Nierentransplantation: Abstoßung geht mit Veränderungen der Lymphgefäße einher

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US-Wissenschaftler haben herausgefunden, wie sich Lymphgefäße bei chronischer Transplantatabstoßung dramatisch verändern, ihre Struktur desorganisieren und sich in ungewöhnliche Bereiche der Niere ausbreiten.

Es ist bereits bekannt, dass ein wesentlicher Grund für das Versagen einer Nierentransplantation darin liegt, dass das Immunsystem des Patienten Teile der neuen Niere angreift – beispielsweise die darin enthaltenen Blutgefäße. Die Rolle der Lymphgefäße ist jedoch weit weniger erforscht. Forscher des Wellcome Sanger Institute, des University College London (UCL) und der University of Cambridge (alle drei Vereinigtes Königreich) untersuchten daher kleine Lymphgefäße im Nierengewebe und verglichen gesunde Nieren mit transplantierten Nieren, die abgestoßen wurden.

Die Wissenschaftler nutzten zwei unterschiedliche und leistungsstarke Methoden: Einzelzell-RNA-Sequenzierung und fortschrittliche 3D-Bildgebung. Sie untersuchten Proben von gesunden Patienten und Patienten mit Transplantatabstoßung. Die Einzelzellsequenzierung ermöglicht es Wissenschaftlern, die Aktivität von Genen in einzelnen Zellen einzeln zu untersuchen. Die Forscher taten dies in großem Maßstab, um eine enorme Datenmenge zu generieren. Anschließend färbte das Team große Stücke intakten Nierengewebes und machte es durch ein Verfahren transparent. Diese 3D-Bildgebung trug dazu bei, die Vorhersagen aus der genetischen Einzelzellanalyse zu bestätigen.

Die neuen Forschungsergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Journal of Clinical Investigation“ veröffentlicht.

Immunzellen eingeschlossen

Die Forscher fanden heraus, dass sich bei einer Nierentransplantatabstoßung die Lymphgefäße im Transplantat verformen und ihre Struktur verändern. Die Gefäße breiten sich in tiefere Bereiche der Niere aus, die Medulla, die normalerweise keine Lymphgefäße enthält. Gleichzeitig verändern sich die Zellverbindungen, die Proteinanker, die die Zellen verbinden, von lockeren Knöpfen zu Reißverschlüssen. Diese Veränderung wird auch damit in Verbindung gebracht, dass Immunzellen eingeschlossen werden und nicht mehr entkommen können.

Darüber hinaus stellten die Forscher fest, dass das Gleichgewicht der T-Zellen in und um die Gefäße gestört war. Diese T-Zellen sendeten Signale aus, die die Gefäße dazu veranlassten, Moleküle zu aktivieren, die als „Bremsen“ für das Immunsystem fungierten, um die Entzündung zu beruhigen. Diese Schutzreaktion reichte jedoch nicht aus, da andere Immunzellen und Antikörper die Niere direkt angriffen. Erstaunlicherweise wiesen auch die Gefäße selbst Anzeichen dafür auf, dass sie von denselben schädlichen Antikörpern angegriffen wurden.

Schützende Funktion beeinträchtigt

Diese Ergebnisse stellen die Ansicht in Frage, Lymphgefäße seien bei Transplantatabstoßungen einfach nur gut oder schlecht. Die Studie legt nahe, dass das Lymphsystem normalerweise eine schützende Funktion hat, bei Transplantatabstoßungen jedoch beeinträchtigt ist. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Gefäße auf eine Weise verändern, die durch Strukturveränderungen und die Förderung von Immunreaktionen die Abstoßung begünstigen könnte.

„Mithilfe neuer Bildgebungsverfahren haben wir gezeigt, dass diese Gefäße bei einer Abstoßung dramatische Veränderungen durchlaufen und selbst zum Ziel des Immunsystems werden“, formuliert Erstautor Dr. Daniyal Jafree die Ergebnisse mit eigenen Worten.

(ri/BIERMANN)