Oligorezidiviertes Prostatakarzinom: Wie lange lässt sich die Hormontherapie hinauszögern?11. Juni 2026 Symbolbild: AliFuat – stock.adobe.com Eine Metastasen-gerichtete Therapie (MDT) kann bei einem oligorezidivierten Prostatakarzinom eine Androgendeprivationstherapie (ADT) hinauszögern. Ein internationales Wissenschaftlerteam hat jetzt ein Nomogramm entwickelt, welches das ADT-freie Überleben vorhersagen soll. Timo F. W. Soeterik vom Universitair Medisch Centrum Utrecht (Niederlande) und Kollegen publizierten in „The Lancet. Oncology“ die Ergebnisse der internationalen, retrospektiven Kohortenstudie PORTAL. Diese wurde an 10 Zentren in Europa (Österreich, Italien, Lettland, Niederlande, Polen und Portugal) durchgeführt. An der Studie nahmen erwachsene Männer mit histologisch gesichertem Prostatakarzinom aller Subtypen teil. Nach der kurativen Behandlung hatten die Patienten eine metachrone Oligometastasierung mit bis zu 5 pelvinen Lymphknoten- oder Fernmetastasen (oder beiden) erlitten, die per nuklearmedizinischer Bildgebung (PSMA-PET) entdeckt wurden. Sie erhielten eine stereotaktische Körperbestrahlung (SBRT) aller Läsionen ohne adjuvante systemische Therapie. Zehn klinische Prädiktoren untersucht Als primären Endpunkt legten die Studienautoren den Anteil der Patienten fest, die nach einem Jahr Nachbeobachtung ADT-frei waren. In einem multivariablen Cox-Modell mit Rückwärtsselektion (Backward Elimination) untersuchten sie 10 klinische Prädiktoren. Die Modellgüte (C-Index und Kalibrierung) bewerteten sie mittels interner Validierung (Bootstrapping) und anschließender externer Validierung. Insgesamt konnte das Team 1461 Männer, die im Zeitraum 01.07.2014-31.12.2023 behandelt worden waren, screenen und davon 586 in die Entwicklungskohorte aufnehmen: 307 (52%) Patienten hatten Metastasen in pelvinen Lymphknoten, bei 279 (48%) waren Fernmetastasen aufgefallen. Die mediane Nachbeobachtung lief über 37 Monate (IQR 24–58). Die externe Validierungskohorte umfasste 131 Patienten, davon 57 (44%) mit Metastasen in pelvinen Lymphknoten und 74 (56%) mit Fernmetastasen, bei einer medianen Nachbeobachtung von 43 Monaten (Interquartile Range 24–57). Die Rate des ADT-freien Überlebens nach einem Jahr beziffern die Autoren auf 84,3% (95%-Konfidenzintervall [KI] 81,4–87,3) in der Entwicklungskohorte und auf 92,8% (95%-KI 88,4–97,4) in der Validierungskohorte. Als unabhängige Prädiktoren für einen früheren Beginn der ADT stellten sich folgende Faktoren heraus: höherer PSA-Wert vor der MDT (Hazard Ratio [HR] 1,05; 95%-KI 1,03–1,08), kürzere PSA-Verdopplungszeit (HR 0,97; 95%-KI 0,95–0,98), Anzahl von 3–5 Läsionen (HR 1,74; 95%-KI 1,33–2,28), Nachweis von Fernmetastasen (HR 1,45; 95%-KI 1,18–1,78). Die Diskriminationsfähigkeit des Modells geben die Autoren mit 0,66 (95%-KI 0,65–0,68) in der Entwicklungskohorte und mit 0,65 (95%-KI 0,55–0,75) in der externen Validierungskohorte an. Drei prognostische Gruppen Während die Diskrimination auf individueller Ebene mäßig ausgefallen sei, habe die Stratifizierung in Risikogruppen eine aussagekräftige Differenzierung gezeigt, resümieren die Autoren. Die Risikostratifizierung ergab 3 prognostische Gruppen mit niedrigem, mittleren und hohen Risiko (p<0,0001). Dieser Befund stütze den potenziellen Einsatz des Nomogramms bei der Therapiewahl, schließen Soeterik und Kollegen. (sf/ms) Das könnte Sie ebenfalls interessieren: Prostatakrebs: Multimodaler Therapieansatz in Phase-II-Studie erfolgreich getestet Prostatakrebs: Wiener Urologie prüft neue Technik zur Teilentfernung der Prostata
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