Liebe Leserinnen und Leser,
Kapseln, Smoothies oder andere Zubereitungen aus der Plazenta sorgen immer wieder für Schlagzeilen. Ob dahinter tatsächlich ein gesundheitlicher Nutzen steckt, ist wissenschaftlich jedoch nicht belegt. Weitaus wichtiger ist ihre Funktion während der Schwangerschaft. Frühere Studien haben gezeigt, dass Anomalien – etwa eine zu geringe Größe – mit ungünstigen Schwangerschaftsausgängen verbunden sein können. Dennoch wird die Größe der Plazenta bislang nicht routinemäßig bestimmt, da die Messung des Plazentavolumens mittels 3D-Ultraschall aufwendig ist und nur bei medizinischer Indikation erfolgt. Forschende der Yale University in den USA haben nun eine Methode entwickelt, mit der sich aus Breite, Höhe und Dicke der Plazenta – Werte, die mittels 2D-Ultraschall ermittelt werden können – das Plazentavolumen berechnen lässt. Die Untersuchung dauert etwa 30 Sekunden und kann mit einem handelsüblichen Ultraschallgerät durchgeführt werden. Bei 58 Schwangeren korrelierten die so ermittelten Werte nahezu perfekt mit den Ergebnissen der 3D-Ultraschallmessung. Weitere Studien sollen nun klären, ob sich so Risikoschwangerschaften tatsächlich früher erkennen lassen.
Während die Größe der Plazenta Hinweise auf den Verlauf der Schwangerschaft liefern könnte, scheint die Schwangerschaft selbst Rückschlüsse auf das zukünftige kardiometabolische Risiko zuzulassen. Ein US-amerikanisches Forscherteam entwickelte einen schwangerschaftsspezifischen Score zur Bewertung der kardiovaskulären Gesundheit, der sich am Konzept „Life’s Essential 8“ der American Heart Association orientiert. Berücksichtigt wurden unter anderem BMI, Glukosestoffwechsel, Blutdruck, Rauchen, Ernährung, Bewegung und Schlaf. Die Analyse der Daten von über 1200 Schwangeren zeigte, dass auch Frauen ohne Schwangerschaftsdiabetes oder hypertensive Schwangerschaftserkrankungen bei ungünstigeren Werten früher Bluthochdruck und Stoffwechselerkrankungen entwickelten. Langfristig könnten solche Informationen dazu beitragen, Frauen mit erhöhtem Risiko frühzeitig zu identifizieren und gezielte Präventionsmaßnahmen einzuleiten.
Dass die Zeit rund um Schwangerschaft und Geburt auch für andere Erkrankungen eine besondere Rolle spielen kann, zeigt eine aktuelle Studie zum postpartalen Brustkrebs. Forschende untersuchten 385 Frauen mit hormonrezeptor-positivem, HER2-negativem Brustkrebs im Frühstadium und verglichen die Tumoreigenschaften in Abhängigkeit vom Zeitpunkt der letzten Geburt. Dabei wiesen Tumoren, die innerhalb der ersten drei Jahre nach einer Geburt diagnostiziert wurden, häufiger höhere Rezidiv-Scores und aggressivere biologische Merkmale auf als Tumoren bei Frauen ohne vorherige Geburt. Daher plädieren die Forschenden dafür, den postpartalen Status bei jüngeren Brustkrebspatientinnen künftig stärker in die klinische Beurteilung einzubeziehen.
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