Liebe Leserinnen und Leser,
auch wenn der klassische Lebensentwurf heute längst nicht mehr für alle jungen Menschen selbstverständlich ist, bleibt der Wunsch nach eigenen Kindern für viele Frauen ein wichtiges Lebensziel. Da kann eine Krebsdiagnose Betroffene gleich doppelt hart treffen, wenn die notwendige Therapie auch die Fruchtbarkeit beeinträchtigt. Eine neue Studie befasste sich mit dem endometrioiden Endometriumkarzinom, dessen chirurgische Standardtherapie zum Verlust der Fertilität führt. Auf die alternative, fertilitätserhaltende Progesterontherapie sprechen allerdings mehr als 30 Prozent der Patientinnen nicht an. Forschende aus China identifizierten nun einen Biomarker, der den Erfolg einer solchen Therapie vorhersagen kann. Mithilfe der hyperspektralen stimulierten Raman-Streumikroskopie fanden sie bei Tumoren ohne Ansprechen auf eine Progesterontherapie eine vermehrte Anreicherung von Cholesterinestern in Tumorzellclustern. Zusätzlich untersuchten sie den Effekt einer Kombinationstherapie aus Progesteron und Statin zur Behandlung von Patientinnen mit progesteroninsensitivem Tumor. Die vollständige Remissionsrate nach sechs Monaten lag unter einer alleinigen Progesterontherapie bei acht Prozent, stieg durch die Kombinationstherapie jedoch auf 67 Prozent an. Auch wenn es größerer Studien zur Validierung der Ergebnisse bedarf, geben die Resultate Anlass zur Hoffnung für Betroffene mit Kinderwunsch.
Außerdem wollen wir einen Blick auf Frauen werfen, die die Kinderwunsch- und Fertilitätsfrage bereits hinter sich und das Neugeborene auf dem Arm haben. Eigentlich sollte in diesem Moment alles perfekt sein – so erträumt man es sich zumindest. Dennoch erfahren elf bis zwölf Prozent aller Mütter Störungen der Mutter-Kind-Bindung, oft im Zusammenhang mit postpartalen Depressionen. Eine japanische Studie macht nun jedoch darauf aufmerksam, dass auch in der Gruppe der Mütter ohne postpartale Depressionen immerhin noch knapp acht Prozent betroffen sind. Da diese Frauen seltener erkannt werden, haben die Forschenden weitere Risikofaktoren für eine gestörte Mutter-Kind-Bindung ein Jahr nach der Geburt identifiziert: So waren Schwierigkeiten beim Halten des Babys, wenn dieses weinte, quengelte oder den Rücken durchbog, einen Monat nach der Geburt mit einem 3,45-fach erhöhten Risiko assoziiert. Die Angabe eines anderen Gefühls als Freude bei der Bestätigung der Schwangerschaft – selbst wenn es nur Neutralität war – ging mit einem 2,42-fach erhöhten Risiko einher. Als Schutzfaktor erwies sich hingegen starke soziale Unterstützung während der Schwangerschaft, die das Risiko um 55 Prozent senkte. Die Ergebnisse könnten dazu beitragen, betroffene Mütter früher zu erkennen und ihnen rechtzeitig die nötige Unterstützung anzubieten.
Mehr zu diesen und weiteren Themen finden Sie wie immer in diesem Newsletter und auf unserem Nachrichtenportal BIERMANN MEDIZIN. Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Schmökern und eine schöne Sommerwoche!
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