Neue Studie: Orale Kontrazeptiva können Binge-Eating begünstigen24. Juni 2026 Symbolbild © doucefleur/stock.adobe.com Die Einnahme oraler Kontrazeptiva kann mit einer Zunahme von Binge-Eating-Episoden einhergehen – vor allem bei Frauen, die bereits andere Risikofaktoren aufweisen. Das hat eine neue Studie der Michigan State University (USA) ergeben. Die Längsschnittstudie begleitete 422 Frauen aus dem Zwillingsregister der Michigan State University, die kombinierte orale Kontrazeptiva einnahmen – also Präparate, die sowohl synthetisches Östrogen als auch Gestagen enthalten. Diese Verhütungsmittel bestehen aus Wirkstofftabletten sowie wirkstofffreien Placebotabletten. Die Kombination aus Wirkstoff- und Placebotabletten bot den Forschern die Möglichkeit, Veränderungen des Essverhaltens zu untersuchen, je nachdem, ob die Frauen gerade die hormonhaltigen oder die wirkstofffreien Tabletten einnahmen. Über einen Zeitraum von 49 aufeinanderfolgenden Tagen beobachteten die Forscher bei den Teilnehmerinnen Veränderungen im sogenannten emotionalen Essen, einer Form des übermäßigen Essverhaltens als Reaktion auf negative Emotionen. Die in „JAMA Network Open“ veröffentlichte Studie ergab, dass das emotionale Essen signifikant zunahm, wenn die Frauen die wirkstoffhaltige Tabletten einnahmen, verglichen mit der Einnahme der wirkstofffreien Tabletten. Diese Ergebnisse zeigten sich sowohl in der Gesamtgruppe der Frauen als auch bei jenen, die von aktuellen oder früheren klinisch relevanten Essanfällen berichteten. Frühere Untersuchungen deuteten bereits darauf hin, dass endogene Ovarialhormone (Östrogen und Progesteron) eine wichtige Rolle für das Risiko von Essanfällen bei Frauen spielen. Die neuen Ergebnisse deuten darauf hin, dass auch die synthetischen Hormone in kombinierten oralen Kontrazeptiva das Risiko erhöhen können. „Diese Ergebnisse sind wichtig, da sie auf die potenziell negativen Auswirkungen kombinierter oraler Kontrazeptiva bei Frauen hinweisen. Dennoch ist festzuhalten, dass nicht jede Frau in der Studie Essanfälle entwickelte; für viele Frauen sind diese Präparate sicher, und das Risiko betrifft wahrscheinlich vor allem diejenigen, die bereits andere Risikofaktoren aufweisen“, erklärt Kelly Klump, Hauptautorin der Studie und „MSU Research Foundation Distinguished Professor“ am Fachbereich Psychologie der MSU. „Zukünftige Studien sind erforderlich, um besser zu bestimmen, wer gefährdet ist, und um Ansätze der personalisierten Medizin in der Frauengesundheit zu unterstützen.“ Die Studie ergab zudem, dass die tägliche Dokumentation des Essverhaltens – das sogenannte Selbstmonitoring – dazu beitrug, die Häufigkeit von Essanfällen bei den Teilnehmerinnen zu verringern. Dieser Rückgang war auch dann zu beobachten, wenn die Frauen die hormonhaltigen Tabletten einnahmen. „Wir haben festgestellt, dass Selbstmonitoring ein wirksames Instrument zur Risikominderung für die Frauen in der Studie war“, so Klump. „Je besser wir Frauen mit entsprechenden Strategien ausstatten und medizinisches Fachpersonal über diese Risiken aufklären, desto wirksamer kann die Versorgung gestaltet werden.“ Durch die Aufklärung medizinischer Fachkräfte über die Auswirkungen kombinierter oraler Kontrazeptiva auf Essanfälle sowie den Nutzen des Selbstmonitorings hoffen die Forschenden, dass ein stärker personalisierter Ansatz gefährdeten Personen helfen kann. (lj/BIERMANN) Das könnte Sie ebenfalls interessieren: Verhütung ohne Hormone: Goethe-Universität forscht an Alternativen zur „Pille“
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