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Liebe Leserinnen und Leser,
über das Gesundheitsrisiko von Übergewicht wird immer wieder diskutiert. Kern der Argumentation ist, dass Adipositas nicht automatisch mit einem gestörten Stoffwechsel einhergeht. Der metabolische Status wird durch den klassischen Body-Mass-Index (BMI) allerdings nicht abgebildet. Eine Möglichkeit, die gleichzeitige Erfassung des Stoffwechsels zu ermöglichen, ist beispielsweise der metabolische BMI, den ich Ihnen Anfang Januar vorgestellt habe. Dieser deckt insbesondere auch bei normalgewichtigen Personen bereits vorhandene Stoffwechselstörungen auf.
Eine internationale Kommission von „The Lancet Diabetes & Endocrinology“ schlug vor etwa einem Jahr ein anderes Konzept vor: die Unterteilung in präklinische und klinische Adipositas. Demnach ist neben dem BMI (≥ 30 kg/m2) mindestens ein weiteres anthropometrisches Kriterium für die Diagnose nötig. Liegt darüber hinaus bereits eine Folgeerkrankung wie Bluthochdruck oder Prädiabetes vor, gelten diese Personen als klinisch adipös.
Eine Forschungsarbeit unter Beteiligung des Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) zeigt nun, dass rund 80 Prozent aller Betroffenen die Kriterien für eine klinische Adipositas erfüllen. Im Vergleich zu Normalgewichtigen ist ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen etwa dreimal, ihr Risiko für Typ-2-Diabetes sogar achtmal so hoch. Und selbst bei präklinischer Adipositas ist Letzteres immer noch vierfach erhöht.
Die Autorinnen und Autoren der aktuellen Studie kommen zu dem Schluss, dass die Bestätigung einer Adipositas durch weitere anthropometrische Maße in der Praxis nicht notwendig erscheint – 100 Prozent der Teilnehmenden erfüllten dieses Kriterium. Da außerdem lediglich einer von fünf Übergewichtigen als präklinisch eingestuft wurde, hinterfragen sie die Notwendigkeit einer zusätzlichen, umfangreichen Diagnostik. Ist metabolisch gesunde Adipositas also vielleicht doch bloß ein Mythos? Oder sind es eben nur ein paar wenige Ausnahmen, die sich trotz überschüssiger Pfunde keine Sorgen machen müssen?
Auch bei Jugendlichen ist Adipositas ein buchstäblich wachsendes Problem – und der wichtigste Risikofaktor für Typ-2-Diabetes. Mehr dazu und vielen weiteren Entdeckungen erfahren Sie in diesem Newsletter, auf unserem Nachrichtenportal und in der aktuellen Ausgabe unserer KOMPAKT DIABETOLOGIE UND ENDOKRINOLOGIE.
Viel Spaß beim Lesen und ein entspanntes Wochenende wünscht Ihnen
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