Omega-3-Fettsäuren: Vorhofflimmern bei höherer Dosis?

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Einige, aber nicht alle groß angelegten randomisierten kontrollierten Studien (RCTs), die die Auswirkungen einer Nahrungsergänzung mit marinen Omega-3-Fettsäuren auf kardiovaskuläre Ergebnisse untersuchten, haben über ein erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern (VHF) berichtet. Die möglichen Gründe für unterschiedliche Befunde könnten dosisabhängig sein.

Die Studiengruppe um Christine M. Albert vom Cedars Sinai Medical Center in Los Angeles, USA, schloss in die Metaanalyse 7 Studien ein, die sie über eine Suche in den Datenbanken MEDLINE und Embase identifizierten. Infrage kommende RCTs wurden zwischen dem 1. Januar 2012 und dem 31. Dezember 2020 veröffentlicht und berichteten über kardiovaskuläre Ergebnisse inklusive VHF unter einer O3FA-Supplementierung im Vergleich zu Placebo.

VHF wurde in den eingeschlossenen RCTs entweder als vordefiniertes Ergebnis, als unerwünschtes Ereignis oder als Grund für eine Krankenhauseinweisung erfasst. Weiterhin hatten inkludierte RCTs eine Mindeststichprobengröße von 500 Patienten und ein medianes Follow-up von ≥1 Jahr.

Zudem nahmen die Studienautoren in ihre Auswertung eine bereits 2019 veröffentlichte Metaanalyse großer kardiovaskulärer RCTs mit auf. RCTs, die speziell die kurzfristigen Auswirkungen von O3FAs auf rezidivierendes VHF bei Patienten mit etabliertem VHF oder postoperativem VHF untersuchten, wurden nicht berücksichtigt. Die Auswertung erfolgte anhand spezieller statistischer Modelle.

Die 7 verwendeten Studien umfassten die Datensätze von 81.210 Patienten (Durchschnittsalter 65 Jahre; 39% weiblich). 5 der 7 Studien wurden bereits in eine frühere Metaanalyse einbezogen. Es nahmen 58.939 Personen (72,6%) an Studien mit ≤1 g/d O3FAs teil und 22.271 (27,4%) an Studien mit >1 g/d O3FAs. Die gewichtete durchschnittliche Nachbeobachtungszeit betrug 4,9 Jahre.

Die Metaanalyse ergab ein erhöhtes Risiko für VHF unter der Einnahme von marinen O3FA-Präparaten (n=2905; HR 1,25; 95%-KI 1,07–1,46; p=0,013). Eine Stratifizierung nach Dosis ergab eine höhere HR in den Studien, die >1 g/d testeten (HR 1,49; 95%-KI 1,04–2,15; p=0,042), als in den Studien, die ≤1 g/d testeten (HR 1,12; 95%-KI 1,03–1,22; p=0,024; ­pInteraktion<0,001). Anhand einer Meta-Regressions-Analyse ermittelten die Autoren einen Anstieg der HR für VHF pro 1 g höherer O3FA-Dosierung (HR 1,11; 95%-KI 1,06–1,15; p=0,001).

Fazit
Einer neuen Metaanalyse zufolge scheint eine Supplementierung mit marinen Omega-3-Fettsäuren (O3FAs) das Risiko für VHF zu erhöhen. Das VHF-Risiko war in Studien, die >1 g/d O3FA untersuchten, größer, was auf eine Dosisabhängigkeit schließen lässt.

Die Studie wird von einem Kommentar von Michelle Samuel and Stanley Nattel begleitet (https://doi.org/10.1161/CIRCULATIONAHA.121.057464), in dem diese unter anderem die klinischen Implikationen der Metaanalyse beleuchten. (ah)

Autoren: Gencer B et al.
Korrespondenz: Christine Albert; [email protected]
Studie: Effect of Long-Term Marine Omega-3 Fatty Acids Supplementation on the Risk of Atrial Fibrillation in Randomized Controlled Trials of Cardiovascular Outcomes: A Systematic Review and Meta-Analysis
Quelle: Circulation 2021;144(25):1981–1990.
Web: https://doi.org/10.1161/CIRCULATIONAHA.121.055654