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Liebe Leserinnen und Leser des Kompakt Urologie,
die Diagnostik urologischer Erkrankungen macht Fortschritte, ebenso gibt es neue Möglichkeiten, den Therapieverlauf zu prognostizieren. Für die Früherkennung von Prostatakrebs hat sich gerade erst (endlich) eine Kombination aus risikoadaptierter PSA-Bestimmung und MRT in den Leitlinien durchgesetzt, da meldet sich schon wieder ein „new kid on the block“: Laut einer Studie im renommierten „New England Journal of Medicine“ soll ein polygener Risiko-Score mehr klinisch signifikante Prostatakarzinome entdeckt haben als PSA + MRT. Ob sich dieser Score durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Schließlich hat es in der Vergangenheit schon eine Reihe solcher Scores gegeben, die dann wieder vergessen wurden. Zudem wäre mit hohen Kosten zu rechnen, wenn im Rahmen der Primärversorgung, aus der die Studienteilnehmer stammten, ein polygener Risiko-Score an die Stelle des PSA-Tests treten sollte.
In einem anderen Bereich der Urologie könnte eine aufwendige Diagnostik möglicherweise bald der Vergangenheit angehören, die derzeit noch in vielen Leitlinien als obligater Teil der Abklärung empfohlen wird: die Urodynamik bei Frauen mit refraktären Symptomen einer überaktiven Blase. Jedenfalls zeigt eine höchstkarätig in „The Lancet“ publizierte Studie, dass die Urodynamik zusätzlich zu einer umfassenden klinischen Beurteilung keine Verbesserung brachte. Unter der Überschrift „Nil nocere!“ kommentiert Kompakt-Urologie-Herausgeber Prof. Michael Stöckle: „Im Prinzip entspricht das auch meiner Lebenserfahrung, dass die überwiegende Mehrzahl urodynamischer Untersuchungen konsequenzlos bleibt.“ Schädlich könne eine urodynamische Untersuchung sogar sein, wenn dadurch Männern mit Benigner Prostatahyperplasie und hohen Restharnmengen eine Operation vorenthalten würde, so Stöckle in der aktuellen Print-Ausgabe von Kompakt Urologie.
Viel Spaß beim Lesen und eine schöne Woche wünscht Ihnen
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