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Liebe Leserinnen und Leser,
während viele von uns in diesen Sommerwochen von Sonne und dem weiten Meer träumen, verbirgt sich in den Tiefen der Ozeane eine faszinierende, wenn auch gefährliche Welt. Besonders die Kegelschnecken haben es der medizinischen Forschung angetan. Was für Beutetiere ein tödliches Gift ist, dient in der Schmerztherapie bereits seit Jahren als hochspezialisiertes Werkzeug.
Ein prominentes Beispiel ist der Wirkstoff Ziconotid, das synthetische Äquivalent eines Conotoxins der Meeresschnecke Conus magus. Seit 2006 ist es in Deutschland für die Behandlung schwerer chronischer Schmerzen zugelassen. Da es jedoch intrathekal über eine Mikroinfusionspumpe direkt in den Spinalraum appliziert werden muss, bleibt sein Einsatz auf hochspezialisierte Indikationen beschränkt.
Umso spannender ist eine aktuelle Entdeckung: Ein internationales Forschungsteam hat mit AoIA ein neues Peptid aus dem Gift der Kegelschnecke Conus araneosus identifiziert. Das Besondere an diesem Wirkstoff ist seine hohe Selektivität für den Noradrenalin-Transporter. Im Gegensatz zu bisherigen Conotoxinen entfaltet AoIA seine schmerzlindernde Wirkung bereits nach einer subkutanen Injektion. Damit könnte in Zukunft eine deutlich schonendere und einfachere Anwendungsoption für eine nicht opioide Schmerztherapie zur Verfügung stehen.
Doch nicht nur in der Pharmakologie, auch im klinischen Alltag gibt es wichtige neue Erkenntnisse – etwa zum Phänomen der Rebound-Schmerzen. Viele Patienten berichten nach dem Abklingen einer peripheren Nervenblockade über Schmerzspitzen, die über den normalen Wundschmerz hinausgehen. Eine experimentelle Studie der Harvard Medical School gibt nun Entwarnung: Mittels quantitativer sensorischer Tests konnte gesunden Probanden keine Hypersensitivität nachgewiesen werden, die durch die Blockade selbst verursacht wurde. Damit scheint der Rebound-Schmerz eher das natürliche Wiederauftreten der operativen Beschwerden widerzuspiegeln. Für die Schmerztherapie bedeutet das: Eine realistische Patientenaufklärung und eine gut abgestimmte multimodale Anästhesie sind entscheidend, um den Übergang nach der Regionalanästhesie abzufedern.
Neben diesen Themen blicken wir im heutigen Newsletter auch auf personalisierte Ansätze zur Opioidreduktion, Mechanismen der Temperaturwahrnehmung der Haut sowie auf Auswirkungen der Cannabis-Teillegalisierung auf die Krankenhausaufnahmen in Deutschland.
Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre – vielleicht ja sogar unter einem Sonnenschirm am Meer. Nach einer kurzen Sommerpause erhalten Sie den nächsten Newsletter mit Themen aus der Anästhesie und Intensivmedizin am 17. August sowie den nächsten Newsletter zur Schmerztherapie am 24 August.
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