Versorgung von Krebspatienten: Extreme Hitze beeinflusst Entscheidungen Betroffener10. Juni 2026 Abbildung/KI-generiert: Lumot/stock.adobe.com Eine kleine Untersuchung lässt schon jetzt die Herausforderungen erahnen, mit denen Gesundheitssysteme und Patienten mit Krebs weltweit voraussichtlich konfrontiert sein werden, wenn Wetterlagen mit extremer Hitze weiter zunehmen. Die in „Environmental Research: Climate“ veröffentlichte Studie zeigt, dass extreme Hitze schon jetzt Einfluss darauf hat, wie Krebspatienten ihren Alltag bewältigen, medizinische Versorgung in Anspruch nehmen und behandlungsbezogene Entscheidungen treffen. Es sei unbedingt notwendig, Umweltrisiken in die Planung der Krebsversorgung einzubeziehen, erklären die Verfasser der Arbeit. Dies reiche von klinischen Gesprächen und der Terminplanung bis hin zur Beratung von Betreuenden und der Unterstützung durch das soziale Umfeld. Geleitet wurde die Untersuchung von Forschenden des Sylvester Comprehensive Cancer Center, das zur University of Miami Miller School of Medicine sowie der Rosenstiel School of Marine, Atmospheric, and Earth Science in Key Biscayne und der School of Nursing and Health Studies an der University Miami (alle USA). Hitze beeinflusst den Alltag insgesamt Basierend auf ausführlichen Interviews mit Krebspatienten in Südflorida – einer Region, die sich rascher erwärmt als viele andere Teile der Vereinigten Staaten – lässt die Untersuchung bereits heute erahnen, mit welchen Problemen Gesundheitssysteme auch anderenorts aufgrund des Klimawandels bald konfrontiert sein könnten. „Wir haben [in der Untersuchung] erfahren, dass Hitze nahezu jeden Aspekt des täglichen Lebens der Menschen berührt“, verdeutlicht Dr. Kilan C. Ashad-Bishop, Forscherin am Sylvester und an der Rosenstiel School sowie Hauptautorin der Studie. „Sie beeinflusst, wann die Menschen nach draußen gehen, ob sie medizinische Ratschläge befolgen, wie stark sie sich sozial eingebunden fühlen und wie viel Geld sie allein dafür aufwenden, sich zu schützen und für ihr Wohlbefinden zu sorgen.“ Vermeidung zusätzlicher Belastung Einige Patienten verschoben Arzttermine oder ließen sie ganz ausfallen, um sich nicht der Hitze auszusetzen. Andere schränkten ihre körperliche Aktivität, soziale Kontakte oder notwendige Erledigungen ein. Für Menschen, die bereits mit Nebenwirkungen einer Behandlung, Erschöpfung oder finanziellen Belastungen zu kämpfen hatten, wurde die Hitze zu einem weiteren Faktor, der ihren Handlungsspielraum einschränkte. Die US-Umweltschutzbehörde (EPA) definiert extreme Hitze als Perioden, die für einen bestimmten Ort und Zeitpunkt deutlich heißer – und oft auch feuchter – sind als der Durchschnitt. Angesichts des fortschreitenden globalen Temperaturanstiegs ist mit längeren Hitzeperioden und häufigeren Tagen extremer Hitze zu rechnen. Da zudem ein besonders starkes El-Niño-Ereignis bevorsteht, prognostizieren Klimaexperten, dass das Jahr 2027 das weltweit heißeste seit Beginn der Aufzeichnungen werden könnte. Trotz zunehmender Belege dafür, dass Umweltbedingungen Gesundheitsrisiken bergen, hat sich die Forschung bisher kaum gezielt damit befasst, wie sich extreme Hitze auf Krebspatienten auswirkt. Um diese Forschungslücke zu schließen, wandten sich die Wissenschaftler direkt an die Betroffenen. Die qualitative Studie umfasste Interviews mit 20 Erwachsenen aus 18 Postleitzahlgebieten in Südflorida, einer der heißesten Regionen der USA. Alle Teilnehmenden hatten eine Krebsdiagnose oder -behandlung und beschrieben, wie sich Hitze auf ihre Gesundheit, den Zugang zur medizinischen Versorgung, ihre Finanzen und ihr soziales Leben auswirkt. Die Interviews wurden auf Englisch und Haitianisch-Kreolisch geführt, um Erfahrungen aus verschiedenen Gemeinschaften zu erfassen und zu verdeutlichen, wie Hitzestress bestehende gesundheitliche und finanzielle Herausforderungen verschärfen kann. Kleine Kompromisse mit großer kumulativer Wirkung Die Teilnehmenden berichteten von verschiedenen Anpassungsstrategien bei Hitzeereignissen: Einschränkung von Aktivitäten im Freien, Planung von Erledigungen in kühleren Stunden, Aufenthalt in geschlossenen Räumen und intensive Nutzung von Klimaanlagen. Diese Anpassungen gingen jedoch häufig mit Nachteilen einher, die sich auf Gesundheit, Unabhängigkeit und Lebensqualität auswirkten. Hitzestress löste nicht so sehr plötzliche Krisen aus, beobachteten die Forschenden, sondern wirkte oft schleichend durch eine Reihe kleiner Kompromisse, die das langfristige Wohlbefinden unbemerkt beeinflussen können. Kilan C. Ashad-Bishop, Forscherin am Sylvester Comprehensive Cancer Center und am Rosenstiel School of Marine and Atmospheric Science. (Bildnachweis: Sylvester Comprehensive Cancer Center, University of Miami Miller School of Medicine) „Wir haben beobachtet, dass die Menschen ständig Entscheidungen treffen – so beständig wie die Hitzebelastung in Südflorida“, erklärt Ashad-Bishop. „Sie wägen Komfort gegen medizinische Versorgung ab, Sicherheit gegen Notwendigkeit. Solche Entscheidungen summieren sich.“ „Hier geht es nicht nur um Wetterwarnungen“, unterstreicht Dr. Sophia George, Forscherin am Sylvester Comprehensive Cancer Center, außerordentliche Professorin am Institut für Geburtshilfe, Gynäkologie und Reproduktionsmedizin der Miller School sowie Seniorautorin der Studie. „Es geht darum, Hitze als gesundheitlichen Belastungsfaktor zu erkennen und Patienten dabei zu unterstützen, sich im Rahmen ihrer alltäglichen medizinischen Versorgung darauf einzustellen.“ (ac) Mehr zum Thema Hitze und medizinische Versorgung: Geriater: Deutschland ist auf extreme Hitzeereignisse „drastisch unvorbereitet“
Mehr erfahren zu: "Neuer PET-Tracer ermöglicht hochauflösende Bildgebung des sympathischen Nervensystems" Neuer PET-Tracer ermöglicht hochauflösende Bildgebung des sympathischen Nervensystems Forschende des Uniklinikums Würzburg (UKW) haben einen PET-Radiotracer zur Darstellung des Noradrenalin-Transporters (NET) entwickelt, mit dem eine hochauflösende Bildgebung des sympathischen Nervensystems beim Menschen sicher und technisch gut möglich ist.
Mehr erfahren zu: "Leipziger Onkologe als ESMO-Präsident gewählt" Leipziger Onkologe als ESMO-Präsident gewählt Das Universitätsklinikum Leipzig freut sich über eine herausragende Auszeichnung für seinen renommierten Onkologen: Prof. Florian Lordick ist zum Präsidenten der European Society for Medical Oncology (ESMO) für die Amtszeit 2029–2030 […]
Mehr erfahren zu: "Mit Sack und Pack und Patienten: München Klinik Harlaching zieht um" Mit Sack und Pack und Patienten: München Klinik Harlaching zieht um Die München Klinik Harlaching zieht in diesen Tagen mitsamt Patienten und technischem Gerät im laufenden Betrieb in ihren Neubau und steht damit vor einer logistischen Herausforderung, wie das Krankenhaus betont.