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Liebe Leserinnen und Leser,
wussten Sie, dass sich der Name einer der renommiertesten wissenschaftlichen Fachzeitschriften der Welt von einer medizinischen Praxis ableitet, die über Jahrhunderte bei den unterschiedlichsten Indikationen angewandt wurde – und die oftmals mehr Schaden als Nutzen angerichtet hat? Die Rede ist vom Aderlass, der mithilfe einer Lanzette („The Lancet“) durchgeführt wurde. Heute ist der Aderlass weitgehend obsolet – eine Errungenschaft der evidenzbasierten Medizin, die dafür sorgt, dass auch etablierte Therapiestandards kontinuierlich hinterfragt werden, um die Patientenergebnisse nachhaltig zu verbessern. In dieser Woche richten wir den Blick auf drei wegweisende Studien, die ebenfalls dazu beitragen könnten, langjährige Empfehlungen zu überarbeiten.
So verdeutlicht die kürzlich in „JAMA“ veröffentlichte VICToRY-Studie, dass die Gabe von hochdosiertem Vitamin C bei Patienten mit schweren Verbrennungen nicht wirksam und möglicherweise sogar schädlich ist. Die Ergebnisse ergänzen die Erkenntnisse der kürzlich publizierten LOVIT-Studie, die bei septischem Schock ebenfalls einen Schadenshinweis durch hochdosiertes Vitamin C lieferte. Die Autoren fordern, diese neuen Erkenntnisse in internationalen Leitlinien dringend zu berücksichtigen.
Einen „Meilenstein für die Infektionsmedizin“, so die Einordnung von Experten, liefern aktuelle Daten der laufenden Plattformstudie SNAP, die jüngst sowohl im „New England Journal of Medicine“ als auch in „The Lancet“ erschien. In SNAP werden international verschiedene Behandlungen für eine Staphylococcus-aureus-Bakteriämie (SAB) untersucht. Die aktuellen Analysen befassten sich mit der SAB durch Methicillin- (MSSA) beziehungsweise Penicillin-sensible (PSSA) Erreger, welche hierzulande üblicherweise mit dem Staphylokokkenpenicillin Flucloxacillin behandelt werden. Im Vergleich zur Therapie mit dem Cephalosporin Cefazolin (bei MSSA) beziehungsweise mit Benzylpenicillin (bei PSSA) kommt es darunter allerdings vermehrt zu Nebenwirkungen, insbesondere zu einem akuten Nierenversagen. Auch gibt es Hinweise auf eine höhere Mortalität unter Flucloxacillin. Die Ergebnisse könnten somit die altbekannten Wirkstoffe Cefazolin und Benzylpenicillin zu den Standardkandidaten bei MSSA und PSSA machen.
Und schließlich stellt die BALTIC-Studie die Verwendung von Schutzkittel und Handschuhen auf neonatologischen Intensivstationen infrage. In der Cluster-randomisierten Studie bot ein Verzicht darauf bei konsequent durchgeführter Händehygiene einen vergleichbar wirksamen Schutz vor einer schweren Blutinfektion. Laut dem Autorenteam scheint somit die sorgsame Händehygiene der entscheidende Faktor im Infektionsschutz zu sein. Auf zusätzliche Schutzkleidung könnte bei der Routineversorgung bestimmter Kinder verzichtet werden, resümieren sie. Das spart nicht nur Zeit, sondern auch Ressourcen.
Ich hoffe, in den genannten Studien finden sich auch spannende Erkenntnisse für Ihren klinischen Alltag, und wünsche Ihnen einen guten Start in eine hoffentlich kühlere Woche.
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