Nierenkrankheiten: Häufig, teuer und unterschätzt

Foto: © Stevepb, Pixabay
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Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) plädiert für mehr gesamtgesellschaftlichen Einsatz zur Prävention von Nierenkrankheiten.

Nierenkrankheiten sind häufig und gefährlich, bekommen gesamtgesellschaftlich aber kaum die Aufmerksamkeit, die es benötigt, um die Forschung, Versorgung und vor allem die Prävention zu verbessern, meint die DGfN. Dabei würden davon alle profitieren: Die Betroffenen, denen viel Leid erspart bliebe, den Kostenträgern, da eine kostenintensive Therapie deutlich seltener zum Einsatz kommen müsste, – und die Umwelt, da die Dialyse viel Energie und Wasser erfordert und viel Abfall verursacht. 

Nierenerkrankungen sind sehr häufig, gut zehn Prozent der Bevölkerung leidet an einer chronischen Nierenerkrankung – die meisten Betroffenen, ohne es zu wissen. Zwar sind „nur“ gut 90.000 Menschen auf eine regelmäßige Dialysetherapie angewiesen, doch schätzungsweise sind insgesamt mehr als neun Millionen Menschen in Deutschland von einer chronischen Nierenkrankheit betroffen. Dabei, so betont die DGfN, können die Konsequenzen nicht nur deshalb schwerwiegende sein, weil die Erkrankung oftmals erst spät erkannt wird: Die Chronische Nierenkrankheit (CKD) zieht auch viele Folgekomplikationen nach sich. So gehört eine CKD zu den Hauptrisikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen. Hinzu kommen viele andere Begleit- und Folgeerkrankungen (z. B. Anämie, Elektrolytstörungen, Juckreiz, Krämpfe, auch Depression).

Die anteilsmäßig häufigsten Ursachen für eine chronische Nierenkrankheit sind der Diabetes mellitus und Bluthochdruck. Zusammen sind diese Volkskrankheiten für mehr als die Hälfte aller „Dialysefälle“ verantwortlich. Da die Zahlen der Menschen mit Diabetes und Bluthochdruck steigen, ist auch von einer noch weiter zunehmenden Zahl CKD-Betroffener auszugehen. Daraus entstehen enorme Belastungen für den einzelnen und exorbitante sozioökonomische Belastungen für die Gesellschaft. Insgesamt werden schon heute 24 Mrd. Euro für die Versorgung von CKD-Patienten ausgegeben, das sind knapp zwölf Prozent der Gesundheitsausgaben.

Die Prävention von Nierenkrankheiten hat damit nicht nur eine persönliche Dimension, die einzelnen Betroffenen viel Leid ersparen kann, sondern auch eine gesellschaftliche: Neben den ökonomischen Aspekten spielen auch zunehmend ökologische eine Rolle. Der geschätzte Verbrauch für die Behandlung von weltweit 2 Millionen Dialysepatienten pro Jahr beläuft sich auf 156 Milliarden Liter Wasser, 1,62 Milliarden kWh Stromverbrauch und führt zu 625.000 Tonnen Plastikmüll.

Was muss aus Sicht der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie geschehen? „Wir brauchen ein Deutsches Nieren-Gesundheitszentrum (DNGZ), das Forschung fördert, so dass neue zielgerichtete Therapien entwickelt werden können, um Nierenkrankheiten zu stoppen“, erklärt Prof. Hermann Pavenstädt, Präsident der DGfN. „Außerdem benötigt unser Fach eine bessere Sichtbarkeit in der Bevölkerung und Politik, um wichtige Präventionsmaßnahmen bekannter zu machen und umzusetzen. Wir müssen zudem die optimale Versorgung unserer Patientinnen und Patienten sicherstellen und mehr in die Entwicklung neuer, ‚grünerer‘ Dialysetechnologien investieren.“ Die Fachgesellschaft wünscht sich dafür einen engen Schulterschluss mit Politik und Gesellschaft.