Nierenfunktion: Selbst eine geringfügige Einschränkung erhöht das Gesundheitsrisiko bei jungen Erwachsenen

Eine Studie unter der Leitung von Manish Sood vom Ottawa Hospital deutet darauf hin, dass selbst eine mäßige Reduktion der Nierenfunktion das Gesundheitsrisiko für junge Erwachsene erhöht. (Foto: © The Ottawa Hospital)

Eine Auswertung von Daten zu mehr als acht Millionen Erwachsenen aus der kanadischen Provinz Ontario deutet darauf hin, dass selbst ein geringfügiger Verlust der Nierenfunktion mit erhöhten Gesundheitsrisiken verbunden ist.

Die Autoren der im „British Medicial Journal“ veröffentlichten Studie glauben, dass diese Erkenntnis zu besseren Ansätzen zur Prävention chronischer Nierenerkrankungen und damit verbundener Leiden führen könnten – insbesondere bei jüngeren Erwachsenen.

„Die Lehrmeinung besagt, dass gesunde, junge Erwachsene sich keine Sorgen um die Nierenfunktion machen müssen, es sei denn, sie sinkt auf etwa 50 Prozent des normalen Niveaus“, sagt Seniorautor Dr. Manish Sood, Nephrologe am Ottawa Hospital und Professor an der University of Ottawa (Kanada). „Unsere Forschungsergebnisse legen jedoch nahe, dass selbst ein mäßiger Rückgang um 20 bis 30 Prozent Konsequenzen haben könnte, und wir sollten früher über Prävention und Monitoring sprechen.“

Das Forschungsteam analysierte ICES-Gesundheitsdaten aus den Jahren 2008 bis 2021 für jeden Erwachsenen in Ontario im Alter von 18 bis 65 Jahren, dessen Blut mindestens einmal im Hinblick auf seine Nierenfunktion getestet worden war, der aber keine Nierenerkrankung in der Vorgeschichte hatte. Die Wissenschaftler stellten fest, dass 18 Prozent der 18- bis 39-Jährigen eine Nierenfunktion hatten, die leicht unter dem Normalwert lag, aber nicht niedrig genug war, um eine chronische Nierenerkrankung zu diagnostizieren. Personen in dieser „Grauzone“ besaßen ein leicht erhöhtes Risiko für Nierenversagen, Tod und kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt.

Beispielsweise war bei jungen Erwachsenen (Alter 18–39 Jahre) ein Verlust der Nierenfunktion um 20 bis 30 Prozent mit einem 1,4-fachen Anstieg der Todesfälle, einem 1,3-fachen Anstieg eines kardialen Ereignisses und einem sechsfachen Anstieg des Risikos für Nierenversagen verbunden. Das absolute Risiko für eines dieser Ereignisse war jedoch mit weniger als zwei pro 1000 immer noch gering.

„Zum Glück ist das absolute Risiko für jede einzelne Person mit einer Nierenfunktion in dieser Grauzone gering“, sagt Co-Autor Dr. Greg Knoll, ebenfalls Nephrologe am Ottawa Hospital. „Betrachtet man jedoch die Bevölkerung insgesamt, könnten die Auswirkungen recht erheblich sein. Es muss weiter geforscht werden, um diese Ergebnisse zu bestätigen und um dann zu sehen, ob wir das Risiko durch eine Veränderung des Lebensstils reduzieren können.“

Obwohl der Nierenfunktionstest (Kreatin im Blut) relativ kostengünstig und leicht verfügbar ist, schlagen die Studienautoren derzeit keine routinemäßigen Tests für jeden vor. Wenn bei einer Person jedoch ein Nierentest durchgeführt wurde, der eine geringfügige Einschränkung der Funktion zeigt, kann dies ein Auslöser für ein Arztgespräch sein.