Deutscher Herzbericht: Vorhofflimmern gewinnt weiter an Bedeutung

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Herzrhythmusstörungen gehören zu den zehn häufigsten Todesursachen und verursachen in Deutschland jährlich mehr als eine halbe Million Krankenhausaufnahmen. Besonders Vorhofflimmern gewinnt angesichts des demografischen Wandels zunehmend an Bedeutung. Was der aktuelle Deutsche Herzbericht dazu verrät.

Herzrhythmusstörungen zählen zu den Herzerkrankungen mit der höchsten Krankheitslast. Wie der aktuelle Deutsche Herzbericht – Update 2026 dokumentiert, verzeichnen Herzrhythmusstörungen 2024 im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg von rund 520 auf 532 Klinikeinweisungen pro 100.000 Einwohner, in absoluten Zahlen: von 493.636 auf 509.490. Im Vergleich zum Jahr 2012 nahm die Zahl der Hospitalisierungen aufgrund von Herzrhythmusstörungen um 4,7 Prozent zu. 2024 starben 29.759 Menschen an Herzrhythmusstörungen, die Sterblichkeit lag damit bei 29,2 pro 100.000 Einwohner (2023: 30,0). Gegenüber der Vor-COVID-Ära 2019 stieg die Sterblichkeit aufgrund von Herzrhythmusstörungen allerdings leicht um 1,1 Prozent.

Vorhofflimmern: Demografischer Wandel als Herausforderung

Allein wegen der häufigsten anhaltenden Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern wurden 2024 rund 360.800 Patienten vollstationär im Krankenhaus behandelt. Insgesamt leiden in Deutschland laut Angaben der Deutschen Herzstiftung etwa 1,6 Millionen Menschen an Vorhofflimmern. 20 bis 30 Prozent der ischämischen Schlaganfälle gehen darauf zurück.

Dabei ist der Großteil der behandlungsbedürftigen Vorhofflimmer-Patienten 65 Jahre und älter, wie Prof. Thomas Voigtländer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung, betonte. In der Altersgruppe der über 70-Jährigen sei etwa jeder Zehnte davon betroffen. Voigtländer zufolge dürfte sich die Zahl der Vorhofflimmer-Patienten in den kommenden drei Jahrzehnten verdoppeln.

Katheterablation gewinnt bei Vorhofflimmern an Bedeutung

„Dieser demografische Effekt schlägt sich auch in therapeutischen Trends wie dem stetigen Anstieg der Katheterablationen nieder, lässt sich jedoch auch bei anderen Herzerkrankungen beobachten, beispielsweise bei den Verfahren zum Herzklappenersatz, da Vorhofflimmern sich auch auf die Funktion der Mitralklappen auswirken kann“, so Voigtländer.

Konkret stieg die Anzahl der Katheterablationen bei Herzrhythmusstörungen von 2019 bis 2024 um 45 Prozent und im Vergleich zum Vorjahr immer noch um 12,4 Prozent (absolute Zahl in 2024: 139.941). Die Zahl der Ablationen bei Vorhofflimmern stieg in diesem Zeitraum sogar um 78,1 Prozent (absolute Zahl in 2024: 88.739).

Voigtländer verwies auf Studien, nach denen Patienten mit neu diagnostiziertem Vorhofflimmern von einer frühzeitigen Ablation profitieren können. Auch in den nationalen und internationalen Leitlinien hat die Vorhofflimmerablation inzwischen einen hohen Stellenwert.

Wechselspiel mit Komorbiditäten erfordert interdisziplinäre Versorgung

Aufgrund der häufig bestehenden Komorbiditäten bei Vorhofflimmern hob Voigtländer die Bedeutung einer interdisziplinären, multiprofessionellen und sektorenübergreifenden Versorgung hervor. Die häufigsten Begleiterkrankungen bei Patienten mit Vorhofflimmern sind laut Deutschem Herzbericht:

  • Bluthochdruck (stationär: 61,6 Prozent/ambulant: 58,9 Prozent)
  • Fettstoffwechselstörungen (stationär: 30,5 Prozent/ambulant: 32,3 Prozent)
  • Herzinsuffizienz (stationär: 25,1 Prozent/ambulant: 27,3 Prozent)
  • Koronare Herzkrankheit (KHK; stationär: 22,3 Prozent/ambulant: 24,6 Prozent).

„Wir sehen anhand dieser Zahlen: Alle Möglichkeiten einer frühen Diagnostik, Therapie und vor allem Prävention dieser Erkrankungen, die das Entstehen von Vorhofflimmern begünstigen oder – wie im Fall der Herzschwäche und Herzklappenerkrankungen – durch Vorhofflimmern verursacht werden können, müssen ausgeschöpft werden“, so Voigtländer.

Die kontinuierliche Nachsorge einer Herzerkrankung wie Vorhofflimmern müsse zudem gut zwischen den behandelnden Kollegen koordiniert sein, um frühzeitig auf auffällige Symptome reagieren zu können, erklärte Voigtländer. Auch Patienten seien gefordert, indem sie neben der konsequenten Therapie regelmäßige Selbstkontrollen von Puls und Blutdruck durchführen, hierbei könnten digitale Helfer wie moderne Smartwatches unterstützen.

Hospitalisierungen und Sterblichkeit bei KHK und Herzinsuffizienz rückläufig

Was der aktuelle Herzbericht sonst noch verrät: Sowohl die Krankenhausaufnahmen als auch die Sterblichkeitsraten aufgrund von KHK und Herzinsuffizienz sind im Vergleich zur Vor-COVID-Ära (2019) gesunken, bewegen sich aber weiter auf hohem Niveau:

  • KHK: Krankenhausaufnahmen -19,1 %, Sterblichkeit -11,1 % gegenüber 2019; absolute Zahl Verstorbener in 2024: 113.473, davon 41.258 an einem Herzinfarkt
  • Herzinsuffizienz: Krankenhausaufnahmen -8,9 %; Sterblichkeit -1,9 % gegenüber 2019; absolute Zahl Verstorbener in 2024: 37.633.

DGK-Präsident Prof. Stefan Blankenberg führt die hier beobachteten sinkenden Trends vor allem auf die Fortschritte in Diagnostik und Therapie der Erkrankungen selbst, aber auch der Begleiterkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen zurück.

Ambulantisierung in der Kardiologie

Auch die zunehmende Ambulantisierung der Kardiologie wurde von Voigtländer thematisiert. Mit der Einführung der Hybrid-DRGs zum 1. Januar 2026 wurden die Voraussetzungen dafür geschaffen, bestimmte kardiologische Prozeduren künftig auch ambulant zu erbringen. „Perspektivisch werden wichtige Bereiche der interventionellen Herzmedizin eine nahezu vollständige Ambulantisierung erfahren. Dies betrifft die Stentversorgung bei Patienten mit einer KHK, die Schrittmachertherapien, die ICD-Implantation sowie – und dies ist ein Novum – die Katheterablationen bei Herzrhythmusstörungen, besonders bei Vorhofflimmern“, erklärte Voigtländer.

Inwiefern die Hybrid-DRGs zu einer Entlastung des Kliniksektors führen werden, müsse sich jedoch erst noch zeigen. „Die Ambulantisierung muss aber so gestaltet werden, dass im Sinne der Herzpatienten größtmögliche Sicherheit und Qualität der Eingriffe gewährleistet ist. Bereits jetzt werden viele Eingriffe ambulant in größeren Praxen beziehungsweise in Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) durchgeführt. Es braucht aber für viele Leistungen sicherlich auch weiterhin das Back-up eines Krankenhauses und einer Intensivstation, gerade bei Auftreten von Komplikationen ist dies unumgänglich“, so der Frankfurter Kardiologe.

Der Deutsche Herzbericht wird alljährlich von der Deutschen Herzstiftung zusammen mit den wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften für Kardiologie (DGK), für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG), für Kinderkardiologie und Angeborene Herzfehler (DGPK) und für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen (DGPR) herausgegeben.

(ah/BIERMANN)