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Liebe Leserinnen und Leser des Kompakt Gastroenterologie,
wenn über den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) in der medizinischen Versorgung diskutiert wird, geht es meist um den Erhalt einer engen Arzt-Patienten-Beziehung, den Schutz von Patientendaten und die Verlässlichkeit der KI. Ein weiteres, für den einzelnen Arzt ganz persönliches Problem aber ist, ob eine KI irgendwann in der Lage sein wird, ihn zu ersetzen.
Ganz so weit geht eine aktuelle Studie aus Österreich zwar nicht. Die Autoren kommen aber zu dem Ergebnis, dass auch junge, noch unerfahrene Mediziner mit einer hohen Treffsicherheit bei einer Vorsorgekoloskopie harmlose von Risikopolypen unterscheiden können – zumindest, wenn sie sich dabei von einer Künstlichen Intelligenz unterstützen lassen. Dabei erreichten die Nachwuchsärzte zum Teil ebenso gute Werte wie Mediziner mit langjähriger Expertise auf diesem Gebiet.
Nicht vergessen werden sollte hier allerdings, dass nicht nur junge Mediziner noch lernen müssen, sondern auch die KI. Das betonte kürzlich auf dem 129. Deutschen Ärztetag die KI-Spezialistin Prof. Ulrike Attenberger aus Wien, die Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates der Bundesärztekammer ist. Sie unterstrich auf der diesjährigen Tagung in Leipzig, dass der Erfolg bei Diagnosen mit KI-Unterstützung von der Qualifikation der Anwender abhänge – denn erfahrene Ärzte fänden häufiger Fehler in den Vorschlägen der KI, sodass die Systeme sinnvoll weiterlernen könnten. Ohne Expertise durch langjährige Berufstätigkeit geht es dann also doch nicht.
Ich wünsche Ihnen eine gute Restwoche!
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