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Liebe Leserinnen und Leser,
ich hoffe Sie sind gut durch die erste Hitzewelle dieses Jahres gekommen. Sie brachte nicht nur Temperatur-Rekorde mit sich, sondern machte vielerorts auch deutlich, wie unzureichend unser Gesundheitswesen bislang auf die Folgen des Klimawandels vorbereitet ist. Ob überhitzte Wohnungen, Seniorenheime oder Kliniken: Gerade für Ältere und schwer vorerkrankte Menschen waren die dauerhaft hohen Temperaturen eine enorme Belastung, die viele von ihnen in die – oftmals ebenfalls ungekühlten, aber überfüllten – Notaufnahmen führte.
Eine Intensivmedizinerin schilderte mir „Zustände wie bei einer Naturkatastrophe“. Patienten, die wegen hitzebedingter Erkrankungen auf Normalstation aufgenommen wurden, in den dortigen heißen Patientenzimmern weiter überhitzten und schließlich mit Hyperthermie auf Intensivstation verlegt werden mussten. Und selbst in den dort klimatisierten Räumen kam es zu Geräteausfällen infolge der hohen Temperaturen. So mancherorts musste zur Versorgung der Hitze-Patienten der Katastrophenschutz hinzugezogen werden.
Wie viele Menschen infolge dieser Hitzewelle tatsächlich verstorben sind, werden die Statistiken der kommenden Wochen zeigen. Es ist jedoch zu erwarten, dass sich die außergewöhnliche Hitze in einer erhöhten Sterblichkeit insbesondere vulnerabler Bevölkerungsgruppen widerspiegeln wird.
Um Gesundheitsfachkräfte beim Umgang mit bestimmten Medikamenten zu unterstützen, welche hitzebedingte Gesundheitsrisiken zusätzlich verstärken können, entwarfen Wissenschaftler aus Köln, Hannover und weiteren Institutionen die sogenannte CALOR-Liste. Dabei handelt es sich um eine systematisch entwickelte Hilfe zur Erhöhung der Arzneimitteltherapiesicherheit während heißer Tage oder Hitzeperioden. Zwar gibt sie – aufgrund bislang mangelnder Evidenz – keine konkreten Hinweise zur Dosisanpassung. Jedoch benennt sie Medikamentengruppen, die das Risiko für hitzebedingte gesundheitliche Probleme erhöhen. Diese Informationen dienen einerseits der Patientenaufklärung und andererseits der Identifikation von Personen, die möglicherweise ein strengeres Monitoring benötigen.
Ebenfalls mit dem Thema extreme Temperaturen beschäftigte sich eine Forschungsgruppe aus Italien, die ihre vorläufigen Daten kürzlich auf dem Jahreskongress der European Academy of Neurology (EAN) in Genf vorgestellt hat. Demnach erhöhen sowohl extreme Hitze als auch Kälte bei Menschen mit Demenz – nicht jedoch bei Parkinson-Erkrankten – das Risiko für einen Besuch in der Notaufnahme. Die Forschenden führen diese Beobachtung sowohl auf biologische als auch verhaltensbezogene Faktoren zurück und vermuten, dass extreme Temperaturen neurodegenerative Krankheitsprozesse beschleunigen könnten.
Auch diese Daten verdeutlichen: Gerade gefährdete Bevölkerungsgruppen brauchen einen besseren Hitzeschutz – und das nicht erst, wenn die Temperaturen neue Rekorde erreichen. Hitzewellen sind längst keine Ausnahme mehr. Umso wichtiger ist es, Prävention, strukturelle Vorsorge und ein erhöhtes Bewusstsein für hitzebedingte Gesundheitsrisiken in der Versorgung zu verankern. Denn ein wirksamer Hitzeschutz entlastet nicht nur Notaufnahmen und Intensivstationen, sondern kann im wahrsten Sinne des Wortes Leben retten.
Ich hoffe, in den genannten Studien finden sich auch spannende Erkenntnisse für Ihren klinischen Alltag und wünsche Ihnen einen guten Start in die Woche.
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