Nierenkrankheiten: Gezielte Bekämpfung von Neutrophilen könnte Behandlung verbessern10. Juni 2025 Foto: © benschonewille/stock.adobe.com Eine neue Studie der Universität Hokkaido, Japan, unterstreicht die Rolle von Neutrophilen und neutrophilen extrazellulären Fallen (engl. neutrophil extracellular traps, NETs) bei einer Vielzahl von Nierenerkrankungen. NETs spielen zwar eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung von Infektionen, Wissenschaftler haben jedoch herausgefunden, dass sie auch ernsthafte Schäden verursachen können, wenn sie am falschen Ort oder zum falschen Zeitpunkt produziert werden. Dies gilt insbesondere für die Nieren, wo zu viele NETs oder eine unzureichende Beseitigung dieser Netze Entzündungen auslösen und Gewebeschäden verursachen können. Eine neue Studie, die in der Fachzeitschrift „Nature Reviews Nephrology“ von einem Forscherteam unter der Leitung von Prof. Akihiro Ishizu an der Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Hokkaido veröffentlicht wurde, unterstreicht die Rolle von Neutrophilen und NETs bei einer Vielzahl von Nierenerkrankungen. Kreislauf durchbrechen Wenn das Immunsystem diese Strukturen nicht richtig reguliert, kann die daraus resultierende Entzündung die empfindlichen Blutgefäße und Filtersysteme der Nieren schädigen. Mit der Zeit kann dies zur Entwicklung mehrerer schwerwiegender Erkrankungen beitragen, darunter ANCA-assoziierte Vaskulitis, Lupusnephritis, thrombotische Mikroangiopathie, diabetische Nierenerkrankung und kristallinduziertes Nierenversagen. „Neutrophile schützen uns normalerweise, doch bei diesen Erkrankungen scheinen sie Teil der Problemursache zu sein“, sagt Ishizu. „Wir wissen seit Jahren, dass Entzündungen ein wichtiger Bestandteil von Nierenerkrankungen sind, aber jetzt sehen wir, dass Neutrophile und NETs mehr als nur passive Teilnehmer sind. Sie verschlimmern die Schäden aktiv, und das gibt uns neue Denkansätze für die Behandlung.“ Wissenschaftler erforschen verschiedene Strategien, um zu verhindern, dass Neutrophile Schaden anrichten. Ein Ansatz konzentriert sich auf die Blockierung der chemischen Signale, die Neutrophile überhaupt erst aktivieren. Eines dieser Signale ist ein Molekül namens C5a, das Entzündungen auslösen kann. Medikamente wie Avacopan, die den Rezeptor für C5a blockieren, haben in klinischen Studien zur Behandlung von Vaskulitis bereits vielversprechende Ergebnisse gezeigt und werden voraussichtlich weiter verbreitet sein. Eine weitere Strategie besteht darin, die Bildung von NETs zu verhindern. Wissenschaftler entwickeln Medikamente, die die Enzyme und Proteine in Neutrophilen blockieren, die für den Aufbau dieser DNA-Netze verantwortlich sind. Die Hoffnung ist, dass die Verhinderung der NET-Bildung den Kreislauf aus Entzündungen und Verletzungen, der zu Nierenversagen führt, durchbricht. Forscher arbeiten auch daran, den Körper bei der effizienteren Beseitigung von NETs zu unterstützen. Enzyme wie DNase I und DNase1L3 können die klebrigen DNA-Netze aufbrechen, doch krankheitsbedingt veränderte NETs können schwieriger abgebaut werden. Weniger Nebenwirkungen möglich Die neue Studie legt nahe, dass die gezielte Bekämpfung von Neutrophilen und NETs zu einem grundlegenden Wandel in der Behandlung von Nierenerkrankungen führen könnte. Bisher setzten Ärzte meist auf allgemeine immunsupprimierende Medikamente, die Patienten anfällig für Infektionen und andere Komplikationen machen können. „Das Spannende daran ist, dass wir durch die gezielte Erforschung der NETs und Gewebeschäden Patienten möglicherweise eine bessere Behandlung mit weniger Nebenwirkungen bieten können“, sagt Daigo Nakazawa, Erstautor der Studie.
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