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Liebe Leserinnen und Leser,
das frühe Kindesalter ist eine Phase rasanter Entwicklung – und daher auch eine Zeit besonderer Vulnerabilität, wie verschiedene aktuelle Studien zeigen. So deutet eine Studie aus den USA darauf hin, dass neben falscher Ernährung und wenig körperlicher Aktivität auch elterlicher Stress zu kindlichem Übergewicht beitragen kann. Halfen die Forschenden den Eltern, besser mit Stress umzugehen, reduzierte dies das Adipositasrisiko bei Vorschulkindern. In den Familien mit besserem Stressmanagement kam nicht nur gesünderes Essen auf den Tisch, sondern es verbesserte sich auch der Erziehungsstil.
Neben psychosozialen Faktoren wirken im Kindesalter aber offenbar auch spezielle biologische Mechanismen. Einen solchen identifizierten Forschende am Mausmodell für das Atopische Ekzem und liefern damit die Erklärung dafür, warum die Hauterkrankung oft schon im Säuglingsalter beginnt. In der Haut junger Tiere fanden die Wissenschaftler besonders reaktive dendritische Zellen, die auf Allergene deutlich stärker reagierten als im Erwachsenenalter. Offenbar existiert ein kurzes Zeitfenster nach der Geburt, in dem das kutane Immunsystem besonders empfindlich ist.
Auch aus der translationalen Forschung kommen spannende Ansätze: Ein japanisches Team berichtet über Stammzellen aus der Pulpa ausgefallener Milchzähne als potenzielle Therapie bei Zerebralparese. In einem Rattenmodell verbesserten intravenös verabreichte Zellen selbst in der chronischen Phase motorische und kognitive Funktionen. Noch handelt es sich um präklinische Daten – doch erste klinische Sicherheitsstudien laufen bereits. Ein möglicher therapeutischer Durchbruch zeichnet sich auch beim Dravet-Syndrom ab. Das Antisense-Oligonukleotid Zorevunersen, das auf das krankheitsverursachende SCN1A-Gen abzielt, konnte in Phase-I/II-Studien die Anfallshäufigkeit bei betroffenen Kindern um bis zu 91 Prozent reduzieren. Die Behandlung erwies sich als gut verträglich. Derzeit wird der Wirkstoff in einer Phase-III-Studie weiter geprüft. Für eine Erkrankung, deren Therapieoptionen bislang begrenzt sind, wäre dies ein bedeutender Fortschritt.
Doch nicht jede neue Therapie sollte schnell in die breite Anwendung gelangen. Ein Beispiel dafür ist die derzeit vor allem in Asien eingesetzte Rotlicht-Lasertherapie zur Verlangsamung der Myopieprogression bei Kindern. Obwohl Studien eine bremsende Wirkung auf das Augenwachstum nahelegen, berichten Fachleute inzwischen auch über mögliche Netzhautschäden.
Damit erinnern die aktuellen Forschungsergebnisse wieder einmal daran, dass Kinder keine kleinen Erwachsenen sind – weder biologisch noch in ihrer Versorgung.
Eine aufschlussreiche Lektüre und ein schönes Wochenende wünscht Ihnen
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