Optimale Herzgesundheit bei Kindern senkt das Risiko für chronische Erkrankungen im Erwachsenenalter

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Eine optimale Herzgesundheit bis ins jugendliche Alter führt laut einer neuen Übersichtsarbeit zu einer lang anhaltenden kardiovaskulären und allgemeinen körperlichen, kognitiven und psychischen Gesundheit.

„Frühzeitige Prävention ist der Schlüssel zu einem gesunden Erwachsenenleben“, resümiert Dr. Amanda Marma Perak, Letztautorin der kürzlich im „Journal of the American Heart Association“ publizierten Studie. Die beteiligten Forscher hatten in einem systematischen Review fast 500 Studien ausgewertet, die zwischen Januar 2010 und Januar 2021 veröffentlicht worden waren.

Einfluss von Lebensstil und klinischen Faktoren untersucht

Die Herzgesundheit von der Geburt bis zum Jugendalter bewerteten Perak und Kollegen anhand einer Kombination verschiedener Messgrößen, die von der American Heart Association entwickelt wurden – genannt Life’s Simple 7. Diese umfassen Lebensstilvariablen – Ernährung, körperliche Aktivität, Schlaf und Vermeidung von Rauchen – sowie klinische Faktoren wie Body-Mass-Index (BMI), Blutdruck, Cholesterin- und Blutzuckerwerte.

Verschiedene Vorteile für die spätere Gesundheit

Die Analyse ergab, dass selbst in jüngeren Jahren die Prävalenz einer idealen Herz-Kreislauf-Gesundheit sehr gering ist. Eine optimale Herzgesundheit von der Geburt bis zum Jugendalter ging in der Untersuchung mit verschiedenen Vorteilen für die spätere Gesundheit einher. Dazu zählen ein geringeres Risiko für Krebs, Demenz, Lungen-, Leber- und Nierenerkrankungen, Typ-2-Diabetes, Adipositas, Depressionen und Hörverlust sowie eine bessere kognitive, zahnmedizinische und augenärztliche Gesundheit.

Eine Studie verdeutlichte, dass bessere Gewohnheiten für die Herz-Kreislauf-Gesundheit das Risiko für Herzinfarkte selbst bei Menschen mit hohem genetischem Risiko oder starker familiärer Vorbelastung senken können. Eine andere Studie ergab, dass Jugendliche fast achtmal seltener eine schlechte Herz-Kreislauf-Gesundheit hatten, wenn ihre Mütter während der Schwangerschaft eine bessere Herz-Kreislauf-Gesundheit hatten, was darauf hindeutet, dass die Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bereits vor der Empfängnis beginnen kann. Perak war die Hauptautorin dieser Studie.

Tipps für Eltern

„Die Kindheit ist ein einzigartiges Zeitfenster, in dem die Einhaltung dieser kardiovaskulären Gesundheitskennzahlen in optimalen Bereichen einen langfristigen Nutzen für alle Körpersysteme hat, nicht nur für das Herz“, fasst Perak, Kinderkardiologin am Ann & Robert H. Lurie Children’s Hospital in Chicago und Assistenzprofessorin für Pädiatrie und Präventivmedizin an der Feinberg School of Medicine der Northwestern University (USA), zusammen.

Die Expertin rät Eltern daher, auf eine gesunde Ernährung, viel Bewegung und ausreichend Schlaf ihrer Kinder zu achten. Mit zunehmender Alter solle außerdem vor den Konsequenzen des Nikotinkonsums – in Form von Rauchen oder Vaping – gewarnt werden. Die klinischen Faktoren – BMI, Blutdruck, Cholesterin- und Blutzuckerspiegel – müssten hingegen die zuständigen Kinderärzte im Blick behalten.

Weiterer Forschungsbedarf

Die Untersuchung hob auch wichtige Lücken in der Forschung zur Herz-Kreislauf-Gesundheit hervor. So haben sich nur wenige Studien damit befasst, wie die Life’s Simple 7 bei Kindern oder bei Müttern während der Schwangerschaft verbessert werden kann. Darüber hinaus gab es relativ wenige Studien zur psychischen Gesundheit, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, obwohl die Ergebnisse darauf hindeuten, dass dies ein entscheidender Faktor für eine optimale Herz-Kreislauf-Gesundheit ist.

(ah/BIERMANN)