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Liebe Leserinnen und Leser,
beim 36. Kontinenz Kongress vom 14.-15.11.2025 in Bielefeld hat die Deutsche Kontinenz Gesellschaft ihre Forderung nach einer nationalen Inkontinenzstrategie mit einem Positionspapier direkt an die Politik gerichtet. Darin unterbreitet sie neun Handlungsempfehlungen, welche die Versorgung der Patienten erhalten und verbessern sollen.
Der Leidensdruck der Patienten, die teilweise gar nicht mehr am öffentlichen Leben teilnehmen können, ist erheblich, wie die Kontinenz Gesellschaft immer wieder betont. Als Beispiel sei hier eine Studie aus dem „International Urogynecology Journal“ angeführt: Demnach korreliert ein höherer Inkontinenzgrad bei älteren Frauen mit einem höheren Maß an Hoffnungslosigkeit und Depression.
Inkontinenz und funktionelle Blasenbeschwerden müssen aber nicht immer organische Ursachen haben. Sie können auch eine Folge seelischer Traumatisierung, insbesondere durch sexualisierte Gewalt sein. Hier ist bei den behandelnden Personen besonderes Einfühlungsvermögen gefragt.
Inkontinenz kann in jedem Alter ein Problem darstellen, doch in höherem Alter tritt sie deutlich häufiger auf. Die Behandlung sehr alter Menschen hat der Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Prof. Hendrik Streeck (CDU), jetzt zur Debatte gestellt. Damit hat der Virologe viel Widerspruch hervorgerufen. Ungeschickt war es von ihm, die Diskussion mit teuren Medikamenten anzufangen, anstatt vorrangig die Frage zu stellen, ob es im Sinne des „Primum nil nocere“ ethisch vertretbar ist, sehr alte Patienten belastenden Therapien zu unterziehen. Die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie verwahrt sich gegen Altersdiskriminierung und verweist auf ein Werkzeug, das hilft, die richtige Entscheidung zu treffen: das geriatrische Assessment.
Viel Spaß beim Lesen und eine gute Woche wünscht Ihnen
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