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Liebe Leserinnen und Leser,
verschiedene Beobachtungsstudien deuten an, dass Personen mit einem Vitamin-D-Mangel ein höheres Risiko für stärkere Schmerzen nach einer Operation und damit einhergehend einen höheren Analgetikagebrauch haben. Auch eine kürzlich in der Fachzeitschrift „Regional Anesthesia & Pain Medicine“ publizierte Beobachtungsstudie zeigt einen solchen Zusammenhang bei Brustkrebspatientinnen mit ausgeprägtem Vitamin-D-Mangel (Werte unter 30 nmol/l), bei denen eine einseitige radikale Mastektomie vorgenommen wurde. Im Vergleich zu Patientinnen mit einem ausreichenden Vitamin-D-Spiegel berichteten diese postoperativ über stärkere Schmerzen und benötigten höhere Dosen des Opioids Tramadol.
Die Studie stärkt zwar die Evidenz für einen Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Mangel und stärkeren postoperativen Schmerzen. Wie auch die Beobachtungsstudien zuvor kann sie einen direkten kausalen Zusammenhang jedoch nicht belegen. Gleichwohl existieren mehrere biologisch plausible Mechanismen, die einen solchen Zusammenhang erklären könnten. Dazu gehören die Beeinflussung von Entzündungsreaktionen nach Gewebeschädigung, die Modulation von Immunzellen und Zytokinen, Auswirkungen auf den Muskel- und Knochenstoffwechsel sowie Veränderungen der Schmerzverarbeitung im peripheren und zentralen Nervensystem bei Vitamin-D-Mangel.
Ferner bleibt offen, ob eine präoperative Vitamin-D-Supplementierung – unabhängig von den sonstigen Vorteilen einer Mangelbehebung – postoperative Schmerzen tatsächlich begrenzen kann. Die aktuell verfügbare Literatur erlaubt bislang keine belastbare Aussage über den Nutzen eines solchen Vorgehens. Zur Linderung chronischer Schmerzen konnte für die Vitamin-D-Supplementierung bisher jedenfalls kein konsistenter Nutzen nachgewiesen werden. Somit kann die präoperative Beurteilung des Vitamin-D-Spiegels in der klinischen Praxis derzeit eher als zusätzlicher Risikomarker für erhöhte postoperative Schmerzwerte betrachtet werden.
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