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Liebe Leserinnen und Leser,
Übergewicht kann bekanntermaßen einen negativen Einfluss auf die Fertilität haben. Doch hätten Sie gedacht, dass bereits ein erhöhtes Körpergewicht in der Kindheit die Wahrscheinlichkeit für Kinderlosigkeit im Erwachsenenalter erhöht? Genau das zeigt eine internationale Kohortenstudie mit mehr als 60.000 Frauen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Frauen, die zwischen dem sechsten und fünfzehnten Lebensjahr einen erhöhten Body-Mass-Index (BMI) aufwiesen, später seltener Kinder bekommen als Frauen mit durchschnittlichem Kindheits-BMI. Der Effekt zeigte sich bereits ab Mitte 20, besonders auffällig wurde er in der Altersspanne von 30 bis 34 Jahren: Bei Frauen dieser Altersgruppe, deren BMI in der Kindheit im Bereich der Adipositas lag, war die Wahrscheinlichkeit, ein Kind zu bekommen, um 42 Prozent geringer als bei Frauen mit durchschnittlichem BMI.
Die Autoren leiten daraus ab, dass die reproduktive Gesundheit möglicherweise schon deutlich früher im Leben geprägt wird als bislang angenommen. Die Studie wirft damit auch die Frage auf, ob sich ungünstige Einflüsse auf die reproduktive Gesundheit im späteren Leben noch beeinflussen lassen. Zumindest Hinweise darauf, dass die Behandlung einer Adipositas im Erwachsenenalter die Fertilität verbessern könnte, liefert eine neue internationale Leitlinie zu GLP-1-Medikamenten rund um die Zeit der Schwangerschaft.
Während die Kindheit Aufschluss über die spätere reproduktive Gesundheit geben kann, kann der Verlauf einer Schwangerschaft wiederum Aufschluss über die spätere kardiovaskuläre Gesundheit einer Frau geben. So sind Schwangerschaftskomplikationen wie Präeklampsie bereits als Marker für ein erhöhtes späteres kardiovaskuläres Risiko bekannt. Eine norwegische Kohortenstudie zeigt nun, dass dabei offenbar nicht allein entscheidend ist, ob eine Komplikation auftritt: Auch ihr Zeitpunkt, ihre Häufigkeit und ihre Reihenfolge im Verlauf der reproduktiven Lebensspanne spielen eine Rolle.
Das höchste Risiko hatten Frauen, die nur eine Schwangerschaft erlebten und bei denen diese mit einer Komplikation einherging: Ihr Risiko für einen vorzeitigen kardiovaskulären Tod war 3,3-fach erhöht. Das niedrigste Risiko zeigte sich hingegen bei Frauen, auf deren von Komplikationen geprägte erste Schwangerschaft ausschließlich komplikationslose Schwangerschaften folgten. Die Autoren betonen daher, dass zwei Frauen mit derselben Schwangerschaftskomplikation sehr unterschiedliche langfristige kardiovaskuläre Risiken aufweisen können und die individuelle Schwangerschaftshistorie bei der Risikoeinschätzung berücksichtigt werden sollte.
Mehr zu diesen und weiteren Themen finden Sie wie immer in diesem Newsletter und auf unserem Nachrichtenportal BIERMANN MEDIZIN. Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre!
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