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Liebe Leserinnen und Leser,
die Sonne brennt, der Großteil von Deutschland befindet sich mittlerweile in den Sommerferien und die Gedanken an den kommenden Herbst mit einer erneut ansteigenden Zahl von Atemwegsinfektionen sind vermutlich noch weit weg. Doch so sicher wie der Wechsel der Jahreszeiten wird auch die allherbstliche Infektionswelle hierzulande die Patienten wieder in die Arztpraxen treiben. Mit ihr einher geht eine gesteigerte kardiovaskuläre Mortalität, wie eine aktuelle Studie für Deutschland bestätigt. Ein Zusammenhang, für den bislang keine endgültige kausale Evidenz vorliegt, der in der Kardiologie aber alles andere als neu ist – und die Forderung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie nach einer verstärkten Impfprävention speziell bei Hochrisikopatienten noch einmal unterstreicht.
Ebenfalls nicht neu ist die Assoziation zwischen einer erhöhten Belastung mit Ultrafeinstaub und vermehrten Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Doch für wie viele zusätzliche Todesfälle weltweit sind die Ultrafeinen Partikel mit einer Größe von weniger als 100 Nanometern tatsächlich verantwortlich? Anhand einer speziellen Kartierungsmethode gelangten internationale Forscher unter Beteiligung von Wissenschaftlern aus Mainz nun zu der beachtlichen Zahl von knapp zwei Millionen Toten jährlich – etwa die Hälfte davon geht ihren Erkenntnissen zufolge auf kardiovaskuläre Erkrankungen zurück. Ein Grenzwert von 5000 Partikeln pro Kubikzentimeter im Jahresmittel könnte die weltweite Übersterblichkeit durch Ultrafeinstaub um etwa 45 Prozent senken, wie die Forscher berechneten. Da Ultrafeine Partikel – anders als Feinstaub mit einer Partikelgröße von maximal 2,5 Mikrometer – in der EU bislang nicht reguliert sind, liefert die aktuelle Studie ein wichtiges Argument für die Festlegung verbindlicher Grenzwerte und der routinemäßigen Überwachung von Ultrafeinstaub.
Während sich sowohl die Exposition gegenüber Erregern von Atemwegsinfekten als auch von Ultrafeinstaub für den Einzelnen kaum umgehen lassen, gibt es einen weiteren Faktor, der mindestens ebenso gefährlich für die Herz-Kreislauf-Gesundheit ist, aber durchaus vermeidbar: das Rauchen. Vapen wird in diesem Zusammenhang zwar als die vermeintlich gesündere Variante gehandelt, doch im Vergleich zum kompletten Rauchverzicht hat auch der Konsum von E-Zigaretten negative körperliche Folgen, sogar bei fitten jungen und gesunden Menschen, wie eine Studie aus Großbritannien jüngst aufzeigte. Nach Ansicht von Experten ist daher das „Vapen ohne Hintergrund der Tabakentwöhnung immer schwerer zu rechtfertigen“.
Ob Atemwegsinfektionen, Ultrafeinstaub oder der Konsum von Tabak- und E-Zigaretten: Die genannten Studien verdeutlichen einmal mehr das Potential von Prävention für die kardiovaskuläre Gesundheit. Während einige präventive Maßnahmen individuell adressierbar sind (Impfen, Rauchverzicht), bedarf es für einen nachhaltigen Effekt auch politischer Maßnahmen (z.B. mehr Geld für Aufklärungskampagnen, Grenzwerte für Luftschadstoffe). Nach Plänen von Gesundheitsministerin Nina Warken sollen präventive Angebote zwar ausgebaut werden, laut bisherigen Erkenntnissen beschränkt sich dies aber auf zusätzliche Untersuchungen im Kindes- und Jugendalter sowie auf einen zusätzlichen Gesundheitscheck bei über 60-Jährigen. Ein konkreter Ansatz zeichnet sich zumindest bei der Tabaksteuer ab: So plant die Bundesregierung, die Tabaksteuer in den nächsten Jahren deutlich anzuheben.
Eine gute Restwoche wünscht
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