Ausgabe 09/2026

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Montag, 23. Februar 2026

Liebe Leserin, lieber Leser,

in unserem besonderen Schwerpunkt-Newsletter geht es dieses Mal um Demenzerkrankungen und Multiple Sklerose.

Wir wünschen Ihnen eine aufschlussreiche Lektüre und freuen uns über Ihr Feedback unter [email protected].

Ihre Redaktion von Biermann Medizin

 

Heutige Schwerpunkte: Demenz und Multiple Sklerose

Die Präzisionsneurologie rückt mit großen Schritten näher. Deutlich wird dies in der Vielzahl jüngst publizierter Biomarkerstudien, von denen wir Ihnen in diesem Newsletter eine spannende Auswahl präsentieren.

Vor allem in der Demenzdiagnostik haben sich blutbasierte Biomarker in kürzester Zeit vom Zielobjekt der Grundlagenforschung zum klinisch relevanten Werkzeug entwickelt. Ihr Vorteil: Sie können wenig invasiv gewonnen werden und den Zeitpunkt der Diagnose immer weiter in die präsymptomatische Phase verschieben. So zeigen neue Verlaufsmodelle, dass das Verhältnis Amyloid beta(Aβ)42/Aβ40 im Plasma bereits bei minimaler Amyloidlast auffällig wird und damit potenziell ein Screening sehr früher Krankheitsstadien ermöglicht.

Ergänzend rückt Beta-Synuclein als Marker synaptischer Schädigung in den Fokus: Der Marker scheint nicht nur bereits bei leichten kognitiven Einschränkungen mit hoher Sicherheit Auskunft darüber geben zu können, ob sich dahinter eine Alzheimer-Pathologie verbirgt. Eine aktuelle Studie zeigt darüber hinaus einen konsistenten Zusammenhang des Biomarkers mit kognitivem Abbau und Demenzprogression. Damit entsteht zunehmend ein mehrdimensionales Blut-Biomarker-Panel zur Früherkennung, Verlaufskontrolle und Prognoseerstellung.

Parallel dazu schreitet die Differenzialdiagnostik neurodegenerativer Erkrankungen voran. Neue Peptidmarker aus dem proVGF-System könnten helfen, Alzheimer- von Lewy-Körperchen-Demenz zuverlässiger zu unterscheiden – ein wichtiger Schritt angesichts überlappender Symptomprofile. Damit weicht die Ära der „Einheitsdiagnose Demenz“ zunehmend einer biochemisch fundierten Subtypisierung.

In der Neuroimmunologie zeigt sich ein ähnliches Bild. Auch bei Multipler Sklerose (MS) stützen sich Diagnose und Prognose zunehmend auf Biomarker – allerdings differenziert nach Verlaufsform und Erstmanifestation. GFAP und NfL liefern je nach Subtyp unterschiedliche prognostische Signale, während der Kappa-freie Leichtkettenindex zusätzlich hilft, MS von MOGAD und NMOSD abzugrenzen. Insgesamt verdichtet sich damit eine zentrale Entwicklung: Liquor- und Blutmarker entwickeln sich von diagnostischen Ergänzungen zu tragenden Säulen der personalisierten Neurologie – mit unmittelbaren Konsequenzen für Studienplanung, Therapieentscheidungen und langfristig auch für Screeningstrategien.

 

Neueste Studien zum Thema:

 
 

Alzheimer-Demenz: Plasma-Aβ42/Aβ40 wird bereits bei sehr geringer Amyloidlast auffällig

Der Blutbiomarker Amyloid-beta(Aβ)42/Aβ40 wird im Krankheitsverlauf der Alzheimer-Demenz bereits sehr früh auffällig. Er könnte sich daher für die Identifizierung von Personen mit sehr geringer Amyloid-Last eignen, wie ein internationales Forscherteam in den „Annals of Neurology“ berichtet.

Milà-Alomà M et al. Timing of Changes in Alzheimer‘s Disease Plasma Biomarkers as Assessed by Amyloid and Tau PET Clocks. Ann Neurol 2025;98(3):508–523.

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Krankheitsverlauf verlangsamen, länger
selbstständig bleiben

„Sie haben die Alzheimer-Krankheit“ – diese Diagnose löst bei Betroffenen oft viele Ängste und Sorgen aus. Gleichzeitig kann sie aber auch den Zugang zu neuen Therapieformen eröffnen. Was erhoffen sich Patient:innen und ihre Angehörigen von einer Alzheimer-Therapie und welche Perspektiven kann die Anti-Amyloid-Therapie Kisunla®1 geeigneten Patient:innen aufzeigen?

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Beta-Synuclein: Dynamischer Indikator für den Alzheimerverlauf und das kognitive Risiko

Das präsynaptische Phosphoprotein Beta-Synuclein (β-Syn) gilt als neuer Blutbiomarker zum Nachweis synaptischer Schäden bei Alzheimer (AD). Seine Rolle im Frühstadium von AD sowie bei anderen Demenzerkrankungen war bislang jedoch unklar.

Barba L et al. Serum level changes of the synaptic marker beta-synuclein in Alzheimer’s disease continuum and other dementias. J Neurol Neurosurg Psychiatry 2025;96(12):1144–1153.
Kong N et al. Elevated serum β-synuclein predicts cognitive decline and progression to dementia. J Neurol Neurosurg Psychiatry 2025;96(12):1154–1161.

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Entdecken Sie unter der wissenschaftlichen Leitung von Frau Dr. Daniela Rau und Herrn Prof. Dr. Antonios Bayas aktuelle Perspektiven aus bereichsübergreifenden Themen rund um die MS. Die mit 7 CME-Punkten & MS Specialist zertifizierte Fortbildung findet am 6.-7. März 2026 in Frankfurt am Main statt – jetzt anmelden! Die interdisziplinäre Veranstaltung ist eine Initiative der Sandoz / HEXAL AG

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Blutbasierte Biomarker bei MS: Erkrankungsform und Erstmanifestation bestimmen Aussagekraft

Das saure Gliafaserprotein (GFAP) und die Neurofilament-Leichtkette (NfL) können bei schubförmiger Multipler Sklerose (MS) helfen, eine bleibende Verschlechterung der Behinderung (CDW) vorherzusagen. Ob dies bei progressiver MS (PMS) auch gelingt, war bislang unklar.

Abdelhak A et al. Blood biomarkers for predicting disability worsening in progressive multiple sclerosis: a multinational, individual participant-level analysis. J Neurol Neurosurg Psychiatry 2025;96(11):1046–1052.
Klyscz P et al. Serum Neurofilament Light Is Associated With Future Disease Activity in Clinically Isolat-ed Syndrome and Early Multiple Sclerosis Only After Non-Optic Neuritis Onset. Eur J Neurol 2025;32(11):e70375.

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Alzheimer- und Lewy-Körperchen-Demenz leichter unterscheiden

Die Alzheimer-Krankheit (AD) und die Lewy-Körperchen-Demenz (DLB) ähneln sich in den klinischen Merkmalen, was ­die Differenzialdiagnose erschwert. Abhilfe könnten hier die Peptide AQEE-10 und GGEE schaffen. Dies berichten Forschende aus Italien, Deutschland und den Niederlanden im „Journal of Neurology“.

Noli B et al. VGF AQEE- and GGEE-peptides differentiate between dementia types. J Neurol 2025;272(11):745.

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Kappa-freier Leichtkettenindex kann zwischen MS, MOGAD und NMOSD unterscheiden

Der Kappa-freie Leichtkettenindex (κFLC-Index) hat sich als diagnostischer Biomarker für MS etabliert, kann aber auch dabei helfen, die Erkrankung von anderen entzündlichen demyelinisierenden Erkrankungen zu unterscheiden. Dies berichtet ein chinesisches Forscherteam im „Journal of Neurology, Neurosurgery and Psychiatry“.

Tan H et al. κFLC-index distinguishes multiple sclerosis from anti-myelin oligodendrocyte glycoprotein and aquaporin 4 diseases in a Chinese cohort. J Neurol Neurosurg Psychiatry 2025;96(12):1175–1184.

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Mehr aktuelle Forschung:

Geschlechtsspezifische Unterschiede bei p-Tau217, Tau-Aggregation und kognitivem Verfall.
JAMA Neurology, 16.02.2026

Zusammenhänge zwischen lebenslanger kognitiver Anregung und Alzheimer-Demenz, kognitivem Altern und kognitiver Resilienz.
Neurology 2026;106(5):e214677.

Patientenberichtete Ergebnisse als Prädiktoren für die Entwicklung von Behinderungen bei Multipler Sklerose: Ein interpretierbarer Ansatz des Maschinellen Lernens.
Mult Scler, 30.01.2026

Ein quantitativer DOPA-Decarboxylase-Biomarker zur Diagnose von Lewy-Körperchen-Erkrankungen.
Nat Med, 16.02.2026

 

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