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Liebe Leserinnen und Leser,
im Jahr 2000 postulierten E. Andrew Balas & Suzanne A. Boren, dass es etwa 17 Jahre bräuchte, bis neue Forschungserkenntnisse großflächig in der klinischen Praxis implementiert sind. Bei dieser 17-Jahres-Schätzung handelt es sich um kein Naturgesetz – je nach klinischem Bereich kann die Implementierungsdauer schwanken. So kann es bei manchen Änderungen (z. B. neue Medikamentenklassen mit klaren Endpunkten) zu einem relativ zügigen Einsatz kommen, während andere Interventionen viel länger benötigen oder nur regional zentriert umgesetzt werden. Einen wichtigen Schritt zur Implementierung bildet die Aufnahme in Leitlinien. Doch auch hier gilt: Nicht alles, was niedergeschrieben wurde, findet auch schnell den Weg in die Praxis.
Welche Punkte bei der Implementierung von Hypertonie-Leitlinien hinderlich sind, sollte nun eine Umfrage unter 437 niedergelassenen Hausärztinnen und Hausärzten klären. Ein Großteil der Befragten (67 %) gab an, dass die Leitlinien zu umfangreich seien, jeder Zweite (52 %) findet sie zu praxisfern. Weitere Hürden waren Zeitaufwand, abweichende Empfehlungen zwischen verschiedenen Leitlinien und Unsicherheit über die Gültigkeit (jeweils 46 bis 47 %). Um die Anwendung in der Praxis zu unterstützten, findet die Mehrheit kurze Zusammenfassungen und Pocket-Leitlinien relevant.
Was lernen wir daraus? Die 17 Jahre zwischen Evidenz und Versorgung müssen kein Schicksal bleiben. Wenn Leitlinien nicht nur evidenzbasiert, sondern auch praxistauglich gestaltet werden – beispielsweise mit klar priorisierten Kernaussagen und verständlichen Algorithmen –, könnte der Abstand möglicherweise verkürzt werden. Denn gute Medizin ist nicht nur wissenschaftlich haltbar, sondern auch handhabbar – und entscheidet im Fall der Hypertonie letztlich über vermeidbare kardiovaskuläre Ereignisse.
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Eine informative Lektüre wünscht
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