Ausgabe 27/2026

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Montag, 29. Juni 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

wussten Sie, dass sich der Name einer der renommiertesten wissenschaftlichen Fachzeitschriften der Welt von einer medizinischen Praxis ableitet, die über Jahrhunderte bei den unterschiedlichsten Indikationen angewandt wurde – und die oftmals mehr Schaden als Nutzen angerichtet hat? Die Rede ist vom Aderlass, der mithilfe einer Lanzette („The Lancet“) durchgeführt wurde. Heute ist der Aderlass weitgehend obsolet – eine Errungenschaft der evidenzbasierten Medizin, die dafür sorgt, dass auch etablierte Therapiestandards kontinuierlich hinterfragt werden, um die Patientenergebnisse nachhaltig zu verbessern. In dieser Woche richten wir den Blick auf drei wegweisende Studien, die ebenfalls dazu beitragen könnten, langjährige Empfehlungen zu überarbeiten.

So verdeutlicht die kürzlich in „JAMA“ veröffentlichte VICToRY-Studie, dass die Gabe von hochdosiertem Vitamin C bei Patienten mit schweren Verbrennungen nicht wirksam und möglicherweise sogar schädlich ist. Die Ergebnisse ergänzen die Erkenntnisse der kürzlich publizierten LOVIT-Studie, die bei septischem Schock ebenfalls einen Schadenshinweis durch hochdosiertes Vitamin C lieferte. Die Autoren fordern, diese neuen Erkenntnisse in internationalen Leitlinien dringend zu berücksichtigen.

Einen „Meilenstein für die Infektionsmedizin“, so die Einordnung von Experten, liefern aktuelle Daten der laufenden Plattformstudie SNAP, die jüngst sowohl im „New England Journal of Medicine“ als auch in „The Lancet“ erschien. In SNAP werden international verschiedene Behandlungen für eine Staphylococcus-aureus-Bakteriämie (SAB) untersucht. Die aktuellen Analysen befassten sich mit der SAB durch Methicillin- (MSSA) beziehungsweise Penicillin-sensible (PSSA) Erreger, welche hierzulande üblicherweise mit dem Staphylokokkenpenicillin Flucloxacillin behandelt werden. Im Vergleich zur Therapie mit dem Cephalosporin Cefazolin (bei MSSA) beziehungsweise mit Benzylpenicillin (bei PSSA) kommt es darunter allerdings vermehrt zu Nebenwirkungen, insbesondere zu einem akuten Nierenversagen. Auch gibt es Hinweise auf eine höhere Mortalität unter Flucloxacillin. Die Ergebnisse könnten somit die altbekannten Wirkstoffe Cefazolin und Benzylpenicillin zu den Standardkandidaten bei MSSA und PSSA machen.

Und schließlich stellt die BALTIC-Studie die Verwendung von Schutzkittel und Handschuhen auf neonatologischen Intensivstationen infrage. In der Cluster-randomisierten Studie bot ein Verzicht darauf bei konsequent durchgeführter Händehygiene einen vergleichbar wirksamen Schutz vor einer schweren Blutinfektion. Laut dem Autorenteam scheint somit die sorgsame Händehygiene der entscheidende Faktor im Infektionsschutz zu sein. Auf zusätzliche Schutzkleidung könnte bei der Routineversorgung bestimmter Kinder verzichtet werden, resümieren sie. Das spart nicht nur Zeit, sondern auch Ressourcen.

Ich hoffe, in den genannten Studien finden sich auch spannende Erkenntnisse für Ihren klinischen Alltag, und wünsche Ihnen einen guten Start in eine hoffentlich kühlere Woche.




   Ihre
   Dr. Aileen Hochhäuser

 

 
 
Staphylococcus-aureus-Bakteriämie: Weniger Nebenwirkungen mit bekannten Antibiotika

Staphylococcus-aureus-Bakteriämie: Weniger Nebenwirkungen mit bekannten Antibiotika

Die internationale SNAP-Studie zeigt: Die Antibiotika Cefazolin und Benzylpenicillin wirken bei schweren Blutstrominfektionen durch das Bakterium Staphylococcus aureus genauso gut wie das bisher gängige Standardpräparat Flucloxacillin – sie verursachen aber deutlich seltener schwere Nebenwirkungen.

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Intravenöses Vitamin C hilft nicht bei schweren Verbrennungen

Hochdosiertes intravenöses Vitamin C verbessert bei Schwerbrandverletzten weder Überleben noch Organdysfunktion und könnte möglicherweise sogar schädlich sein, so das Ergebnis einer internationalen klinischen Studie.

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Studie stellt Nutzen von Schutzkleidung auf Neonatologien infrage

Studie stellt Nutzen von Schutzkleidung auf Neonatologien infrage

Eine deutsche Studie mit fast 10.000 Neugeborenen auf Intensivstationen zeigt: Eine sorgfältige Händedesinfektion des Personals schützt gefährdete Babys genauso gut vor bestimmten Krankenhausinfektionen wie zusätzliche Schutzmaßnahmen mit Kitteln und Handschuhen.

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Unsere Auswahl: Aktuelles aus internationalen Journals

4 % Tetranatrium-EDTA zur Vorbeugung von Komplikationen im Zusammenhang mit zentralvenösen Kathetern: Eine randomisierte klinische Studie.
JAMA 2026;335;(24):2126–2134.

Natriumhydrogencarbonat bei kritisch kranken Erwachsenen mit metabolischer Azidose und Schock.
N Engl J Med 12.06.2026

Veränderungen in der Konnektivität dopaminerger Teilnetzwerke stehen im Zusammenhang mit postoperativen kognitiven Funktionsstörungen: Ergebnisse der beobachtenden BioCog-Kohortenstudie.
Eur J Anaesthesiol 2026;43(7):603–614.

 
 

Post-Intensive-Care-Syndrom: DIVI fordert bessere Nachsorge für kritisch kranke Patienten

Viele Menschen leiden noch Monate oder Jahre nach einer intensivmedizinischen Behandlung unter körperlichen, psychischen oder kognitiven Folgen. Dennoch fehlen in Deutschland bislang flächendeckende und strukturierte Nachsorgeangebote für Patienten mit Post-Intensive-Care-Syndrom.

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Weniger Narkosen bei Kindern: Neues MRT-Konzept soll Versorgung verändern

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Viele Kinder benötigen für eine MRT-Untersuchung noch immer eine Narkose. Das Projekt KidsMRI hat hierfür einen Lösungsansatz entwickelt, der nun erprobt werden soll. Dafür hat die Mainzer Universitätsmeidzin einen Antrag beim Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) eingereicht.

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KURZMELDUNGEN:

In der Landesärztekammer Berlin wird über die Einführung eines eigenständigen Facharztes für Klinische Akut- und Notfallmedizin diskutiert. DGAI und BDA fordern stattdessen die Weiterentwicklung bestehender Strukturen und Alleingänge einzelner Ärztekammern zu vermeiden.
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Auf der „Urgent Care Conference“ in Berlin wurden multidisziplinäre Erkenntnisse aus zahlreichen Studien und Modellprojekten zur sektorenübergreifenden Akut- und Notfallversorgung diskutiert.
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Die Leopoldina zeigt auf, wie agentische KI künftig helfen kann, die Herausforderungen im Gesundheitswesen zu bewältigen.
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