MedUni Wien: Neuer kombinierter Immuntherapie-Ansatz bei Melanom und Brustkrebs23. Januar 2025 Foto: © HNFOTO/stock.adobe.com Ein Forschungsteam der Medizinischen Universität Wien hat in einer Studie eine neue Kombinationstherapie gegen Krebs untersucht. In den vergangenen Jahren verzeichneten Immuntherapien bei der Behandlung einer großen Bandbreite von Krebserkrankungen bedeutenden Erfolge. Bei manchen Betroffenen zeigen diese Wirkstoffe jedoch nach wie vor keine ausreichende Wirksamkeit. Im Rahmen einer präklinischen Studie, die in der Fachzeitschrift „Nature Cancer“ veröffentlicht wurde, untersuchte Maria Sibilia, Leiterin des Zentrums für Krebsforschung der Medizinischen Universität Wien, die Auswirkungen einer Kombinations-Immuntherapie, bestehend aus einer systemischen Gabe des Gewebehormons Interferon (IFN)-I und einer lokalen Imiquimod-Therapie. Imiquimod ist ein Wirkstoff, der die angeborenen Rezeptoren TLR7 und 8 aktiviert und zur Behandlung des Basalioms eingesetzt wird. Die neue Kombinationstherapie wurde an verschiedenen präklinischen Maus-Tumormodellen zu Melanomen und Brustkrebs erfolgreich angewandt. Beiden Tumoren gemeinsam ist, dass sie für eine lokale Therapie zugänglich sind und häufig Fernmetastasen bilden. Wirksam bei lokalen Tumoren und Fernmetastasen Immuntherapien nutzen das körpereigene Immunsystem dazu, Krebszellen zu bekämpfen. Eine wichtige Rolle spielen dabei plasmazytoide dendritische Zellen, die durch spezielle Rezeptoren (TLR7/8) aktiviert werden. In der Studie zeigte sich, dass oral eingenommenes Imiquimod diese Zellen dazu anregt, das Gewebehormon IFN-I zu produzieren. Dies verstärkte die Wirkung von Imiquimod und machte andere dendritische Zellen und Makrophagen in der Tumorumgebung empfindlicher für die Therapie. Dadurch konnte die Neubildung von Blutgefäßen im Tumor gehemmt und das Absterben von Tumorzellen ausgelöst werden. Die Kombinations-Immuntherapie wirkte nicht nur auf die behandelten Tumoren, sondern auch auf entfernte Metastasen. Sie reduzierte die Bildung neuer Metastasen und Rückfälle und erhöhte die Empfindlichkeit von Melanomen für Checkpoint-Inhibitoren. „Diese Erkenntnisse verdeutlichen, dass die Kombination einer systemischen Behandlung mit Imiquimod bzw. IFN-I und einer lokalen Therapie mit Imiquimod das Potenzial hat, bei lokal zugänglichen Tumoren wie Melanomen oder Brustkrebs die Behandlungsoptionen zu erweitern und Therapieergebnisse zu verbessern“, betont Sibilia. „Die topische/oberflächliche Behandlung des Primärtumors mit Imiquimod ist essentiell, damit diese Kombinationstherapie mit systemischem IFN-I überhaupt wirkt und auch die entfernten Metastasen zum Schrumpfen bringt“, fügt Philipp Novoszel, MedUni Wien, einer der Erstautoren der Studie, hinzu. Die Ergebnisse deuten laut den Forschern darauf hin, dass diese Therapie-Strategie das Potenzial hat, die Behandlungsergebnisse bei oberflächlichen und damit lokal zugänglichen Tumoren wie Melanome und Brustkrebs zu verbessern – einerseits durch ein Therapie-assoziiertes Absterben der Krebszellen an den lokal behandelten Tumoren, andererseits aber auch durch die Induktion einer durch T-Zellen induzierte Anti-Tumor Immunantwort an entfernten Metastasen, die durch Checkpoint-Inhibitoren verstärkt wird. Weitere Forschungen geplant „Unser Ziel ist es, Immuntherapie-Strategien weiter zu erforschen und weiterzuentwickeln, um die Perspektive für Patient:innen, die derzeit noch kein gutes Ansprechen auf diese Wirkstoffe zeigen, langfristig zu verbessern“, so Sibilia, die auch stellvertretende Leiterin des Comprehensive Cancer Centers von MedUni Wien und AKH Wien ist. „Da systemisches Interferon eine bekannte Krebstherapie ist und dendritische Zellen auf ähnliche Weise wie in unseren präklinischen Modellen aktiviert werden, glauben wir, dass die neue Kombinationstherapie bei Patienten eine Wirkung zeigen kann“, ergänzt Martina Sanlorenzo, Dermato-Onkologin an der MedUni Wien und Ko-Erstautorin der Studie.
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