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Liebe Leserinnen und Leser des Kompakt Onkologie,
gleich zwei interessante Meldungen kommen diese Woche aus Wien: So haben Wiener Wissenschaftler das genetisch modifizierte Herpes-simplex-Virus Talimogene Laherparepvec (TVEC) – bisher zugelassen für die Behandlung oberflächlicher Melanom-Metastasen – erfolgreich beim Basaliom getestet. In ihre Studie eingeschlossen hatten sie 18 Patienten, die aufgrund der Größe und Lokalisation ihres Basalioms eine Lappenplastik oder ein Hauttransplantat benötigt hätten. Die Tumoren wurden kleiner, bei einigen waren sogar keine lebenden Tumorzellen mehr nachweisbar.
Die zweite Nachricht aus Wien beschäftigt sich mit einem kombinierten Immuntherapie-Ansatz, der in Mausmodellen für Melanome und Brustkrebs erfolgreich war. Dabei bestand die Kombination aus der systemischen Gabe von Interferon (IFN)-I und einer lokalen Imiquimod-Therapie. Wirkung zeigte sich nicht nur auf die Primärtumoren – auch die Bildung neuer Metastasen sowie Rezidive wurden reduziert und die Empfindlichkeit von Melanomen für Checkpoint-Inhibitoren erhöht.
Bei Erwachsenen haben Immuntherapien schon oft Wirkung gezeigt, bei Kindern laufen sie hingegen oft ins Leere. Ein schwedisches Team untersuchte, wie das Immunsystem bei krebskranken Kindern aktiviert und reguliert wird und welche Faktoren ihre Immunreaktionen beeinflussen. Laut Prof. Petter Brodin wird mit der Charakterisierung des Immunsystems eine völlig neue Dimension in die Präzisionsmedizin eingeführt. Dieser aktuellen Studie zufolge sind Tumore von Kindern im Allgemeinen weniger entzündlich und weisen weniger Mutationen auf – für das Immunsystem sehen sie daher vermutlich weniger fremd aus und werden nicht so heftig angegriffen. Eine fehlende Aktivierung führt dann auch dazu, dass Immuncheckpoint-Inhibitoren nicht wirken.
Warum Sorafenib eine Kachexie auslösen kann, konnten Wissenschaftler aus Hannover jetzt zeigen: Der Wirkstoff greift bei muskelspezifischen Genen in die epigenetische Regulation ein, was zu einer gestörten Ausbildung der Skelettmuskelfasern führt. Zudem wirkt sich Sorafenib nachteilig auf die Funktion der Mitochondrien in den Muskeln aus. Hingegen zeigten die zur gleichen Klasse zählenden Medikamente Nilotinib und Imatinib keinen vergleichbaren Effekt auf die Muskulatur.
Digoxin wird bislang bekanntlich in der Kardiologie eingesetzt. Eine Schweizer Arbeit in „Nature Medicine“ belegt jetzt, dass der Wirkstoff Cluster zirkulierender Tumorzellen teilweise auflösen und so die Bildung neuer Metastasen reduzieren kann. Bei neun Frauen mit metastasiertem Brustkrebs ging die Zahl der Zellen pro Cluster nach einer Woche Digoxin signifikant im Durchschnitt um 2,2 Zellen zurück. Nun arbeiten die Wissenschaftler an Wirkstoffen, die die Cluster noch besser auflösen.
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