Ausgabe 31/2026

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Montag, 27. Juli 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

während viele von uns in diesen Sommerwochen von Sonne und dem weiten Meer träumen, verbirgt sich in den Tiefen der Ozeane eine faszinierende, wenn auch gefährliche Welt. Besonders die Kegelschnecken haben es der medizinischen Forschung angetan. Was für Beutetiere ein tödliches Gift ist, dient in der Schmerztherapie bereits seit Jahren als hochspezialisiertes Werkzeug.

Ein prominentes Beispiel ist der Wirkstoff Ziconotid, das synthetische Äquivalent eines Conotoxins der Meeresschnecke Conus magus. Seit 2006 ist es in Deutschland für die Behandlung schwerer chronischer Schmerzen zugelassen. Da es jedoch intrathekal über eine Mikroinfusionspumpe direkt in den Spinalraum appliziert werden muss, bleibt sein Einsatz auf hochspezialisierte Indikationen beschränkt.

Umso spannender ist eine aktuelle Entdeckung: Ein internationales Forschungsteam hat mit AoIA ein neues Peptid aus dem Gift der Kegelschnecke Conus araneosus identifiziert. Das Besondere an diesem Wirkstoff ist seine hohe Selektivität für den Noradrenalin-Transporter. Im Gegensatz zu bisherigen Conotoxinen entfaltet AoIA seine schmerzlindernde Wirkung bereits nach einer subkutanen Injektion. Damit könnte in Zukunft eine deutlich schonendere und einfachere Anwendungsoption für eine nicht opioide Schmerztherapie zur Verfügung stehen.

Doch nicht nur in der Pharmakologie, auch im klinischen Alltag gibt es wichtige neue Erkenntnisse – etwa zum Phänomen der Rebound-Schmerzen. Viele Patienten berichten nach dem Abklingen einer peripheren Nervenblockade über Schmerzspitzen, die über den normalen Wundschmerz hinausgehen. Eine experimentelle Studie der Harvard Medical School gibt nun Entwarnung: Mittels quantitativer sensorischer Tests konnte gesunden Probanden keine Hypersensitivität nachgewiesen werden, die durch die Blockade selbst verursacht wurde. Damit scheint der Rebound-Schmerz eher das natürliche Wiederauftreten der operativen Beschwerden widerzuspiegeln. Für die Schmerztherapie bedeutet das: Eine realistische Patientenaufklärung und eine gut abgestimmte multimodale Anästhesie sind entscheidend, um den Übergang nach der Regionalanästhesie abzufedern.

Neben diesen Themen blicken wir im heutigen Newsletter auch auf personalisierte Ansätze zur Opioidreduktion, Mechanismen der Temperaturwahrnehmung der Haut sowie auf Auswirkungen der Cannabis-Teillegalisierung auf die Krankenhausaufnahmen in Deutschland.

Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre – vielleicht ja sogar unter einem Sonnenschirm am Meer. Nach einer kurzen Sommerpause erhalten Sie den nächsten Newsletter mit Themen aus der Anästhesie und Intensivmedizin am 17. August sowie den nächsten Newsletter zur Schmerztherapie am 24 August.




   Ihre
   Dr. Aileen Hochhäuser

 

 
 
Kegelschneckengift: Neues schmerzstillendes Peptid für die subkutane Anwendung identifiziert

Kegelschneckengift: Neues schmerzstillendes Peptid für die subkutane Anwendung identifiziert

Ein internationales Forschungsteam hat das Peptid AoIA aus dem Gift einer Kegelschnecke untersucht. In einem Tiermodell verringerte es nach subkutaner Injektion entzündungsbedingte Schmerzen deutlich. Damit könnte es eine schonendere Anwendungsoption zu bisherigen Conotoxinen darstellen.

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Experimentelle Studie zu Rebound-Schmerzen: Keine Hinweise auf Hypersensitivität nach Nervenblockade

Rebound-Schmerzen sind ein bekanntes Phänomen nach einem chirurgischen Eingriff unter einer peripheren Nervenblockade. Die Ergebnisse einer aktuellen Studie sprechen gegen die Vermutung, dass der Rebound-Schmerz auf eine Hypersensitivität durch die Nervenblockade selbst zurückzuführen ist.

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Chronische Schmerzen: Wie die Opioidreduktion gelingen kann

Chronische Schmerzen: Wie die Opioidreduktion gelingen kann

Bei chronischen nichttumorbedingten Schmerzen sollten Opioide nur als zeitlich begrenzter Therapieversuch mit regelmäßiger Nutzen-Risiko-Kontrolle eingesetzt werden. Wie das Ausschleichen von Opioiden erfolgreich gelingen kann, zeigt eine randomisierte US-Studie.

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Unsere Auswahl: Aktuelles aus internationalen Journals

Einblicke in den Cannabiskonsum bei Krebsüberlebenden und Fachkräften in der Krebsversorgung: Parallele Umfragen.
J Cancer Educ 20.06.2026

Wirksamkeit verschiedener Virtual-Reality-Expositionstherapien bei chronischen Schmerzen im unteren Rückenbereich: Systematische Übersichtsarbeit und Netzwerk-Metaanalyse.
J Med Internet Res 2026:28:e90289.

Wahrnehmung des Wohnumfelds und multidimensionale Schmerzbelastung bei Erwachsenen in den USA.
Front Public Health 2026 Jul 8:14:1844301.

 
 

Wie die Haut warm und kalt unterscheidet

Nur eine Gruppe von Thermorezeptoren der Haut nimmt sowohl Kälte als auch Wärme wahr. Das berichtet ein Team vom Max Delbrück Center in ​„Neuron“. Die Studie stellt frühere Annahmen zum Temperaturempfinden in Frage und könnte helfen, Störungen dieses sensorischen Systems besser zu verstehen und zu behandeln.

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Nach Teillegalisierung: Mehr cannabisbedingte Krankenhausaufenthalte

Nach Teillegalisierung: Mehr cannabisbedingte Krankenhausaufenthalte

Die Zahl cannabisbedingter Krankenhausbehandlungen nahm direkt nach Inkrafttreten des Cannabisgesetzes in 2024 zu, stabilisierte sich aber innerhalb eines Jahres. Experten führen das auch auf die leichtere Verfügbarkeit von hochpotentem Medizinalcannabis zurück.

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KURZMELDUNGEN:

In Frankreich ist künftig Sterbehilfe für schwer kranke Menschen nach streng festgelegten Regeln erlaubt.
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Der seit Jahren anhaltende Aufwärtstrend in der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung setzte sich auch 2025 unvermindert fort.
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COVID-19 löst bei einigen Patienten eine Hyperinflammation aus. Forscher haben nun einen Mechanismus beschrieben, der dafür verantwortlich sein könnte.
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29. August 2026
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3. Jenaer Neurologie Symposium
5. September 2026
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43rd European Society of Regional Anaesthesia & Pain Therapy Annual Congress
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Lissabon, Portugal

 
 

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