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Liebe Leserinnen und Leser,
wussten Sie, dass die Leber in der Antike für die Entstehung von Gefühlen verantwortlich gemacht wurde und als Quelle von Zorn und schlechter Laune galt? Die sogenannte „Temperamentenlehre“, abgeleitet von der Humoralpathologie nach Hippokrates, hat heutzutage keine medizinische Relevanz mehr. Damit ist das Stoffwechselorgan zwar nicht am gelegentlichen Chaos unserer Gefühle schuld. Doch die Leber selbst ist durchaus anfällig für Chaos – und zwar beim Essen.
Denn wie viele andere Prozesse in unserem Körper auch, unterliegt sie dem zirkadianen Rhythmus. Beispielsweise zeigen die Ergebnisse einer erst kürzlich veröffentlichten Studie, dass die Triglyceridsekretion der Leber dem zirkadianen Rhythmus folgt. Gleichzeitig deutet eine andere Studie an, dass eine unregelmäßige Nahrungsaufnahme diesen Rhythmus messbar verändern kann. Wird die innere Uhr der Leber längerfristig aus dem Takt gebracht, könnten dadurch Stoffwechselprozesse durcheinandergeraten und Lebererkrankungen begünstigt werden.
Eine entscheidende Rolle für die Aufrechterhaltung des natürlichen Rhythmus spielt der Glykogenstoffwechsel. Das Hormon Glukagon ist dabei für den Abbau von Glykogen in der Leber zuständig. Wissenschaftler des Deutschen Diabetes-Zentrums (DDZ) haben nun herausgefunden, dass Menschen mit Typ-2-Diabetes bereits innerhalb des ersten Jahres nach der Diagnose postprandial rund 75 Prozent höhere Glukagonspiegel aufweisen als Personen ohne Diabetes. Dieser Anstieg ist offenbar eng mit dem Fettgehalt der Leber verknüpft – und nicht, wie bislang oft angenommen, mit Insulinresistenz oder bestimmten Stoffwechselprodukten im Blut. Diese Daten verdeutlichen laut den Forschenden, dass Typ-2-Diabetes nicht ausschließlich unter dem Aspekt der Insulinwirkung betrachtet, sondern die Leber und die Regulation von Glukagon stärker berücksichtigt werden sollten.
Neue Zusammenhänge haben britische Forschende übrigens auch zwischen Stoffwechselerkrankungen und Bauchspeicheldrüsenkrebs entschlüsselt. Wie genetische Analysen nahelegen, liegen beiden dieselben Entzündungsprozesse zugrunde. Diese Ergebnisse könnten erklären, warum Menschen mit Stoffwechselerkrankungen häufig eine schlechtere Prognose bei Krebserkrankungen haben.
Schlechte Prognosen liefert derzeit auch die Wettervorhersage. Dennoch wünsche ich Ihnen eine informative Lektüre und ein schönes, langes Wochenende!
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