Ausgabe 30/2026

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Donnerstag, 23. Juli 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

Kapseln, Smoothies oder andere Zubereitungen aus der Plazenta sorgen immer wieder für Schlag­zeilen. Ob dahinter tatsächlich ein gesundheitlicher Nutzen steckt, ist wissenschaftlich jedoch nicht belegt. Weitaus wichtiger ist ihre Funktion während der Schwangerschaft. Frühere Studien haben gezeigt, dass Anomalien – etwa eine zu geringe Größe – mit ungünstigen Schwangerschaftsaus­gängen verbunden sein können. Dennoch wird die Größe der Plazenta bislang nicht routinemäßig bestimmt, da die Messung des Plazentavolumens mittels 3D-Ultraschall aufwendig ist und nur bei medizinischer Indikation erfolgt. Forschende der Yale University in den USA haben nun eine Methode entwickelt, mit der sich aus Breite, Höhe und Dicke der Plazenta – Werte, die mittels 2D-Ultraschall ermittelt werden können – das Plazentavolumen berechnen lässt. Die Untersuchung dauert etwa 30 Sekunden und kann mit einem handelsüblichen Ultraschallgerät durchgeführt werden. Bei 58 Schwangeren korrelierten die so ermittelten Werte nahezu perfekt mit den Ergebnissen der 3D-Ultraschallmessung. Weitere Studien sollen nun klären, ob sich so Risikoschwangerschaften tatsächlich früher erkennen lassen.

Während die Größe der Plazenta Hinweise auf den Verlauf der Schwangerschaft liefern könnte, scheint die Schwangerschaft selbst Rückschlüsse auf das zukünftige kardiometabolische Risiko zuzulassen. Ein US-amerikanisches Forscherteam entwickelte einen schwangerschaftsspezifischen Score zur Bewertung der kardiovaskulären Gesundheit, der sich am Konzept „Life’s Essential 8“ der American Heart Association orientiert. Berücksichtigt wurden unter anderem BMI, Glukosestoff­wechsel, Blutdruck, Rauchen, Ernährung, Bewegung und Schlaf. Die Analyse der Daten von über 1200 Schwangeren zeigte, dass auch Frauen ohne Schwangerschaftsdiabetes oder hypertensive Schwangerschaftserkrankungen bei ungünstigeren Werten früher Bluthochdruck und Stoffwechselerkrankungen entwickelten. Langfristig könnten solche Informationen dazu beitragen, Frauen mit erhöhtem Risiko frühzeitig zu identifizieren und gezielte Präventionsmaßnahmen einzuleiten.

Dass die Zeit rund um Schwangerschaft und Geburt auch für andere Erkrankungen eine besondere Rolle spielen kann, zeigt eine aktuelle Studie zum postpartalen Brustkrebs. Forschende untersuchten 385 Frauen mit hormonrezeptor-positivem, HER2-negativem Brustkrebs im Frühstadium und verglichen die Tumoreigenschaften in Abhängigkeit vom Zeitpunkt der letzten Geburt. Dabei wiesen Tumoren, die innerhalb der ersten drei Jahre nach einer Geburt diagnostiziert wurden, häufiger höhere Rezidiv-Scores und aggressivere biologische Merkmale auf als Tumoren bei Frauen ohne vorherige Geburt. Daher plädieren die Forschenden dafür, den postpartalen Status bei jüngeren Brustkrebspatientinnen künftig stärker in die klinische Beurteilung einzubeziehen.

Mehr zu diesen und weiteren Themen finden Sie wie immer in diesem Newsletter und auf unserem Nachrichtenportal BIERMANN MEDIZIN. Ich wünsche Ihnen eine spannende Lektüre!




   Ihre
   Lena Johannes

 

 
 
Neue Ultraschallmethode erleichtert die Messung des Plazentavolumens

Neue Ultraschallmethode erleichtert die Messung des Plazentavolumens

Eine neue 2D-Ultraschallmethode ermöglicht eine schnelle und kostengünstige Abschätzung des Plazentavolumens. Die Ergebnisse stimmen nahezu mit dem bisherigen 3D-Goldstandard überein und könnten die Früherkennung von Risikoschwangerschaften verbessern.

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Schwangerschaft zeigt künftiges kardiometabolisches Risiko auf

Eine Studie zeigt, dass ungünstigere Werte der kardiovaskulären Gesundheit während der Schwangerschaft – auch bei ausbleibenden Komplikationen – mit einem höheren Risiko für kardiometabolische Erkrankungen nach der Entbindung assoziiert sind.

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Brustkrebs innerhalb von drei Jahren nach Geburt aggressiver

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Mit Hilfe eines Genexpressionstests haben US-amerikanische Forschende die ersten drei Jahre nach der Geburt als potenzielles Zeitfenster mit erhöhtem biologischen Risiko für aggressiven Brustkrebs identifiziert.

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Unsere Auswahl: Aktuelles aus internationalen Journals

Zusammenhang zwischen der Gewichtszunahme in der Schwangerschaft und ungünstigen Schwangerschaftsausgängen bei fortgeschrittenem mütterlichem AlterEine retrospektive Kohortenstudie.
BMC Pregnancy Childbirth 20.07.2026

Komplementäre und alternative Therapien zur Behandlung von WechseljahresbeschwerdenEine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse randomisierter kontrollierter Studien.
Arch Gynecol Obstet 20.07.2026

Verringertes Brustkrebsrisiko bei Frauen mit früherer Präeklampsie: Bedeutung der postmenopausalen Hormontherapie.
J Clin Endocrinol Metab 2026:dgag271.

Kann KI „Endo“ sprechen? Eine plattformübergreifende Evaluierung großer Sprachmodelle anhand der ESHRE-Leitlinien zur Endometriose.
Hum Reprod 2026:deag116.

 
 

Aktualisierte Leitlinie zu gestationsbedingten und nicht-gestationsbedingten Trophoblasterkrankungen

Die S2k-Leitlinie „Gestationsbedingte und nicht-gestationsbedingte Trophoblasterkrankungen“ zeigt Diagnostik und Therapiemöglichkeiten von Trophoblasterkrankungen auf. Eingegangen wird hierbei auch auf Sonderfälle, die Patientinnenaufklärung und Immuntherapie.

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Reddit-Beiträge geben Einblicke in stille Symptome der Wechseljahre

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Emotionale und kognitive Beschwerden in den Wechseljahren werden in Online-Foren deutlich häufiger thematisiert als bei Arztbesuchen. Eine Analyse von Reddit-Beiträgen und elektronischen Patientenakten deutet darauf hin, dass wichtige Symptome in der medizinischen Versorgung bislang oft unberücksichtigt bleiben.

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KURZMELDUNGEN:

Rund 40 Prozent der Frauen mit Ovarial­karzinom erhalten die Diagnose erst nach einer Notfalleinweisung ins Krankenhaus.
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Im Rahmen der Regensburger Radlwochen 2026 fand ein Workshop für Hebammen­studierende im Bachelor- und Master­studiengang zum Thema Radfahren in der Schwangerschaft und mit Baby statt.
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Eine Studie zeigt, dass Frauen häufiger mentale Care-Arbeit übernehmen und vor allem die emotionale Dimension dieser Arbeit mit psychischen Belastungen verbunden ist.
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TERMINE:

Niedersächsischer Gynäkologentag
29. August 2026
Hannover

36th World Congress on Ultrasound in Obstetrics and Gynecology
4.–7. September 2026
London (Großbritannien)

22. Sächsischer Gynäkologentag
5. September 2026
Dresden

Grundkurs Gynäkologische Endoskopie
10.–12. September 2026
Dresden

 
 

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