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Lieber Leserinnen und Leser des Kompakt Urologie,
„bad news is good news” lautet ein abgenutzter Journalistenspruch, der gerade in Zeiten weltweiter Krisen und zunehmender Empörungskultur zweifelhaft geworden ist. Doch die „schlechte Nachricht für Gonokokken“, wie es der Zellbiologe Prof. Christof Hauck von der Universität Konstanz ausdrückt, ist in diesem Fall wirklich eine gute Nachricht: Es gibt ein neues Antibiotikum gegen den Gonorrhö-Erreger Neisseria gonorrhoeae, der in einer aktuell in „The Lancet“ publizierten Phase-III-Studie erfolgreich gegenüber der bisherigen Standardtherapie bestanden hat. Urologen dürfte die Substanz schon bekannt sein: Es handelt sich um Gepotidacin, das sich bereits bei unkomplizierten Harnwegsinfektionen – ebenfalls in „The Lancet“ – erfolgreich gezeigt hat. Derzeit hilft das Antibiotikum auch gegen anderweitig resistente Tripper-Erreger, aber wie lange das so bleibt, ist fraglich. Der gleiche Experte, der die gute schlechte Nachricht verkündet, spricht lediglich von einer „Verschnaufpause“ …
Noch mehr schlechte Gonokokken-News: Auch eine Impfung gegen Gonorrhö wird sichtbar am Horizont: Für eine Meningokokken-B-Vakzine ließ sich eine Kreuzprotektion vor Gonorrhö nachweisen. Die Deutsche STI Gesellschaft spricht sich dafür aus, Menschen mit einem sehr aktiven Sexualleben, mit kondomlosen Sexualkontakten und wechselnden Partnern diese Impfung als zusätzliche Präventionsmaßnahme anzubieten.
„Good news“ ist sicherlich die Aktualisierung der S3-Leitlinie zum Harnblasenkarzinom. Die Neuerungen betreffen alle Bereiche von der Diagnostik über die Therapie bis hin zu Rehabilitation, Lebensqualität, Palliativmedizin und Nachsorge. „Fake News“ sind hoffentlich nicht die im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD angestrebten Verbesserungen in der ambulanten Versorgung. Bleibt zu hoffen, dass sich die Absicht auch in gute Nachrichten ummünzen lassen wird.
Eine instruktive Lektüre und eine gute Woche wünscht Ihnen
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