NRW: Ärzte, Politik und Krankenhäuser wollen Transplantationsbeauftrage freistellen

Aufgrund der geringen Organtransplantationszahlen in NRW im vergangenen Jahr setzen sich die zuständigen Ärztekammern, das Ministerium und die Krankenhausgesellschaft dafür ein, die Transplantationsbeauftragten in den Krankenhäusern von ihrer Routinearbeit freizustellen.

Die Ärztekammern Westfalen-Lippe (ÄKWL) und Nordrhein (ÄKNo) sowie dass Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW (MAGS) sehen in einer gemeinsamen Erklärung die Situation der verantwortlichen Transplantationsbeauftragten als einen der Hauptgründe für die Misere. In dieser Analyse stimmen sie mit der Einschätzung von Dr. Axel Rahmel, medizinischer Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) (wir berichteten).

„Die Transplantationsbeauftragten in den Kliniken werden vielfach in der Durchführung ihrer speziellen Arbeit eingeschränkt“, sagte ÄKWL-Präsident Dr. Theodor Windhorst im Rahmen eines Erfahrungsaustausches der Ärztekammern und des MAGS mit den Transplantationsbeauftragten in Nordrhein-Westfalen in Münster: „Ihr Engagement wird behindert durch hohes Arbeitsaufkommen und Zeitmangel, die fehlende Akzeptanz innerhalb des Krankenhauses oder die Tatsache, dass sie für ihre Organspende-Tätigkeit nicht freigestellt werden.“ Es sei bezeichnend, dass von den 340 eingeladenen Transplantationsbeauftragten nur 18 einen bedeutenden ­Termin, an dem auch das Landesgesundheitsministerium teilnehme, wahrnehmen könnten. „Das nenne ich ein deutliches Zeichen der Zeitnot und der Belastung mit Routinearbeit.“

Die “bayerische Lösung”

Gemeinsam plädierten die Präsidenten der Kammern, Windhorst und Rudolf Henke (ÄKNo), für die „bayerische Lösung“: Die Ärzteschaft könne nicht länger zusehen, wie jeden Tag drei Menschen auf der Warteliste sterben. Deshalb müssten die Kliniken stärker in die Pflicht genommen und die Rahmenbedingungen der Arbeit der Transplantationsbeauftragten mit verbindlichen Regelungen im Landeskrankenhausgesetz festgeschrieben werden.

Die aktuelle Gesetzeslage sieht eine Freistellung vor, „wie es zur ordnungsgemäßen Durchführung der Aufgaben nach diesem Gesetz erforderlich ist“ (§ 4 Abs. 4 des Gesetzes zur Ausführung des Transplantationsgesetzes AG-TPG NRW). Die „bayerische Lösung“ definiert klare Personalschlüssel nach Maßgabe der Zahl der Intensivbetten (Beispiel: pro 10 Betten 0,1 Vollkräfte Freistellung).

„Ich trete für die ‚bayerische Lösung‘ ein, da sie den komplexen Aufgaben der Transplantationsbeauftragten im Organspendeprozess besser Rechnung trägt“, erklärte Henke, „Diese Aufgaben umfassen unter anderem die Kontrolle der Zusammenarbeit zwischen Entnahmekrankenhäusern, Transplantationszentren und der DSO, Dokumentationsaufgaben, sowie die wichtige Begleitung von Angehörigen. Damit die Transplantationsbeauftragten diese Aufgaben umfänglich erledigen können, braucht es verbindliche Regelungen zu deren Freistellung und Honorierung.“

„Uns ist allen klar“, sagte der Staatssekretär im Gesundheitsministerium, Edmund Heller, „das Thema Organspende und Transplantation braucht weiterhin viele Verbündete, Öffentlichkeit und breite gesellschaftliche Unterstützung. Allerdings wissen wir auch, dass in der Frage der Identifizierung von Organspendern das Krankenhaus der wichtigste Ort ist. Besondere Verantwortung tragen hier die Transplantationsbeauftragten; deshalb brauchen und verdienen sie jede Unterstützung für ihre schwierige Aufgabe.“

 

NRW-Kliniken befürworten Freistellung

Auch die Krankenhausgesellschaft NRW (KGNW) befürwortet laut einer aktuellen Pressemitteilung die “bayerische Lösung”. „Den Tiefpunkt von nur 146 Organentnahmen im vergangenen Jahr in Nordrhein-Westfalen können wir nicht tatenlos hinnehmen”, sagt Jochen Brink, Präsident der KGNW. Die Konkretisierung der bestehenden Freistellungregelung der Transplantationsbeauftragten in unseren Krankenhäusern sehen wir – analog der ‘bayerischen Lösung’ – mit als eine sinnvolle Möglichkeit an, die Rahmenbedingungen für mehr Organspenden in NRW zu verbessern. Die Details der Umsetzung und der Refinanzierung der Stellen sollten schnellstmöglich mit den Verantwortlichen in Land und Bund geklärt werden.“

(ms)

Quelle
ÄKWL, ÄKNo, MAGS, KGNW
Mehr anzeigen
Close