem das Risiko dafür besonders hoch ist.

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Advertorial

MAHA + Thrombos+
Neuro-Symptome = ?

Die Trias aus Thrombozytopenie, MAHA und neurologischen Auffälligkeiten ist in der Notaufnahme nicht selten. Doch wird dabei
an aTTP gedacht? Eine seltene, aber akut lebensbedrohliche Erkrankung. Jede Stunde zählt - ohne Therapie sterben bis zu 90% der Patient*innen.1

aTTP: Erworbene thrombotisch-thrombozytopenische Purpura;
MAHA: Mikroangiopathische hämolytische Anämie.

Pflichttext
1. Kremer Hovinga JA, et al., Blood. 2010;115(8):1500-1511.

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Proof of Concept: Mikrobielle zellfreie DNA zur Diagnostik schwerer Infektionen

Schwere bakterielle Infektionen müssen schnell erkannt und gezielt behandelt werden. Doch eine bereits begonnene Antibiotikatherapie erschwert oft den Nachweis der Erreger. Forschende aus Jena haben nun ein Verfahren entwickelt, das Krankheitserreger innerhalb eines halben Tages direkt aus dem Blutplasma identifizieren kann – selbst bei laufender Antibiotikatherapie.

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13-Sekunden-Augentest könnte die Wiedererlangung des Bewusstseins nach einer schweren Hirnverletzung vorhersagen

13-Sekunden-Augentest könnte die Wiedererlangung des Bewusstseins nach einer schweren Hirnverletzung vorhersagen

Ein einfacher Augentest am Krankenbett könnte dazu beitragen, die Wiedererlangung des Bewusstseins bei Patienten mit schweren Hirnverletzungen vorherzusagen. Dies geht aus einer neuen Studie hervor, die auf dem Kongress der Europäischen Akademie für Neurologie (EAN) 2026 vorgestellt wurde.

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Unsere Auswahl: Aktuelles aus internationalen Journals

Epidemiologie, Beatmungsmanagement und klinische Ergebnisse bei Kindern (PRoVENT-PED): Erste Ergebnisse der zehnjährigen, von Forschern initiierten, internationalen, multizentrischen, prospektiven Kohortenstudie.
Lancet Respir Med 2026;14(7):577–588.

Identifizierung von Subphänotypen bei akutem Lungenversagen am Krankenbett (PHIND): eine multizentrische, beobachtende Kohortenstudie.
Lancet Respir Med 2026;14(7):589–600.

Aussetzen oder Fortsetzen der Einnahme blutzuckersenkender Medikamente vor elektiven Operationen bei Patienten mit Typ-2-Diabetes: Eine Sekundäranalyse der internationalen, prospektiven Beobachtungsstudie MOPED.
Br J Anaesth 2026;137(1):99–109.

 
 

Calor-Liste: Mehr Therapiesicherheit bei Hitze

Hitze ist mit erheblichen Gesundheitsrisiken verbunden. Diese können durch bestimmte Medikamente zusätzlich verstärkt werden. Wissenschaftler des Forschungsprojektes ADAPT-HEAT haben daher eine Übersicht über hitzerelevante Medikamente sowie Hinweise zur sicheren Einnahme dieser Medikamente während Hitzeperioden erarbeitet.

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Menschen mit Demenz landen bei extremen Temperaturen häufiger in der Notaufnahme

Menschen mit Demenz landen bei extremen Temperaturen häufiger in der Notaufnahme

Extreme Hitze und Kälte erhöhen bei Menschen mit Demenz das Risiko für einen Besuch in der Notaufnahme. Darauf deuten vorläufige Daten hin, die auf dem European Academy of Neurology (EAN) Kongress 2026 vorgestellt wurden. Sie unterstreichen, dass Umweltfaktoren einen messbaren Einfluss auf die Gesundheit von Menschen mit neurologischen Erkrankungen haben können.

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KURZMELDUNGEN:

Dr. Henning Biermann, Dr. Ingmar Gröning und Dr. Mark Michael wurden als Initiatoren des Kurskonzeptes ACiLS mit dem David-Williams-Award der DGINA geehrt.
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Am UKSH, Campus Kiel, soll eine automatisierte Messkabine die Notaufnahme entlasten. Diese erfasst noch vor der Triage durch die Notfallfachpflege eigenständig wichtige Körperwerte der Patienten.
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Mit Dr. Sonja Optendrenk ist seit dem 1. Juli 2026 erstmals eine Frau unparteiische Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses.
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TERMINE:

53. Fortbildungsreihe OP-Management Einführungsveranstaltung
8. September 2026
Nürnberg

53. Fortbildungsreihe OP-Management Modul 1–2
9.–12. September 2026
Nürnberg

43rd European Society of Regional Anaesthesia & Pain Therapy Annual Congress
9.–12. September 2026
Lissabon (Portugal)

Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie
16.–18. September 2026
Kassel

 
 

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