Online-Fortbildung zur Therapie traumatisierter Kinder25. September 2018 Foto: © New Africa – Fotolia.com Um die Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit posttraumatischer Belastungsstörung zu verbessern, hat der Lehrstuhl für Klinische und Biologische Psychologie der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) eine kostenlose Online-Lernplattform für Psychotherpeutinnen und -therapeuten entwickelt. Die Lernplattform vermittelt Kenntnisse zur in den USA entwickelten „Traumafokussierten kognitiven Verhaltenstherapie“ (TF-KVT), die sich für diese Zielgruppe als Behandlungsform bewährt hat und gründlich evaluiert wurde. Das deutschsprachige Portal der KU lehnt sich an eine Fassung an, die in den USA seit 2005 im Einsatz ist und dort mittlerweile mehr als 300.000 Nutzer erreichte. „Mit dem Online-Portal wollen wir eine Lücke zwischen Wissenschaft und Praxis schließen: Durchschnittlich dauert es 17 Jahre, bis eine neue Behandlungsmethode in der Grundversorgung angekommen ist. Den Zeitraum der Dissemination möchten wir deutlich verkürzen und zur Verbreitung der TF-KVT als bewährte Therapieform beitragen“, erklärte Prof. Rita Rosner, die an der KU den Lehrstuhl für Klinische und Biologische Psychologie innehat und die Psychotherapeutische Hochschulambulanz der KU leitet. Gefördert vom Bundesforschungsministerium verifizierte Rosner mit Ihrem Team selbst in mehreren Studien die Wirksamkeit der traumafokussierten kognitiven Verhaltenstherapie bei Kindern und Jugendlichen. Das Training von Therapeuten erfolgte in diesen Projekten über eine Kombination von Seminaren und E-Learning, was zur Idee des neuen Online-Portals führte. Die TF-KVT eignet sich auch für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen, die etwa durch Krieg und Flucht traumatisiert wurden, da sie sich in unterschiedlichen kulturellen Settings bewährt hat. Dies zeigen etwa Studien, die in Afrika, Asien und dem Nahen Osten durchgeführt wurden. Das Zentrum Flucht und Migration (ZFM) der KU unterstützte deshalb aus Mitteln der Erzdiözese München und Freising die zweijährige Entwicklungszeit der Lernplattform. Damit wurde etwa die Übersetzung von Materialien in Paschtu, Farsi oder Arabisch ermöglicht, mit denen Therapeuten die Kinder und Jugendliche standardisiert behandeln können. „Das ZFM will nicht nur die Ursachen und Auswirkungen von Flucht und Migration erforschen, sondern auch durch konkrete Angebote im Bereich Bildung und Coaching wirken. Die Online-Fortbildung für Therapeutinnen und Therapeuten soll auch einen Beitrag dazu leisten, die Auswirkungen von Flucht und Migration zu lindern“, erklärte Dr. Julia Devlin, Geschäftsführerin der Zentrums Flucht und Migration an der KU. Ziel der TF-KVT ist es, dass traumatisierte Kinder und Jugendliche lernen, besser mit den Emotionen umzugehen, die traumatische Erlebnisse bei ihnen hervorrufen, und diese Erfahrungen in ihr Leben zu integrieren. „Die Kinder sollten nach dem erfolgreichen Abschluss einer TF-KVT einerseits ein Gefühl der Kompetenz erworben haben, weil sie nicht länger von mit dem Trauma in Zusammenhang stehenden Problemen überwältigt werden. Sie sollten andererseits hoffnungsvoll in die Zukunft blicken können, weil sie gelernt haben, wie sie mit Problemen umgehen können“, erläutert Rosner. Die TF-KVT umfasst als relativ kurzes Behandlungsmodell 12 bis 20 Sitzungen. Für einen optimalen Therapieverlauf ist es ideal, wenn ein unterstützender Elternteil oder eine andere Bezugsperson in die Therapie einbezogen werden kann – was wiederum auch diese stärkt. Die Online-Lernplattform ist über die Adresse https://tfkvt.ku.de/ nach einer kostenlosen Registrierung nutzbar.
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